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Kellmünz

23.06.2020

Auch der Bürgermeister geht auf Schatzsuche im Lang-Haus

Das Lang-Haus befindet sich bei der Kirche und im historischen Ortskern, wo einst das spätrömische Kastell Caelius Mons stand. Das Haus wird selbst bald Geschichte sein. Es soll abgerissen werden.
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Das Lang-Haus befindet sich bei der Kirche und im historischen Ortskern, wo einst das spätrömische Kastell Caelius Mons stand. Das Haus wird selbst bald Geschichte sein. Es soll abgerissen werden.
Bild: Zita Schmid

Plus Das Gebäude in Kellmünz soll abgerissen werden. Vorher dürfen die Kellmünzer noch einmal durch die Räume stöbern. Dabei tauchen einige Raritäten auf.

Alte, unverwüstliche Werkzeuge, Haustüren, die zu Gartentüren werden sollen, Rucksäcke, die vielleicht schon schlimme Zeiten erlebt haben: Nur einige der Dinge, die die Besucher des Räumungsflohmarktes aus dem Lang-Haus in der Kirchstraße in Kellmünz herausholen. Es ist zugleich eine der letzten Gelegenheiten, sich in den Räumen umzusehen. Denn das Haus soll bald abgerissen werden, um einem Neubauprojekt zu weichen.

Gerade kommt Marion Schrom aus dem Gebäude. In einer Hand trägt sie zwei weiße Holzgestelle. Wofür die eher noch neuer aussehenden Konstruktionen wohl einmal verwendet worden sind? Marion Schrom weiß es nicht. „Aber da sie einen stabilen Eindruck machen, würden sie sich als Holzböcke eignen“, meint die Kellmünzerin. In der anderen Hand hält sie einen gusseisernen Schraubstock, der an einer alten Werkbank im Haus befestigt war. Dieser scheint ein bereits stolzes Alter zu haben. Doch das sei unwesentlich. „So ein Schraubstock ist ja unverwüstlich“, meint sie.

Auch Bürgermeister Michael Obst entdeckte Räumungsflohmarkt-Funde wie die grünen Fensterläden.
Bild: Zita Schmid

Marion Schrom ist eine von mehr als 20 Besuchern, die die eine Stunde Räumungsflohmarkt nutzen, um in dem Haus nach noch brauchbaren Raritäten zu suchen. Für diese Zeit hatte die Gemeinde das Haus geöffnet, um den Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich umzusehen und auch kostenlos Gegenstände mitzunehmen.

Auch der Bürgermeister geht auf Schatzsuche im Lang-Haus

Auf dem Gelände in Kellmünz soll eine Wohnanlage entstehen

Der Markt Kellmünz hat das Lang-Haus sowie ein Nachbargebäude erworben, um auf dem Gelände eine Seniorenwohnanlage oder auch eine Mehrgenerationenwohnanlage verwirklichen zu können. Das Lang-Haus muss dafür abgerissen werden. Der Abriss sei förderfähig, erklärt Bürgermeister Michael Obst – doch derzeit warte die Gemeinde noch auf den Förderbescheid. Wie die Anlage einmal aussehen wird, darüber gibt es noch keine konkreten Pläne. „Schön wäre es, wenn man das neue Gebäude wieder in die Geschichte einfügen könnte“, findet Obst.

So sah das Haus der Familie Lang früher aus. Es hatte eine lange Kaufmann-Tradition.
Bild: Repro Zita Schmid

In der Vergangenheit waren in dem Gebäude Geschäfte, oft Lebensmittelläden, untergebracht. Im Buch „Kellmünz an der Iller – Ein Streifzug durch die Vergangenheit in Bildern“ ist von einem „Kaufhaus Hausnr. 39“ die Rede, das in den letzten rund 200 Jahren mehrmals die Besitzer gewechselt hat. Von etwa 1900 bis 1919 wohnte hier der Kaufmann und Stoffhändler Roman Linder. Er war es, der im Jahr 1900 beim Wasserleitungsbau neben seinem Haus auf ungewöhnlich dicke und feste Mauern stieß. Wie sich später herausstellte, waren es Reste des spätrömischen Kastells Caelius Mons. Von 1901 bis 1913 ließ Linder dann große Teile der Umwehrung des Kastells freilegen. Heute gilt der ganze Bereich rund um die Kirche als geschichtsträchtiger Boden. Deshalb seien sicherlich Archäologen mit dabei, wenn dann beim Neubau ins Erdreich gegraben wird, meint der Bürgermeister. Das Haus selbst ist nicht denkmalgeschützt.

Trotz Mund-Nasen-Maske bewies Marion Schrom eine Spürnase für so manches noch Brauchbare.

Bei der Flohmarktstunde spielen die alten Römer weniger eine Rolle. Vielmehr schien die jüngere Vergangenheit wieder wach zu werden. Wie lange die Familie Lang in dem Haus gewohnt hat oder vor wie vielen Jahrzehnten das letzte Geschäft von Max Ellensohn geschlossen hat, der hier ab 1936/37 Lebensmittel und etwas Kleidung verkaufte und daneben eine Tankstelle betrieb: Über diese Fragen hört man die Besucher bei ihrer Suche nach noch Brauchbarem reden.

Wurden die alten Rücksäcke einst von Soldaten gepackt?

Vom Dachboden bis zum kleinen Gewölbekeller benötigt man in dem großen Haus mit den vielen, teils baufälligen Zimmern schon eine besondere Spürnase hinter der corona-bedingten Mund-Nasen-Maske. Denn sehr viel Hausrat aus vergangenen Tagen ist tatsächlich nur noch gut für den Müll. Doch Flohmarkterfahrene erspähen auch durchaus noch Nützliches. Eine Käuferin schleppt eine hölzerne Wohnungstüre und verschiedene Metallgestänge nach draußen. Die Tür soll Gartendeko werden und die Gestänge seien für Kletterpflanzen, verrät die neue Besitzerin. Auch der Kellmünzer Bürgermeister wird fündig und stellt seine entdeckten Raritäten dann vors Haus für die Bürger zum Mitnehmen: Neben grünen und noch gut erhalten Fensterläden hat er unter anderem zwei alte Rucksäcke aufgespürt. Sie sind leer. Ob sie einst von Soldaten gepackt wurden, die in den Krieg zogen? Manch Anwesender vermutete es aufgrund deren Form, Farbe und dem scheinbaren Alter.

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