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Fasching I

01.03.2014

Aumer Kröpf putschen sich an die Macht

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Der Galgen für die Politiker war bereits hergerichtet.

Beim traditionellen Rathaussturm übernehmen die Narren die Kontrolle und stellen den Stadtrat vor Gericht

Au Es ist ein Sturmlauf, den die gut fünfzig Aumer Kröpf am Donnerstagabend planen. In lange, rote Roben gekleidet stehen sie vor dem Rathaus und blicken nach oben. Aus einem Fenster winken ihnen die belagerten Stadträte und Bürgermeisterin Marita Kaiser hämisch zu. Das Knattern der Rätschen hängt in der Luft, während die Narren des Musikvereins Au-Illertissen und des Carneval Clubs Au (CCA) Aufstellung einnehmen. Dann kommt das Kommando und sie stürmen los. Schnell überwinden die Kröpf die kleine Treppe und nehmen die überraschten Politiker gefangen. Der Rathaussturm ist auch in diesem Jahr dank ihres Wagemuts gelungen. Au ist wieder in Narrenhand. Und die entmachteten Politiker erwartet ein aufwendiger Schau-Prozess vor vielen Zuschauern.

Der findet einige Hundert Meter entfernt im Kulturringstadel statt. Gefesselt werden die Politiker im Schein der Fackeln dorthin eskortiert. Beobachtet von vielen Bürgern, die die Absetzung der Räte mit Beifall und Gelächter begleiten. Auch sie stimmen in den Jubel der Kröpf mit ein, die tanzend um den Galgen springen. Immer wieder deuten die Narren auf Bürgermeisterin Marita Kaiser, die vor ihren versammelten Räten marschiert.

Im Stadel bekommen Kaiser und der Stadtrat ihre Missetaten des vergangenen Jahres präsentiert. Kulturhalle, öffentliche Toiletten, enge Fußgängerwege, geheime Abstimmungen oder das lange Wahlkampffieber – nichts bleibt von den Richtern Manfred Beurer und Karl Hrdina unerwähnt. Und sie begrüßten auch die Kandidaten für den Stadtrat: „Man merkt, dass demnächst Wahla send. Man sieht so manchen nuia Grend“, sagt Beurer schmunzelnd.

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Doch den Neulingen bleibt die gnadenlose Abrechnung erspart. Die amtierenden Räte sind es, die sich stellen müssen. Die Richter kritisieren, dass die Josef-Weikmann-Halle noch immer nicht saniert wurde. „Der Boda sieht glei furchtbar aus, am beschta wärs, ma reißt an raus“, urteilt Hrdina. Den Stadträten macht er deutlich: „A gscheide Halle däd sich lohna, dia koschd doch eh blos vier Milliona.“

Lautes Gejohle kommt im Stadel im Anschluss auf. Es geht um die öffentlichen Toiletten in Illertissen. „Da goht koi Stück vora, deswegen wed da oiner langsam sauer. Unser Liebling – Dieter Baur“, ruft Hrdina und lacht. Baur bemühte 2013 zu diesem Thema sogar die Rechtsaufsicht, scheiterte jedoch. Für ihn zeigen die Richter aber auch Verständnis. „Für eine Toilette – A halbe Millio, ohne Scheiß, des isch frei scho a stolzer Preis.“

Richter amüsieren sich über Mitgliederschwund bei CSU

Wirklich viel Spaß haben die tagenden Richter aber mit den Wahlen. Und da vor allem mit dem Mitgliederschwund der CSU. „Des warat au schon mehr en deam Verei, dia Mitglieder gand eher raus statt nei“, sagt Beurer. SPD-Kandidat Alexander Schilling würden die Narren jedoch gleich aufnehmen. „Zum Aufrauma – do herenna.“

Zum Abschluss zeigen die Aumer Kröpf Nachsicht mit den gefangenen Politikern. Statt zur Todesstrafe verurteilen sie sie zu einer Bewährungsstrafe. Auflage: 50 Liter Bier für die Narren in Au. Das Angebot nimmt Bürgermeisterin Marita Kaiser gerne an. „Damit komm ich eigentlich gut weg“, sagt sie.

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