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Babenhausen/Illertissen

16.05.2019

Auf dem Rad erfährt dieser Babenhauser Europa anders

Martin Krick ist auf seinem Rad kreuz und quer durch Europa gefahren, unser Bild zeigt ihn in Gibraltar. Er findet, mit persönlichem Kennenlernen lässt sich der Zusammenhalt der Staatengemeinschaft viel leichter erreichen.
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Martin Krick ist auf seinem Rad kreuz und quer durch Europa gefahren, unser Bild zeigt ihn in Gibraltar. Er findet, mit persönlichem Kennenlernen lässt sich der Zusammenhalt der Staatengemeinschaft viel leichter erreichen.
Bild: Sammlung Krick

Martin Krick hat in Illertissen über den Kontinent aus der Sicht eines Fahrradenthusiasten gesprochen. Seine Botschaft: „Grenzen sind das Letzte, was wir brauchen“.

Plakate und Veranstaltungen weisen darauf hin: Am Sonntag, 26. Mai, sind Europäer an die Urnen gerufen, um ein neues EU-Parlament zu wählen. Politiker verschiedenster Richtungen werben um Bürgerstimmen, mit deren Hilfe sie ihre Vorstellung von Europa in Brüssel durchsetzen wollen. Es gibt aber noch andere Sichtweisen dazu, wie sie in keinem politischen Pamphlet nachzulesen sind. Zu hören zum Beispiel von Martin Krick aus Babenhausen in seinem Reisebericht „Europa aus der Sicht eines Fahrradenthusiasten“, den er mit viel Herz für den Kontinent im Illertisser Museum der Gartenkultur vortrug.

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Krick – Jahrgang 1951 und in humorvoller Selbstironie über sein früheres Körpergewicht reflektierend – wusste die mehr als 100 Zuhörer von Anfang an für sich zu begeistern. Er konnte aber auch von allerlei Zufällen erzählen, die der, durch seine Extremtouren zum glühenden Europäer gewordene Radler für seine Visionen zu nutzen wusste. Er ist der Meinung: „Grenzen sind das Letzte, was wir brauchen.“

Sein Tourenrad hat der Referent auch gleich mitgebracht.
Bild: Regina Langhans

So fühlte er sich von dem Umstand, dass ausgerechnet am Europawahltag in Illertissen die Veranstaltung Run Bike Rock stattfindet, angesprochen und rief Mitorganisator Ansgar Batzner an. „Was kann ich für Run Bike Rock und Europa tun?“, habe er gefragt, erzählt Batzner. Der Rotarier-Vorsitzende initiierte daraufhin den Vortragsabend, dessen Spendeneinnahmen je zur Hälfte einem schwerstbehinderten Handbiker in Russland sowie einem Projekt der Rotarier zugutekommen.

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Für den Vortrag hatte Krick sein original bepacktes Tourenrad mitgebracht. Auf drei Taschen verteilt, lassen sich 60 Kilogramm Gepäck verstauen. Den Schwerpunkt seiner Präsentation bildete die „Friedenstour“ von 2011. Sie hatte von Jekaterinenburg/Swerdlowsk, Russlands riesiger Waffenschmiede im Zweiten Weltkrieg, ins französische Caen in den Ardennen geführt. Mit dem Besuch der riesigen Soldatenfriedhöfe mit Toten bis aus Australien und Kanada endete die Tour, während der er mit den Begleitern Volker Mailach und Hartmut Bögel in 35 Tagen 5700 Kilometer abstrampelte.

Krick erzählte in Illertissen, wie er 2003 beschlossen hatte, sein Übergewicht loszuwerden und gesünder zu leben. Er begann mit dem Laufen, verordnete sich mit ärztlicher Unterstützung Trainingseinheiten, wechselte zum Radeln und hatte die Idee, seine Herzschläge für den guten Zweck zu „verkaufen“. Seine Exkursionen wurden immer extremer. Die Friedenstour 2011 vom Ural in die Normandie war bislang in jeder Hinsicht ein Rekord. Für 2250000 Herzschläge nahm er 140000 Euro Spenden ein.

Die längste Strecke führte durch Russland, wobei er gerade in armen Regionen größte Freundschaft und herzliche Aufnahme erfuhr. Zum Beispiel, wenn Leute ihr kleines Haus zum Übernachten anboten und selbst bei Freunden schliefen. Oder, wenn mangels Strom und Heizung auf der Feuerstelle vor dem Haus Wasser für die Übernachtungsgäste erhitzt wurde. „Um ein Land kennenzulernen, muss ich den direkten Kontakt zu den Menschen in der ländlichen Region suchen“, so Krick. In Großstädten und Touristenregionen lasse sich ein Volk nicht kennenlernen.

Und er gab im Vortrag auch ein Plädoyer ab für die „Neuzugänge“ im Staatengeflecht der EU wie Rumänien. „Es mag verwundern, einer, dem Mittelstand zuzuordnenden Familie mit Eselgespann wie vor 100 Jahren zu begegnen, wobei der Familienvater mit dem Handy telefoniert.“ Man könne nicht erwarten, dass sich Jahrzehnte einer Entwicklung einfach so überspringen lassen.

Im Museum der Gartenkultur schilderte Martin Krick seine ganz eigene Version davon, wie sich Europa besser zusammenschließen lässt.
Bild: Regina Langhans

Krick hat während seiner acht Touren 24 Länder durchquert und dabei Geld gesammelt. Auch die hiesige Uganda-Hilfe profitierte davon. Mit Spenden in Höhe von mehr als 250000 Euro hat er etwa die Arbeit im Friedensdorf bei Oberhausen unterstützt. Von Babenhausen aus war er hingelaufen und davon beeindruckt, wie kriegsgeschädigten Kindern Behandlung und Rehabilitation zuteilwird. Kricks neuestes Projekt: Er will den Ausbau des Europaradwegs R1 unterstützen. Womöglich führt dieser dann auch über Europa hinaus.

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