Newsticker

Trotz steigender Infektionszahlen: Kliniken halten wenige Intensivbetten frei
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Aus Liebe zur Geschichte und zur Heimat

20.03.2009

Aus Liebe zur Geschichte und zur Heimat

Vöhringen Eine Fahne mit den Vöhringer Stadtfarben an der Innenseite der Tür, ein Bild von der Brücklesmühle aus längst vergangenen Tagen, hübsch dekorierte Erinnerungsstücke im Arbeitszimmer machen sichtbar, dass Walter Nothelfer Sinn für Heimat und Geschichte hat. Und mit ihm Ehefrau Edda, die zwar "ein Flüchtling" ist, wie sie sagt, aber großes Interesse an der Geschichte ihrer zweiten Heimat bekundet. Edda und Walter Nothelfer haben jetzt einen Bildband über Vöhringen herausgebracht.

Wer zu Familie Nothelfer kommt, wird von einer wohligen Atmosphäre umfangen. Jedes Möbelstück atmet ein Stück Erinnerung, ein Wiener Kaffeehausstuhl, eine Decke, die die Couch schmückt, eine alte Kaffeemühle auf dem Schreibtisch, Gobelinbilder an den Wänden, alte, reich verzierte Schränke. Das Ehepaar interessiert sich für Geschichte. Walter Nothelfer lacht, "wenn ich irgendwo hinkomme und höre etwas Interessantes über Vöhringen, schreib' ich das gleich auf". In vier Jahrzehnten hat er Material in Bild und Schrift zusammen getragen, das Dutzende von Ordnern füllt - und selbstverständlich den Computer.

Walter Nothelfer ist ein echter Vöhringer: "Ich wurde am Heiligen Abend 1936 in der Ulmer Straße 45 geboren." Das Interesse für Geschichte begann 1970: "Mein Urgroßvater war 25 Jahre lang Bürgermeister von Illerrieden."

Er erforschte das Leben seiner Vorfahren

Aus Liebe zur Geschichte und zur Heimat

Ein Bild des alten Herrn hängt an der Wand. Doch nur mit dem Blick auf den Urgroßvater wollte es Nothelfer nicht bewenden lassen, er wollte mehr wissen. So begann er, das Leben seiner Vorfahren zu erforschen. Viele Bildordner zeugen von seiner Arbeit. Dass sich das Interesse ausweitete und sich dann auf Vöhringen bezog, vergleicht Nothelfer mit dem Stein, dem man ins Wasser wirft und der dann immer weitere Kreise zieht.

Dass Ehefrau Edda als Flüchtlingskind in das Lager Ellen kam, in dem während des Krieges Polen wohnten, war wieder ein Impuls mehr, sich tiefer in die Geschichte Vöhringens hineinzuarbeiten: "Das Lager lag jenseits der Brücke, die von der Weidachgasse über den Wielandkanal führt." Manch alter Vöhringer wird sich erinnern.

Edda Nothelfer kann sich an das Lager nicht mehr entsinnen. Sie bekam nach der Ankunft Scharlach und musste ins Illertisser Krankenhaus. Leicht hatte es ihre Familie nicht, der Vater kehrte aus dem Krieg nicht heim, die Mutter musste Edda und ihre Schwester allein durchbringen. Sie sahen einen Ausweg, der hieß auswandern. In Brasilien lebte eine Tante. "Wir waren fünf Jahre dort, aber dann trieb meine Mutter das Heimweh nach Deutschland zurück." Schließlich lernte Edda ihren Mann kennen. Beide verbindet das gleiche Interesse für Geschichte.

"Manche Anregungen schöpfte ich aus der Chronik von Franz Helmschrott", berichtet Nothelfer. Die kam 1975 heraus. Seine Sammelleidenschaft sprach sich schließlich herum. "700 Fotos habe ich im PC." Eines Tages kam ihm der Gedanke, dass er eigentlich einen Schatz hat, den er gerne mit anderen teilen würde. Die Idee zu einem Bildband war geboren. Ein Verlag war rasch gefunden, der Sutton-Verlag in Erfurt. Jetzt mussten Hunderte von Bildern sortiert werden. Der Band umfasst 128 Seiten und beinhaltet 220 Bilder. "Wir machten ein Seiten-Layout, verwarfen es wieder, passten andere Bilder ein, entwarfen kurze informative Texte." Ein schönes Stück Arbeit, das zwei Jahre in Anspruch nahm. Wer den Bildband durchblättert, wird schnell zu dem Schluss kommen: Der Aufwand hat sich gelohnt!

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren