1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Angriff auf die Massenware

Babenhausen

22.05.2018

Angriff auf die Massenware

Gut gelaunt geißelt er die Werbung: Kabarettist Philipp Weber.
Bild: Fritz Settele

Um Werbung und deren manipulative Gewalt geht es im Programm von Philipp Weber. In Babenhausen wird es dabei ganz schön scharfzüngig.

Der Mensch kauft Dinge, die er nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die er nicht mag. Viele Produkte ärgern ihn bereits, obwohl er noch gar nicht bezahlt hat. Und dabei vernebelt Marketing den Verstand der Menschen. Es sind Sätze wie diese, die sich wie ein roter Faden durch Philipp Webers Kabarettprogramm „Weber No 5 – Ich liebe ihn“ ziehen.

Weber zeigte sich bestens informiert über den Fuggermarkt. Lediglich ein aussagekräftiges Logo würde im „schönsten Babenhausen Deutschlands“ fehlen. Doch dies sei notwendig. Werbung, sprich Marketing, sei unerlässlich, ziele diese doch auf das Unterbewusstsein. Ehrliche Werbung gibt es laut Weber gar nicht, vielmehr lüge sie stets: Aftershave sei etwas anderes als der Name vermuten lasse und es gebe eben kein Deo, das Frauen „wuschig“ mache. Sprache diene dabei als „Konfusionsmittel“.

Philipp Weber schreckte nicht vor sexistischen Beispielen zurück, besuchte narkotisierende Jägermeister-Poolpartys und funktionierte den Weber-Kugelgrill zum Gartenpissoir um. Auch ging er mit journalistischen Fehlleistungen ins Gericht, beispielsweise mit Zeitungsüberschriften wie „Wenn der Papst kommt, ist die Hölle los“. „Bettlern“, deren Geschäft nicht laufe, empfahl er scharfzüngig den Slogan: „Arbeitsloser Asylant braucht Kondome – sonst werden wir mehr!“ Überhaupt ließ Weber kein gutes Haar an der AfD. „Marketingschweine“ manipulierten emotional die Menschen, nicht zuletzt Kinder und Jugendliche. Deshalb sollte Werbung, so Weber, für potenzielle Kunden unter zwölf Jahren verboten werden.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Insgesamt erreichen rund 5000 Werbebotschaften täglich jeden Menschen. Die einzige Waffe dagegen sei, die Mitteilungen zu hinterfragen. Werbung vereinnahme auch Senioren, zum Beispiel, wenn es um „fossile Energie“ gehe. Auch die Pharmaindustrie bekam ihr Fett weg – nicht zuletzt durch die „Menopause für Männer“ und „Pink Viagra“ für die Frau, eine Pille, welche Lust abrufbar machen soll. Alles Lug und Trug, sagte Weber.

Und wer brauche schon eine Lenkradheizung oder Kontrollleuchten am Armaturenbrett, die nur vom Fahren ablenkten?

Mit ständig neuen Produkten solle nur ein Kaufanreiz gesetzt werden. Studien belegen, dass lediglich zehn Prozent der gekauften Produkte benötigt würden. Der Rest sei manipulierbare Marketingmasse.

Es gab auch politische Seitenhiebe: Da die CSU nicht unbedingt als christlich eingestuft werden könne, habe Horst Seehofer wohl keine Chance, in den Himmel zu kommen. Dabei gehöre der „Islam mehr zu Deutschland, als Seehofer nach Berlin“, so Weber.

Und am Ende hat Philipp Weber dann doch noch die Lösung für marketinggeplagte Zuschauer. Es ist ein einfacher Satz: Das Wichtigste könne man sich nicht kaufen, man bekomme es geschenkt. Tosender Applaus des Publikums beendete ein über zwei Stunden andauerndes Sprachschnellfeuer samt Mimik und Stimmakrobatik.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren