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Geburtstag

15.05.2015

An hohes Alter niemals gedacht

Über den Besuch von Bürgermeistern Simone Vogt-Keller zum 90. Geburtstag freut sich Theresia Ott sehr, zumal sie ihr Fest genießen kann.
Bild: R. Langhans

Theresia Ott ist 90 und genießt dankbar ihre Zeit

Die rüstige Seniorin strahlt beim Empfang der Gäste, die zu ihr ins eigene Haus zum Gratulieren kommen. Seit 1964 wohnt Theresia Ott in Bellenberg, wo sie zufrieden im Familien- und Freundeskreis ihren 90. Geburtstag feiert.

Dass dies möglich ist, erfüllt die aus dem heutigen Rumänien stammende, zu den Donauschwaben zählende Seniorin mit Dankbarkeit. Eine Odyssee hat sie erlebt, bis sie mit ihrem Mann das Haus in Bellenberg erwerben konnte, das sich bald zum neuen Familienmittelpunkt entwickelte. Heute profitieren noch ihre Tochter, zwei Enkelinnen oder ihre Nichte von den schier unglaublichen Geschichten, die sie erzählt.

In der ländlich geprägten früheren Heimat fühlte sich Theresia Ott sehr wohl, und mit den benachbarten Serben war gut auszukommen. „Meine Urahnen sind vor über 200 Jahren ausgewandert“, sagt sie. Ihr Vater war früh gestorben, und als im Zweiten Weltkrieg die Deutschen aus Rumänien mehr und mehr wegzogen, habe ihre Familie den Anschluss verpasst, kein Gefährt habe mehr zur Verfügung gestanden. Dann wurde es erst richtig schlimm. „Russen nahmen mich und meine älteste Schwester gefangen und steckten uns in die Bergwerke, die mittlere Schwester blieb daheim.“ Sie waren im Donezk-Gebiet in der heutigen Ukraine gelandet, wo sie von 1944 bis 1949 unter Tage arbeiteten. „Wenn ich noch eines erzählen darf“, fügt sie bescheiden an, „ich hätte nicht gedacht, dass ich überlebe.“ Was sie wie nebenbei berichtet, erinnert an ein Wunder. Im Bergwerk war sie, von einem schweren Kohlestück ins Gesicht getroffen, bewusstlos geworden. Es gab keine medizinische Versorgung, nicht einmal Verbandsmaterial, sodass die Kohlereste beim Verheilen in die Gesichtshaut einwuchsen. Viel zu früh musste sie zur Arbeit zurück, doch die einheimische Bevölkerung half ihr, zu überleben.

Von den inneren und äußeren Narben ist heute nur wenig zu bemerken, und ihre Altersbeschwerden haben andere Ursachen. Theresia Ott genießt den Garten, die Freundschaft mit den Nachbarn und gute Gespräche, wobei sie auf ihre Familie zählen kann. (lor)

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