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Illertissen

10.01.2019

Anfänge und Abschiede: Die Illertisser Gastro-Szene ist kräftig in Bewegung

Gülsah Nair hat am Illertisser Marktplatz ihren Traum verwirklicht und ein eigenes Lokal eröffnet. Im Café Freeda serviert sie Toast, Kuchen, Kaffee und vieles mehr. Das Motto ist angelehnt an eine bekannte Künstlerin.
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Gülsah Nair hat am Illertisser Marktplatz ihren Traum verwirklicht und ein eigenes Lokal eröffnet. Im Café Freeda serviert sie Toast, Kuchen, Kaffee und vieles mehr. Das Motto ist angelehnt an eine bekannte Künstlerin.

Plus Das neue Café Freeda in Illertissen kommt gut an und die ehemalige Krone öffnet bald regelmäßig als Bar. Doch in Au schließt ein Lokal.

Gülsah Nair hat es gewagt: Trotz des beständigen Wandels in der Illertisser Gastronomieszene hat sie kürzlich ein neues Lokal am Illertisser Marktplatz eröffnet. Dabei übernahm sie nicht etwa ein etabliertes Restaurant, sondern zog in eine ehemalige Tanzschule. Der Name des neuen Lokals: Café Freeda. Damit verwirklichte sich die 36-Jährige einen lang gehegten persönlichen Traum. Zugleich brachte sie ein ungewöhnliches Konzept in die Stadt: Das Motto des Cafés ist die Künstlerin Frida Kahlo (1907 bis 1954). Denn in ihr sieht die Betreiberin ein Vorbild für sich selbst. „Sie hat nie aufgegeben und immer weitergekämpft“, erklärt Nair. „Sie ist ein Symbol für die Stärke der Frau.“

Im Café Freeda gibt es italienisches, deutsches und türkisches Essen

Kahlo wurde 1925 im Alter von 18 Jahren bei einem Busunglück verletzt, eine Metallstange bohrte sich in ihr Becken. Daraufhin war sie ans Bett gefesselt, konnte kaum stehen – und begann als Zeitvertreib mit der Malerei. Ihre Geschichte und ihre Kunst bewegen die Gastronomin. Von Kahlos Schaffen können sich die Besucher in dem Lokal ein eigenes Bild machen. Kopien der berühmten Selbstporträts sind Teil der Einrichtung. Auf der Speisekarte im Café Freeda stehen deutsche, türkische und italienische Gerichte. Besonders wichtig ist Nair dabei die Variation: „Das Mittagsangebot und der Kuchen am Nachmittag wechselt täglich.“

Doch nicht nur bei den Gastronomen am Marktplatz hat sich etwas getan: In der Krone gegenüber des Rathauses ist es zeitweise proppenvoll – und das obwohl das Restaurant eigentlich geschlossen ist. Gabi Schmidt aus Regglisweiler hatte die Pforten des bekannten Lokals zum Weihnachtsmarkt aber wieder aufgesperrt. Der Barbetrieb fand großen Anklang, weshalb das Modell nun fortgesetzt werden soll: Alle zwei Wochen will die Nebenerwerbswirtin öffnen, das nächste mal schon am Freitag, 11., und Samstag, 12. Januar, wenn in Illertissen Fasching gefeiert wird. Als Bar werde die Krone gut angenommen: „Viele Leute freuen sich darüber, dass wieder offen ist.“ Kalt bleibt die Küche bis auf Weiteres trotzdem, denn die Suche nach einem Vollzeit-Pächtergeht weiter. Schmidt hofft, dass die bald von Erfolg gekrönt ist: „Es ist schade, dass in dieser tollen Küche nicht gekocht wird.“ Vielleicht lasse sich ja bei den zweiwöchentlichen Öffnungen ein Interessent finden.

Bahnhofskiosk heißt jetzt Pizzstop

Am anderen Ende der Hauptstraße hat ebenfalls ein altbekanntes Lokal wieder eröffnet: der Bahnhofskiosk heißt jetzt Pizzstop. betreiber ist seit Oktober Ibrahim Sereflioglu, der parallel den Taxiservice Illertal-Taxi führt. Mit dem Wechsel hat sich auch das Konzept gewandelt: Statt einem Kiosk will Sereflioglu am Bahnhof ein kleines Bistro etablieren, mit selbstbelegten Pizzen, Kaffee und Snacks. Sein Wunsch: „Das Bahnhofsgelände soll sich verändern. Die Leute sollen sich dort wohl fühlen.“ Deshalb setze er bei seiner Kundschaft nicht ausschließlich auf Pendler, sondern auch auf die Illertisser selbst.

Die Illertisser Krone hat wieder geöffnet – wenn auch nicht durchgehend.


Doch nicht überall läuft es in der Gastronomie so rund wie in der Innenstadt. Im Ortsteil Au kündigt der Wirt des Rathaus-Stüberls, Gottfried Kuisl, gegenüber unserer Redaktion an, dass das Jahr 2019 sein letztes als Betreiber sein wird. Im Laufe des kommenden Jahres werde sich ein neuer Pächter um das Kult-Restaurant kümmern müssen. Der Grund: Kuisl hat sein persönliches Ziel erreicht. „Ich habe mit 25 Jahren angefangen und habe immer gesagt, nach 35 Jahren höre ich auf.“ Die macht der 59-Jährige Ende des Jahres voll. „Ich habe jung angefangen, ich will hier nicht sterben“, begründet er seine Entscheidung.

Gaststätte Wolperdinger in Dietenheim schließt bald

Die „Hardcore-Arbeit“, wie er die Gastronomie bezeichnet, will er aber nicht ganz hinter sich lassen. Lediglich auf das Restaurant verzichtet Kuisl. Den Catering-Service, den er nebenzu betreibt, wolle er weiterführen, aber von Buch aus. Dafür, sagt Kuisl, baue er derzeit einen alten Bauernhof um. Doch auch mit Au will er nicht ganz abschließen: Falls sich kein neuer Pächter finden sollte, wolle er in Au künftig zumindest aushelfen.

Kuisl ist nicht der einzige Gastronom der seinem Lokal den Rücken kehrt: Bastian Hatzinger, der in Dietenheim die Gaststätte Wolperdinger betreibt, verlässt den Ort. Grund dafür seien Unstimmigkeiten mit dem TSV, der das Gebäude an ihn verpachtet hat. „Sie wollen die Gaststätte wieder mehr als Sport- und Vereinsheim nutzen, das will ich aber nicht“, sagt er. Außerdem habe er in den vergangenen acht Jahren, in denen er das Restaurant führte, vergünstigte Pacht bezahlt. „Jetzt will der Verein die volle Pacht. Ich habe schon damals gesagt, dass mir das zu teuer ist.“ Wie Kuisl in Au zieht auch Hatzinger um. Er übernimmt künftig die Gaststätte Zum Hirsch im Bucher Ortsteil Dietershofen. Die aktuellen Betreiber gehen wiederum in Ruhestand. Für sein neues Restaurant hat Hatzinger auch schon einige Pläne. Er will den bereits vorhandenen Biergarten ausbauen und für Ausflugsreisende attraktiv machen. Auch eine Ladestation für E-Bikes soll es dort künftig geben.

In Tiefenbach könnte es bald ein italienisches Restaurant geben

Für das Leonhard-Stüble im Illertisser Ortsteil Tiefenbach hat die Stadt derweil wohl einen potenziellen Nachmieter gefunden. Zumindest sieht es aktuell ganz gut aus: Das sagt Tanja Schmidt, die in der Stadt die Abteilung „Steuern, Gebühren, Liegenschaften“ leitet. Eineinhalb Jahre stand das Lokal leer. Nun gibt es wohl einen Interessenten, der dort italienische Küche anbieten will. Bereits im Februar könnte das Lokal öffnen. Näheres war noch nicht zu erfahren.

Gülsah Nair ist mit ihrem Café Freeda einige Zeit nach der Eröffnung sehr zufrieden: „Anfangs war fast nichts los. Aber nachdem der erste Kunde da war, kamen ganz viele.“ Sie plant schon jetzt für die gastronomische Zukunft. In zwei Jahren, sagt sie, wolle sie in Ulm ein weiteres Café eröffnen. Dann unter einem anderen Motto. Verraten will sie das jedoch noch nicht.


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