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Illertissen

08.03.2018

Auf den Spuren der verschollenen Bohne

Erna Wehrfeld und Thea Zedelmeier (rechts) sortieren die Samentütchen für den Saatgutmarkt im Museum der Gartenkultur.
Bild: Regina Langhans

Auf der Jungviehweide dreht sich am Samstag alles ums Saatgut. Der Markt findet früher statt als sonst – und das hat einen Grund.

Nachbaufähiges Saatgut in seiner Vielfalt bewahren und regionale Kulturpflanzen vor dem Verschwinden zu retten – das ist auch Thema des dritten Illertisser Saatgutmarktes. Er findet am Samstag, 10. März, von 10 bis 17 Uhr im und um das Museum der Gartenkultur statt. Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2016 hat Thea Zedelmeier, Vorsitzende des Vereins Förderer der Gartenkultur, viele positive Rückmeldungen erhalten und Netzwerke gegründet – bis nach Labenz in Schleswig-Holstein. Heuer steht der Saatgutmarkt unter dem Motto „Vielfalt sehen und säen“.

Der Termin ist diesmal früher angesetzt als sonst, und somit vom Illertisser Ökomarkt getrennt: Ansonsten wäre es für manche Sorten zu spät zum Ansähen, sagt Zedelmeier. „Darauf haben mich die Händler hingewiesen.“

Zedelmeier und Erna Wehrfeld, Schriftführerin im Verein, haben schon einige Samentütchen vorbereitet. Sie erzählen von den Besonderheiten, die inzwischen den Illertisser Saatgutmarkt hervorheben. Der ganze Stolz ihrer Bemühungen im Aufbauen „grüner Netzwerke“ ist die geschenkte Bohnenschatzkiste einer Bohnenzüchterin namens Cordula Metzger aus dem norddeutschen Labenz. Über die Bohnenpatensuche beim Saatgutmarkt vorigen Jahres waren Illertisser Samen wohl bis in den Norden verschenkt worden. Die Schatzkiste enthält 16 handverlesene Sorten – darunter die im Jahr 1921 verschollene und 2016 wiederentdeckte französische Buschbohne „Nain de Veitch“. Mit derartigen Kostbarkeiten wird wie folgt verfahren: „Ein Drittel der geernteten Bohnen kann verzehrt werden, der Rest wird an drei verschiedenen Standorten vermehrt“, erklärt Zedelmeier. So soll der Erhalt sichergestellt werden, falls es zu Missernten komme.

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Schriftführerin Wehrfeld glaubt: „Es macht etwas aus, ob ich Samen im Laden kaufe oder geschenkt bekomme.“ Zedelmeier ergänzt: „Was in meinem Garten gut wächst, gedeiht auch beim Nachbarn.“ Lokale Sorten hätten sich über Jahrhunderte perfekt ihren Standorten angepasst. So entstehe Saatgutvielfalt, die früher professionell gesammelt wurde.

In dieser Weise haben sich auch die Förderer der Gartenkultur betätigt und Samen aus der Staudengärtnerei und den Museumsgärten geholt, um sie zu säubern, zu sieben und in Tüten auf dem Saatgutmarkt anzubieten. Zedelmeier zeigt sich besorgt: „Die Situation hat sich weltweit verschlechtert, seit 1900 sind in Deutschland etwa 90 Prozent der samenfesten Sorten verschwunden.“ Die Züchtung liege bei einigen wenigen Konzernen, die ihr Sortenangebot auf eine kleine Auswahl – oft in Verbindung mit Gentechnik und als Hybride – reduzierten. Den Förderern der Gartenkultur ist wichtig, dass weiterhin problemlos zu vermehrende wohlschmeckende Kulturpflanzen zur Verfügung stehen, die nicht patentiertes Eigentum von Firmen sind.

Was am Samstag rund ums Museum geboten ist

Eröffnung: Um 10 Uhr eröffnet Illertissens Bürgermeister Jürgen Eisen den Markt.

Vorträge: Es geht weiter um 10.30 Uhr mit dem „schwäbischen Kartoffelkönig“ Christian Müller, der über die Vielfalt der Knolle spricht. Ab 11.30 Uhr verspricht Imker Marcus Haseitl einen „Rundflug in die Wunderwelt von Biene, Hummel oder Schmetterling“. Um 13.30 Uhr informieren die „Sortenretter“ Woldemar Mammel und Denise Emer über die Suche nach alten Gemüsesorten in der einstigen Gärtnerstadt Ulm. Das Projekt Gen- bänkle gibt Antworten. Um 14.30 Uhr heißt das Thema mit Annette Holländer „Säen und pflanzen für die Zukunft“ Der Vortrag befasst sich mit der Entwicklungsgeschichte unserer Nutzpflanzen. Ab 15.30 Uhr spricht der Tomatenspezialist Michael Schick, wobei es generell um Gemüse geht. Um 16.30 Uhr referiert Dieter Gaißmayer zum Motto „Wer ernten will, muss säen.“

Aussteller: Es präsentieren sich Gärtner für Blumen, Kräuter, Gemüse, Kartoffeln, Saatgutanbieter, Förster und Imker.

Rahmenprogramm: Bohnenausstellung mit Eckehard Schauz, Hummelausstellung des Naturerlebniszentrums Allgäu, Saatguttauschtisch mit örtlichen Obst- und Gartenbauvereinen. Musikalisch umrahmen die „Jodelfrauen“ sowie der Förster Bernd Karrer auf Schäferpfeife und Drehleier mit Gesang von Christine Krönauer.

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