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23.10.2009

Angriff auf Aldi: Landwirte blockieren Lager in Altenstadt

Attacke auf Aldi: Mit einer groß angelegten Protestaktion haben Landwirte aus den Kreisen Neu-Ulm, Unterallgäu und Biberach in der Nacht zum Donnerstag das zentrale Auslieferungslager des Discounters in Altenstadt für mehrere Stunden lahmgelegt.

Sie kamen mitten in der Nacht. Gegen drei Uhr morgens fuhren rund 100 Bauern mit rund 60 Traktoren und Gespannen vor und blockierten die Zufahrt zum Auslieferungslager über die Staatsstraße 2031 und die Illertalstraße. In die Einfahrt des Lagers kippten verärgerte Landwirte einen großen Misthaufen. Auf der Kreuzung Staatsstraße und Illertalstraße erlitt ein Hänger offenbar eine Reifenpanne und verlor mehrere Strohballen. Das Gefährt blieb mitten auf der Straße liegen. Die Folge der Aktionen: Der Verkehr rund um das Aldi-Areal kam völlig zum Erliegen. Beamte der Illertisser Polizei sperrten das blockierte Gebiet ab und versuchten, den immer stärker werdenden Berufsverkehr umzuleiten.

Joachim Barth, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) im Kreis Biberach erklärte das Ziel der Aktion: "Mit der Spontan-Demo wollen die Bauern gegen eine verfehlte Milchpreispolitik ankämpfen." Barth nahm Bezug auf die Summe von 280 Millionen Euro, mit der die Agrar-Kommission der EU die Landwirte unterstützen will. "Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler jetzt für die Fehler der Politik geradestehen muss." Mit einer rechtzeitigen Steuerung der Milchmenge wäre es nach Ansicht des Kreisvorsitzenden gar nicht einer Überproduktion gekommen.

Zeichen gegen die Politik der niedrigen Preise

Angriff auf Aldi: Landwirte blockieren Lager in Altenstadt

Gleichzeitig richte sich der Protest auch gegen die Niedrigpreispolitik der Discounter, so Barth. Besonders sauer sind die Landwirte offenbar auf Aldi. Landwirt Anton Keller aus Pleß (Kreis Unterallgäu) beschwerte sich: "In dieser Woche hat Aldi die zehnte Preissenkungsrunde für Milchprodukte in diesem Jahr eingeläutet." Auch seine Kollegen machten ihrem Ärger in Altenstadt Luft: "Es geht noch billiger", riefen die wütenden Männern immer wieder zum Lager hinüber.

In den frühen Morgenstunden versammelten sich immer mehr Landwirte auf den Straßen vor dem Aldi-Areal. Auf dem Betriebsgelände warteten derweil rund 30 beladene Lastwagen mit teils laufenden Motoren auf die Ausfahrt. Von Altenstadt aus beliefert Aldi täglich 57 Märkte im Umkreis von 100 Kilometern. Auch in die andere Richtung ging zeitweise nichts mehr: Auf der Staatsstraße bildeten ab etwa vier Uhr Lastwagen, die Ware zum Lager bringen wollten, eine lange Schlange. Jürgen Vollmer, der Geschäftsführer der Aldi-Süd-Zentrale in Altenstadt, reagierte gelassen auf die Blockade: "Wir haben keinen unmittelbaren Druck im Hinblick auf die terminliche Liefersituation." Die Versorgung der Märkte sah er durch die Protestaktion nicht gefährdet.

Helmut Moser, der Leiter der Polizeiinspektion Illertissen, und Hauptkommissar Werner Bräuer verhandelten mit den Landwirten. Nach einigen Gesprächen fuhren die Bauern ihre Gespanne zunächst von der Staatsstraße. Danach ging das Ringen um die Räumung der Kreuzung weiter. "Das ist ein Straftatbestand", erklärte Moser den Bauern. Die Blockade sei eine Nötigung der Firma Aldi. Die Landwirte müssten die rechtliche Verantwortung für die Folgen ihrer Aktion tragen.

Drei Mitarbeiter des Altenstadter Bauhofes halfen den Bauern, das Stroh von der Straße zu bekommen. Gegen 9.30 Uhr endete die Demonstration dann endgültig, die ersten Lastwagen rollten vom Hof.

Ernst Wüst, Stellvertretender Bürgermeister von Altenstadt, war morgens vor Ort. Er will nicht für eine Seite allein Stellung beziehen: "In meiner Brust schlagen zwei Herzen." Die Landwirte bekämen zwar zu wenig Geld, dennoch freuten sich Verbraucher über niedrige Preise. Als "ärgerlich" bezeichnete Wüst, dass einige umliegende Firmen gleich mit blockiert wurden.

Beim Zentrallager des Discounters Lidl in Pfaffenhofen gab es offenbar keine Aktionen. "Ansonsten hätten wir davon mitbekommen", sagte ein Beamter der Polizeiinspektion Weißenhorn gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Bei uns im Internet: Viele Bilder und ein Video von der Blockade in Altenstadt finden Sie unter www.illertisser-zeitung.de

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