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Altenstadt

06.12.2018

Altenstadter Synagogenplatz ist jetzt geschützt

Die Stelen am Synagogenplatz erinnern an die jüdische Geschichte in Altenstadt. Die Fläche, auf der das Mahnmal steht, ist jetzt ein Bodendenkmal.
Bild: Armin Schmid

Das Areal an der Memminger Straße erinnert an die jüdische Geschichte im Ort – und gilt nun offiziell als Bodendenkmal.

Die jüdische Geschichte in Altenstadt und Illereichen soll auch in Zukunft eine besondere Bedeutung haben. Deswegen werden die abgebrochene Synagoge in Altenstadt mit Mikwe (dem rituellen Tauchbad) und Schulhaus sowie der jüdische Friedhof in Illereichen künftig als Bodendenkmäler geführt. Im Zuge dessen werden die Flächen auch in die Denkmalliste nachgetragen.

Zugrunde liegt diesem Vorgehen die jüdische Geschichte des Ortes, die nach dem Dreißigjährigen Krieg mit der Ansiedlung von anfangs fünf jüdischen Familien im Jahr 1651 unter dem Schutz des Ortsherrn Caspar Bernhard von Rechberg begann. Der jüdische Friedhof wurde 1719 auf einem Grundstück errichtet, welches Gräfin Maria Anna von Lymburg Styrum zu Illereichen zugewiesen hatte. Die Synagoge entstand dann in den Jahren 1719 bis 1725 auf einem freien Grundstück an der Reichsstraße von Memmingen nach Ulm. Die jüdische Gemeinde wuchs im 18. Jahrhundert auf rund 50 Familien an und stellte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts teilweise die Hälfte der Gesamtbevölkerung in Altenstadt.

Altenstadt: Jüdische Geschichte reicht weit zurück

Der Friedhof wurde 1785 und 1867 erweitert und schließlich 1928 mit einer Mauer umgeben. Die baufällig gewordene Holzsynagoge wurde 1802 durch einen stattlichen Neubau ersetzt. Neben der Synagoge wurden ein Schul- und Gemeindehaus sowie ein rituelles Tauchbad errichtet. In einer Aufnahme von 1823 sind die Gebäude im Bereich der heutigen Memminger Straße 47 und 49 verzeichnet. Das Ritualbad wurde bereits in den 1920er Jahren nach der Abwanderung und deutlichem Rückgang der jüdischen Bevölkerung nicht mehr genutzt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge völlig zerstört. Und das Gebäude wurde später als Lager der Messerschmidt-Werke zweckentfremdet. Die Existenz der jüdischen Gemeinde endete im Jahr 1942 tragisch mit der Deportation der letzten jüdischen Altenstadter.

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Später, um 1951, gab es dann Umbaupläne für die ehemalige Synagoge. Sie sollte als Wohn- und Geschäftshaus oder sogar als Konzertsaal umgenutzt werden, hieß es damals. Umgesetzt wurden die Vorschläge aber nicht. Im Gegenteil: 1955 wurde der Bau abgerissen und der Standort der ehemaligen Synagoge teilweise überbaut.

Heute steht auf dem Areal ein Gebäude, das lange als Gastronomie genutzt wurde. Auch Wohnungen befinden sich in dem Haus an der Memminger Straße. Auf dem nicht überbauten Teil erinnern Stelen an die ehemalige Synagoge im Ortskern. Das einstige jüdische Schul- und Gemeindehaus wurden abgerissen. Sein Standort ist nicht überbaut worden.

Streit um Stelen: Das ist der aktuelle Stand

Wie berichtet, eskalierte im März dieses Jahres ein Streit zwischen dem Besitzer des Grundstücks, auf dem die ehemalige Synagoge stand, und der Marktverwaltung.

Einen Bericht dazu lesen Sie hier: Ehemalige Synagoge: Bauherr will Mahnmal abreißen

Der frühere Gastronomiebetreiber drohte die Stelen abreißen zu lassen, er fühlte sich von der Gemeinde unfair behandelt und gab ihr Mitschuld am Aus seines Restaurants an der Memminger Straße. Rechtlich gesehen hätte der Eigentümer das Mahnmal abreißen können, da dieses aus Denkmalsicht nicht geschützt ist. Nun wurde aber zumindest das Areal auf die Denkmalliste gesetzt. Ob der Besitzer die Stelen dennoch entfernen darf, konnte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gestern auf Anfrage nicht mitteilen. Fest steht aber laut Landesamt für Denkmalpflege, dass die im Boden befindlichen Überreste der Synagoge, des Schulhauses und der Mikwe sowie der jüdische Friedhof in Illereichen große geschichtliche Bedeutung für ganz Bayern haben.

Momentan sei die Gemeinde am Kauf des Grundstücks interessiert, sagte Bürgermeister Wolfgang Höß gegenüber unserer Redaktion. Man versuche eine Lösung mit dem Eigentümer zu finden, ein Gutachter habe den Wert des Grundstücks geschätzt. Dass das Landesamt für Denkmalpflege die Festschreibung der Bodendenkmäler nun fordert, sei anhand der geschichtlichen Bedeutung nachvollziehbar, so Höß. Die Mitglieder des Bauausschusses stimmten der Aufnahme der Flächen in die Denkmalliste zu.

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