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Illertissen/Weißenhorn

06.05.2019

Auf den rätselhaften Spuren des Bildhauers Christoph Rodt

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3 Bilder
Maria mit dem Jesuskind auf den Arm ist wohl Teil eines nicht mehr bestehenden Altars von Christoph Rodt in der Pfarrkirche im Illertisser Ortsteil Au.
Bild: Regina Langhans

Georg Hartmetz hat sich in seiner Doktorarbeit mit den unbekannten Werken des vor 400 Jahren lebenden, schwäbischen Künstlers Christoph Rodt befasst. Nun ist ein Buch darüber erschienen.

Wenn Kunstfreunden im Landkreis Neu-Ulm der Name des Holzbildhauers Christoph Rodt (um 1578 bis 1634) begegnet, ist die Identifikationsquote hoch: Illertisser werden an den Hochaltar der Stadtpfarrkirche denken. In Au ist eine wertvolle Madonna und in Altenstadt ein für Rodt typisches Kruzifix zu finden. Und auch in Roggenburg, in der Klosterkirche, stehen seine Skulpturen. Wobei sich die zugehörige „Kreuzabnahme“ heute in der Kirche in Neuburg an der Kammel, Rodts Geburtsort, befindet. All das und mehr ist erstmals in einem Kunstband zusammengefasst. Dieser ist im Anton-Konrad-Verlag mit dem Titel „Christoph Rodt – Bildhauer zwischen Renaissance und Barock“ erschienen.

Dabei handelt es sich um die Doktorarbeit von Georg Hartmetz, die ursprünglich im Internet veröffentlicht werden sollte. Auszüge davon trug der Autor – wie berichtet – vergangenes Jahr in Illertissen in einer Veranstaltung des Heimatpflegevereins vor. Der Weißenhorner Verleger Christoph Konrad hatte im Zuge eigener kunsthistorischer Recherchen von der wissenschaftlichen Arbeit erfahren und die Publikation angeboten. Nun liegt die erste Monografie über den schwäbischen Bildhauer Christoph Rodt vor – ein umfassendes Werk, das zudem spannend zu lesen ist. Der aufwendig gestaltete Band mit farbigen Fotografien umfasst 335 Seiten.

Christoph Konrad sagt, Politiker nennen es Heimatverbundenheit, wenn sie immer wieder von „Bayern“ redeten. „Für mich vermitteln das heimische Künstler, die bei uns gelebt und dies in ihren Werken ausgedrückt haben.“ Hartmetz findet, von Abhandlungen über bedeutende Künstler wie Christoph Rodt profitiere am meisten dessen ehemaliger Wirkungskreis. „Die Bewohner erhalten die Möglichkeit, sich mit ihrer Heimat oder deren Historie zu identifizieren.“

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Werke sind etwa in Illertissen, Roggenburg oder Au zu finden

Geschichtskundige haben vielleicht die alten Herrschaftsverhältnisse vor Augen, in welchen der Vöhlinfamilie die Schlösser in Illertissen und Neuburg gehörten. Rodt, Erbauer des Illertisser Hochaltars, hat sich auf dessen Rückseite selbst als „Vöhlin‘scher Unterthan“ ausgewiesen. Tatsächlich erstrecke sich sein Wirken aber auf Mittelschwaben zwischen Ulm, Memmingen und Günzburg, wie Hartmetz weiß.

Im Anton-Konrad-Verlag ist ein Kunstband über Christoph Rodt erschienen.
Bild: Regina Langhans

Das Interessante für den Landkreis ist, dass der Hochaltar sowie die Roggenburger Kunstwerke im Kapitel „Hauptwerke und Werkgruppen“ ausführlich beschrieben werden. Das Illertisser Monument gilt als das einzige im architektonischen Aufbau noch erhaltene Altarwerk. Im Jahr 1906 entdeckte Pfarrer Josef Christa auf dessen Rückseite eine Inschrift, die Rodt als den Erbauer ausweist. Hartmetz in seinem Buch: „So begann der langwierige Weg, den noch völlig unbekannten Künstler, der zunächst nur mit dem Illertisser Werk in Verbindung gebracht werden konnte, mit anderen, bis dahin nicht oder falsch zugeordneten Werken des frühen 17. Jahrhunderts in Beziehung zu setzen.“ Es handle sich um eine Aufgabe, die bis heute nicht abgeschlossen sei, heißt es weiter.

So befänden sich vom einstigen, 1628 gefertigten Kreuzaltar im romanischen Vorgängerbau des Prämonstratenserstifts Roggenburg, noch fünf Figurenpaare in der heutigen Rokokokirche. Die erhaltenen Figuren werden zu den besten Werken oder gar als Krönung des künstlerischen Schaffens Christoph Rodts angesehen. Hartmetz stellt in seinem Buch anhand der Figuren zwei mögliche Rekonstruktionen des Altars vor.

Weitere Kapitel seiner Arbeit widmet Hartmetz der Biografie des Künstlers, der Zeitgeschichte, Stilmerkmalen oder auch einer kunsthistorischen Einordnung. In einem Verzeichnis ordnet er 61 Arbeiten Christoph Rodt und seiner Werkstatt zu. Sodann listet er 80 Werke auf, deren Herkunft er für fraglich hält oder dem Umkreis Rodts zuordnet.

Den Hochaltar in der Stadtpfarrkirche in Illertissen hat Christoph Rodt im Jahr 1604 als Epitaph für die Vöhlinfamilie errichtet. Er ist der einzige noch erhaltene Altaraufbau des Holzbildhauers.
Bild: Regina Langhans

Trotz oder gerade wegen der wissenschaftlichen Passagen und dank vieler Details und Erklärungen erhält der Leser tiefe Einblicke in frühere künstlerische Schaffensweisen. Dabei sind die Texte verständlich geschrieben und lassen sich leicht lesen.

Kontakt: „Christoph Rodt – Bildhauer zwischen Barock und Renaissance“, Anton-Konrad-Verlag, 49,80 Euro.

Lesen Sie außerdem: Die klingende Riesin in der Klosterkirche

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