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Porträt

18.04.2015

Am Günzstrand klingt´s wie an der Waterkant

Diese Langspielplatte nahmen die Göbels 1976 mit ihrem Ammerseer Jugendchor auf.
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Diese Langspielplatte nahmen die Göbels 1976 mit ihrem Ammerseer Jugendchor auf.

Karl und Ulla Göbel aus Babenhausen können 300 Volksweisen, Schlager und Shantys aus dem Stegreif singen. Eine Schallplatte erinnert an ihre Zeit mit dem Ammerseer Jugendchor

Eine Gruppe Mädchen in bunten Kleidern, Buben mit Trachtenschleifen um den Hals, im Hintergrund die malerische Uferpromenade des Ammersees. Die Szene, die an ein Heimatfilm-Idyll erinnert, findet sich auf dem Cover einer Langspielplatte aus dem Jahr 1976. Eingespielt haben sie Karl und Ursula Göbel mit ihrem Ammerseer Jugendchor aus Herrsching/Seefeld an einem einzigen Tag im Bavaria Studio.

„Das saß einfach“, erinnert sich Karl Göbel und packt seinen Notenständer aus. In ihrem Haus in Babenhausen geben er und seine Frau Ursula („Ulla“) eine Kostprobe ihres musikalischen Könnens. Karl Göbel nimmt seine Gitarre in die Hand und mit „Gedanken sind frei“, gesungen im Duett, geht die Vorführung los.

Die Musik hat die Göbels in ihrem ganzen Leben immer begleitet und auch heute noch haben die beiden – Jahrgang 1939 – kräftige Stimmen.

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Karl Göbel hat schon viel erlebt und gesehen: In Düren im Rheinland geboren, kam er mit zwei Jahren nach Niederschlesien. Als Flüchtlingskind war er bei eisiger Kälte drei Tage in einem Waggon eingesperrt, in Wolfsburg machte er eine Mechanikerausbildung bei VW, in Glückstadt eine zum Seemann. In Reichau renovierten er und seine Frau ein verfallenes Bauernhaus. Heute unterhalten die beiden in Babenhausen und Umgebung als Gesangsduo und bringen sich beim Ferienprogramm und als Schulweghelfer ehrenamtlich ein.

Das sind nur einige Stationen im Leben von Ulla und Karl Göbel, die sich in Luzern kennengelernt haben und seit 52 Jahren verheiratet sind. Schließlich verschlug es sie nach Babenhausen. „Ich fühle mich da zu Hause, wo wir uns wohlfühlen. Das ist Heimat“, sagt Ulla Göbel.

Schon bei der Marine war die Gitarre stets griffbereit

Karl Göbel kramt ein altes Foto hervor, das ihn als jungen Mann bei der Marine zeigt, selbstverständlich mit Gitarre in der Hand. „Ich hab schon immer gern gesungen“, betont er, „und meine Frau auch.“ Das Meer liegt in Babenhausen zwar nicht direkt vor der Türe, jedoch können die Göbels das Matrosengefühl zu jeder Zeit in ihr Wohnzimmer holen – ganz ohne Fernsehen oder Internet. „Auf allen Meeren“, „Hamborger Veermaster“ – zu den 300 Liedern, die sie aus dem Stegreif vortragen können, gehören auch viele Shantys, Seemannslieder also, die bei Konzerten in der hiesigen Region eher selten zu hören sind. Hinzu kommen Volkslieder, Wanderlieder, Schlager und Operettenausschnitte.

Immer war es ihnen wichtig, ihre Musikalität auch für das Sammeln von Spenden einzusetzen, beispielsweise für den Seenotrettungsdienst oder die SOS-Kinderdörfer. Und immer haben die Göbels gerne mit Kindern gearbeitet.

Während ihrer Zeit mit dem Ammerseer Jugendchor lernten sie durch Konzertabende im Andechser Hof den Bayern-3-Mitbegründer Joseph Othmar Zöller kennen, der sie ermutigte, die Langspielplatte einzuspielen. „Die hat knapp 10000 Mark gekostet. Das Geld hatten wir bald wieder drin“, erzählt Karl Göbel. Von der Produktion, der Garderobe bis zur Covergestaltung – alles nahmen die Göbels und ihr Chor selbst in die Hand. Bald hatten ihre Lieder einen festen Platz im Wunschkonzert des Bayerischen Rundfunks. Am bekanntesten sei damals die alte Volksweise „Ich ging einmal spazieren“ gewesen, die der Chor für die Schallplatte eingespielt hat, erzählt Karl Göbel. Einem Artikel aus dem Starnberger Merkur aus dem Jahr 1977 ist zu entnehmen, dass der Chor schon nach kurzer Zeit viele Anhänger gefunden hat und viele Auftritte absolvierte. Auch die Kinder der Göbels wirkten damals mit.

In späteren Jahren leiteten die Göbels zwei Mal – von 1984 bis 1988 und von 2008 bis 2011 – einen Kinderchor in Reichau. „Diese Freude der Kinder ist das Schönste für uns“, sagt Ulla Göbel. Bejubelt wurde auch der Auftritt der beiden in der Jugendbildungsstätte Babenhausen vor einigen Wochen. Dabei kamen auch ihre auf Plattdeutsch gesungenen Titel hervorragend an. „Dat du min Leevsten büst, dat du woll weeßt. Kumm bi de Nacht, kumm bi de Nacht, segg wo du heeßt“ – der norddeutsche Klassiker gehört fest zu ihrem Repertoire.

Kraftvolle Seemannslieder statt Studiotricks

Auch in Zukunft wollen die Göbels möglichst viele Konzerte in Babenhausen und Umgebung geben. „Wir haben immer noch gute, feste Stimmen“, sagt Karl Göbel nicht ohne Stolz. Seine Frau Ulla nickt. „Eine gute Stimme ist eine Gottesgabe“, sagt sie und kritisiert, dass heutzutage zu viel mit Studiotricks gearbeitet wird. Da stimmen Karl und Ulla Göbel doch lieber ein kraftvolles Seemannslied an.

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