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02.03.2009

Angeklagte müssen zur KZ-Gedenkstätte

Memmingen/Babenhausen (vog) - Glimpflich davongekommen sind gestern drei Angeklagte vor dem Memminger Amtsgericht. Die jungen Männer hatten beim Faschingsumzug in Boos vor einem Jahr andere Zuschauer verängstigt, Nazi-Parolen gegrölt und den Hitlergruß gezeigt.

Richter Dr. Markus Veit ließ es am Ende bei einer Bewährungsstrafe beziehungsweise Verwarnungen. Allerdings machte er den Angeklagten klar: "Wenn ich euch hier nochmal sehe, werdet ihr eingesperrt. Das schwör' ich euch."

Zwei der Angeklagten waren zur Tatzeit noch minderjährig. Die heute 17 und 18 Jahre alten Lehrlinge versicherten vor Gericht, dass sie nicht in der rechten Szene seien. Einer bezeichnete sich als "Mitläufer", der andere die Tat als "Dummheit". Zudem seien sie alle betrunken gewesen. Den Alkohol ließ der Richter aber nicht als Entschuldigung gelten.

Dagegen rechnete er ihnen positiv ihre Geständnisse an und den Umstand, dass ihr Eindruck vor Gericht "so schlecht nicht war". Die beiden müssen als Strafe jeweils 500 Euro an die Jena-plan-Schule zahlen und 40 Stunden Sozialdienst leisten. Außerdem wurde ihnen auferlegt, die KZ-Gedenkstätte in Dachau zu besuchen und danach ihre Eindrücke dem Richter schriftlich zu schildern.

Angeklagte müssen zur KZ-Gedenkstätte

Hakenkreuz auf der Brust

Letzteres gilt auch für den offenbaren Rädelsführer der Drei. Ansonsten traf den 23-Jährigen das Gesetz härter. Schließlich war der gelernte Maurer bereits einschlägig vorbestraft und stand zur Tatzeit unter Bewährung. Laut einem Polizeibeamten gehörte er der rechten Szene an. So hatte er sich vor ein paar Jahren auch ein Hakenkreuz auf die Brust tätowieren lassen, die er beim Booser Faschingsumzug entblößte.

Vor Gericht versicherte der 23-Jährige jetzt, dass er aus der rechten Szene raus sei: "Das Hakenkreuz habe ich auch wegmachen lassen." Auch sein Anwalt unterstrich, dass sein Mandant im Kern kein Neonazi sei und mit seiner Vergangenheit endgültig gebrochen habe. Dem schenkte Veit wohl Glauben und verurteilte den Mann zu zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1000 Euro.

Warnung vor neuer Straftat

Gleichzeitig versicherte er ihm, dass es bei einer erneuten Straftat eine dritte Bewährungsstrafe sicher nicht mehr geben werde: "Es war heute schon sehr knapp für sie."

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