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Illertissen

14.05.2018

Auf den Märkten lernte er Schlager lieben

Am Stand von Uwe Kohler gibt es ausschließlich CDs von Schlager- und Volksmusikern zu kaufen. Dass er auf vielen Märkten in ganz Süddeutschland diese Nische bedient, ist kein Zufall.
Bild: Jonathan Mayer

Uwe Kohler verkauft seit mehr als 30 Jahren Musik. Für ihn als Markthändler hat sich im Laufe der Jahre vieles verändert – nicht alles davon zum Guten

Wenn Uwe Kohler morgens seinen Stand am Straßenrand für die Besucher öffnet, legt er eine CD ins Laufwerk seiner Musikanlage ein und drückt die Start-Taste. Dann geht es los. Ab diesem Moment hört der 56-Jährige den ganzen Tag über die Lieder von Schlagerstars wie den Amigos, Andrea Berg oder Klubbb3. Wenn die ersten Töne erklingen, öffnet er seinen Marktstand. Auch beim Illertisser Frühjahrsmarkt bietet Kohler seine CDs an.

Dass es ausgerechnet Schlager sind, die da den ganzen Tag zu hören sind, ist kein Zufall. „Ich verkaufe hier ausschließlich solche Alben“, sagt Kohler. Seit 1986, als er 24 Jahre alt war, bietet der Mann seine Waren auf den unterschiedlichsten Märkten in ganz Süddeutschland an. Schon seit einigen Jahren steht auch der Illertisser Frühjahrsmarkt auf dem Programm. Im Lauf der Jahre habe sich das Geschäft verändert. „Früher war vieles einfacher“, sagt der Markthändler nachdenklich. Supermärkte und der Verkauf im Internet würden es den Einzelhändlern schwer machen. Vor allem ihm als Musikverkäufer machen Streaming-Dienste wie Deezer oder Spotify zu schaffen. Auch deshalb sei sein Stand voll mit Schlageralben. „Ich musste mich mit meinem Angebot irgendwann spezialisieren. Rock und Pop hören viele einfach im Internet“, sagt Kohler. Also wurden es Schlager und Volksmusik, denn die kämen auch als traditionelle CD noch an. Tatsächlich kommen viele Marktbesucher am Stand vorbei, bleiben stehen, gehen CD für CD durch und fragen nach den aktuellen Highlights. Dann steht der Mann im rosa Hemd bereit und berät seine Kunden über die neuesten Alben und was im Genre gerade so angesagt ist. „Als Spartenhändler muss man sich einfach sehr gut auskennen, um die Kunden glücklich zu machen“, sagt er.

Neben den schwindenden Kundenzahlen durch die Konkurrenz im Internet treibt vor allem eine Sache Marktkaufleute wie Kohler um: die Bürokratie. Ein neues Gesetz, das in diesem Jahr verabschiedet wurde, sieht vor, dass jeder Händler genaue Tageskassenberichte führen muss. „Es kann jederzeit im laufenden Betrieb jemand vom Finanzamt vorbeikommen und unsere Kasse einsehen“, erklärt Kohler. Bisher habe ein normales Kassenbuch, in dem Einnahmen und Ausgaben aufgelistet werden, ausgereicht. Das Schlimmste für Kohler: „Jedes Finanzamt will es anders haben.“ Eine einheitliche Regelung fehle nach wie vor.

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Auch für Schausteller wie Ronny Böhm, der auf dem Illertisser Markt Karussells betreibt, ist die Bürokratie ärgerlich. Ihn treffen vor allem immer schärfer werdende Sicherheitsbestimmungen für Fahrgeschäfte. Damit würden hohe Ausgaben für Umbauten einhergehen – und das bei sinkenden Besucherzahlen. „Die Einnahmen gehen zurück, aber unsere Umkosten steigen immer weiter“, klagt Böhm.

Unter all den Problemen finden die Marktkaufleute aber auch etwas Gutes. Denn Sorgen und Ängste schweißen die Verkäufer zusammen. „Wir sind eine große Familie“, sagt Schlagerfan Kohler. „Nur gemeinsam sind wir stark.“ Vor einigen Jahren sei das noch vollkommen anders gewesen. Damals hätte es noch wesentlich mehr Konkurrenzdruck gegeben. „Heute helfen wir uns gegenseitig, wo es nur geht. Wir müssen einfach an einem Strang ziehen.“ Denn für die Händler geht es beim Markt um ihre Existenz. Auch deshalb sind Schausteller und Marktkaufleute in Bundes- und Landesverbänden organisiert. „So können wir unsere Sorgen der Politik klarmachen.“

Dass Kohler an seinem Stand rund um die Uhr Volksmusik hört, stört den 56-Jährigen, wie er selbst sagt, nicht. Im Gegenteil: Mittlerweile habe er seine Sparte schon ein bisschen lieb gewonnen. Auch privat gebe es ab und an Schlager auf die Ohren. Anfangs hätte die Musik am Stand aber schon etwas genervt. Aber: „Irgendwann hört man das eigentlich gar nicht mehr.“

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