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Au

05.07.2019

Au feiert am Samstag ein Jahrhundert Gesangstradition

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Die Chorgemeinschaft Au ist heute ein gemischtes Ensemble, dem 37 aktive Sänger angehören. Sie singen Lieder jeglicher Stilrichtung und ihr Repertoire umfasst Musik aus allen Jahrhunderten.
Bild: Martin Ebert

Was 1919 als klassischer Männerchor begann, ist heute ein vielstimmiges Ensemble. Seine Reisen führen über die Landesgrenzen hinaus. Das alles wird morgen Abend ab 19 Uhr mit einem Jubiläumskonzert gefeiert.

Wenn ein Verein sein eigenes Geburtstagsständchen singt, kann es sich nur um eine Sängervereinigung handeln. Dies ist am Samstag, 6. Juli, der Fall, wenn die Chorgemeinschaft Au in der Josef-Weikmann-Halle ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Das Jubiläumskonzert beginnt um 19 Uhr. Zu hören gibt es Gesang aller Stilrichtungen, jahrhundertealte Madrigale, Volkslieder, bis zu modernem Liedgut.

100 Jahre Chorgeschichte geben Anlass zm Feiern – aber auch ein deutliches Bild einer sich wandelnden Gesellschaft. Zusammen mit Gudrun Doll und Marlies Hartmann ist die Vorsitzende Margitta Häußler beim Blick in die Chronik auf viele Geschichten gestoßen, die ohne die gewissenhaften Protokollführer längst in Vergessenheit geraten wären. Als der Männergesangverein /MGV) am 9. Juni 1919 im Gasthof Hirsch in Au gegründet wurde, war das eben reine Männersache. Unter Federführung des damaligen Lehrers und dann ersten Dirigenten Josef Stubenvoll schlossen sich 46 Interessierte, darunter 27 Sänger zusammen. Vorsitzender wurde Engelbert Marquart. Ein erster öffentlicher Auftritt fand im März 1920 statt, aber nicht mit Gesang sondern Theater. Die Mitglieder waren wohl von Anfang vielseitig motiviert. Im August 1921 legten sie sich – unterstützt von Fabrikant Josef Forster – ein Klavier zu.

1922 fand in Au das erste Sängerfest statt

Im Juli 1922 fand in Au im Garten des Gasthofs und langjährigen Probenlokals „Sonne“ das erste Sängerfest statt. In der Chronik ist von 1924 bis 1933 unter dem Lehrer und Chorleiter Otto Lampart von „beachtlichem Niveau“ zu lesen. Interessant auch, vom Auftritt eines gemischten Chors zu lesen: Anlässlich der Cäcilienfeier am 24. November 1924 stand in der Zeitung: „Die gesanglichen Leistungen waren durchaus auf der Höhe, worunter der gemischte Chor besonderes Lob verdiente, indem derselbe das erste Mal aufgetreten ist.“ Der MGV schloss sich dem „Kleinen Illergau“ an und nahm an Wertungssingen teil.

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Während des Zweiten Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit, die Sänger mussten zum Militär. Dank des Engagements von Bürgermeister Josef Weikmann – zugleich stellvertretender Sängerkreisvorsitzender – wurde der MGV Au bereits am 7. November 1947 wieder aktiv. Ein Jahr später kam es zur Gründung des gemischten Chors. Am 23. Juli 1950 erhielt der Verein unter Weikmann als Vorsitzenden erstmals eine Fahne: 20 Chöre, 1000 Sänger und 2000 Festgäste feierten in Au.

Auer Chorgemeinschaft geht auf mehrtägige Konzertreisen

Von 1951 bis 1988 schrieb Albert Thanner als Chorleiter Vereinsgeschichte. Legendär ist die Anekdote vom Weihnachtslied Tannengrün: Der Dirigent gab irrtümlich die falschen Töne vor, doch er zog den Gesang einfach durch. Die Kirchenbesucher merkten darauf an: „Heute habt ihr aber sehr modern gesungen.“. Die Auer nahmen 1956 am Bundessängerfest Stuttgart teil. Ihr Programm umfasst Chorkonzerte, Singspiele, Theater.

1978 änderte sich der Name in „Chorgemeinschaft MGV Au/Iller“. 1990 löste sich der Männerchor auf. Dann wurde auf sogenannte Stuhlkonzerte umgestellt, um die Konzertatmosphäre nicht durch Bewirtung zu stören. Ab 1989 wurde mehr auf Einnahmequellen geachtet: Denn neben Noten, Inventar, Solistenhonorare galt es erstmals auch einen Dirigenten zu bezahlen.

1997 stellte sich Margitta Häußler als verantwortliche Chorleiterin zur Verfügung. Auf sie geht das närrische Kaffeekränzchen am rußigen Freitag zurück. Ihre Tochter Heike gründete 1997 den Jugendchor „ragazzi“. Heute bildet dieser zusammen mit dem gemischten Chor die neue Formation „Vocalis“. Dirigentin ist Heike Häußler-Paul. Bereits 2011 hatte sie die Chorleitung der Erwachsenen übernommen. Mit ihr betreten die Auer internationales Parkett, für mehrtägige Konzertreisen oder zumindest in Form unzähliger fremdsprachiger Lieder. Die Devise der Dirigentin: „Lieder klingen am besten in Originalsprache.“ Nicht umsonst würden Melodie und Text zusammen entstehen. Für eine Fortsetzung der 100 Chorjahre sorgt der 2011 gegründete Kinderchor.

Tickets: Karten gibt es unter der Telefonnummer 07303/900659 und an der Abendkasse.

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