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Bellenberg

21.10.2019

Auszeichnung: Bellenbergerin hilft weltweit Menschen in Not

Ein Lebenswerk: In Kenia hat Sylvia Rohrhirsch zusammen mit dem kenianischen Ex-Langstreckenläufer Felix Limo eine Schule für Waisenkinder errichtet. Jedes Jahr reist sie nach Eldoret, um die Menschen vor Ort zu unterstützten.
Bild: Rohrhirsch

Plus Sie war in Krisengebieten im Einsatz und hat eine Schule in Kenia aufgebaut. Nun ist Sylvia Rohrhirsch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

Manche Begegnungen wird Sylvia Rohrhirsch nie vergessen. Als sie 2005 beim schweren Erdbeben in Pakistan im Einsatz war, behandelte sie ein kleines Mädchen. Immer wieder hat sie sich gefragt, was aus der Kleinen geworden ist – bis sie erfuhr, dass das Mädchen die Chance auf eine Ausbildung bekam. Im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos traf sie auf einen Mann mit vier Kindern – die Mutter war gestorben, die Familie zum dritten Mal aus Afghanistan geflohen. Wie es ihnen heute geht? Rohrhirsch wird es vermutlich nie erfahren. Doch davon lässt sich die 56-Jährige nicht entmutigen. „Man darf nicht jedes Schicksal an sich heran lassen. Sonst kann man diese Arbeit nicht machen.“

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Seit fast 20 Jahren hilft Rohrhirsch weltweit Menschen in Not. Als ausgebildete Krankenschwester hat sie Tausende behandelt, ihnen das Leben gerettet oder die Chance auf ein besseres Leben eröffnet. Mehr als 30 Mal war sie in Krisengebieten im Einsatz – in Georgien, Lybien, Sambia, Mali, Kenia oder Burkina Faso. Rohrhirsch macht das alles ehrenamtlich. „Ich bringe keine Opfer, sondern bekomme mehr zurück, als ich geben kann“, sagt sie.

Ihren ersten Einsatz erlebte sie bei einem Erdbeben in Pakistan

Für ihr Engagement wurde die Bellenbergerin nun mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. „Als das Schreiben kam, habe ich gedacht, es wäre ein Missverständnis“, sagt Rohrhirsch. Doch nach genauem Lesen war klar: Der ehemalige Vize-Landrat Roland Bürzle hatte sie vorgeschlagen, nun wurde die 56-Jährige aus zahlreichen Kandidaten ausgewählt. „Ich fühle mich geehrt“, sagt sie. Aber es gebe viele Menschen, die diese Auszeichnung genauso verdient hätten.

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Schon mit zwölf Jahren wusste Rohrhirsch, dass sie anderen Menschen helfen will. Auslöser war ein Film über eine Nonne, die in Togo Entwicklungshilfe leistete. „Damals dachte ich, dass ich ins Kloster gehen muss, um helfen zu können“, erinnert sich Rohrhirsch mit einem Lachen. So blieb der Wunsch vorerst unerfüllt.

Sie heiratete, bekam zwei Kinder, später war sie alleinerziehend. Erst als ihre Töchter erwachsen waren, verfolgte sie ihren ursprünglichen Traum. Sie schloss sich Hilfsorganisationen an, belegte Seminare, bildete sich weiter – bis sie 2005 einen Anruf bekam. Könntest du morgen nach Pakistan fliegen? Ein schweres Erdbeben hatte das Land erschüttert. In Windeseile packte Rohrhirsche ihre Sachen, 24 Stunden später saß sie im Flieger auf dem Weg zu ihrem ersten Einsatz.

Für ihr Engagement wurde Rohrhirsch mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Mit dabei waren Töchter Elisabeth (links) und Christina (rechts).
Bild: Rohrhirsch

Die Arbeit erfordert Professionalität

Was sie dort erlebte, ließ sie nicht mehr los. Einige Helfer flogen zurück, weil sie das Leid nicht aushielten, erzählt sie. „Man macht das einmal oder es lässt einen nicht mehr los.“ Rohrhirsch hat weitergemacht und über die Jahre viel dazugelernt. „Irgendwann hat man eine Checkliste im Kopf und funktioniert einfach“, sagt sie. Die Arbeit erfordere eine gewisse Professionalität. „Man darf mitfühlen, aber nicht mitleiden“, sagt sie. Der Fokus auf das Positive hilft der 56-Jährigen, mit dem Erlebten umzugehen. „Wenn von hundert Kindern eines überlebt, hat es sich für dieses eine Kind gelohnt.“

Mehr als 30 Mal war Rohrhirsch in Krisengebieten im Einsatz.
Bild: Rohrhirsch

Auch Rohrhirsch hat Tage, an denen sie ihren Einsatz in Frage stellt – wenn sich Behörden querstellen, Projekte ins Stocken geraten oder ein korruptes System die Arbeit behindert. Doch davon lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie sammelt Spenden, leistet weiter Hilfe, gibt Kurse. In Kenia hat sie eine Schule für Waisenkinder aufgebaut, seit 2015 engagiert sie sich in der Asylarbeit im Landkreis.

Rohrhirsch hat viel von der Welt gesehen. Nicht als Touristin – dafür reichte das Geld oft nicht – sondern als Helferin vor Ort. Sie hat andere Kulturen verstehen gelernt, wurde für ihre Arbeit angefeindet und ausgezeichnet. Woanders leben möchte sie nicht. „Ich genieße es, wie gut es uns hier geht“, sagt sie.

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