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Babenhausen

01.03.2020

Babenhauser versammeln sich zu Pflege-Demo

Unter dem Motto „Babenhausen demonstriert, wir wollen etwas ändern“ fanden sich am Samstag rund 170 Frauen und Männer am Espach-Platz ein.
Bild: Claudia Bader

Plus Etwa 170 Leute versammeln sich in Babenhausen, um die Notwendigkeit zweier fester Plätze für die Kurzzeitpflege in St. Andreas zu untermauern – und nicht nur das.

Stolz schwenkt Franz Mutzel den Briefumschlag durch die Luft. Mit der Genehmigung zur friedlichen Demonstration hat ihn am Tag zuvor auch folgende Nachricht vonseiten des Unterallgäuer Landrats Hans-Joachim Weirather erreicht: Im Kreisseniorenwohnheim St. Andreas in Babenhausen werden wieder zwei feste Plätze für die Kurzzeitpflege reserviert ( Kurzzeitpflege: Landkreis richtet wieder feste Plätze ein ). Mutzels zufriedene Feststellung „Ihr habt schon gewonnen!“ quittieren die Bürger aus Babenhausen und Umgebung, die sich zur Demonstration versammelt haben, mit lautem Applaus.

Rund 170 Frauen und Männer aller Altersstufen sind am Samstagvormittag auf den Platz vor dem Theater am Espach gekommen. Einige wurden in Rollstühlen von Pflegerinnen hergeschoben, einzelne haben sich Schilder umgehängt. „Schwarze Zahlen auf Kosten der Bewohner und Mitarbeiter! Nein danke!“ steht dort geschrieben. Die Versammelten wollen sich solidarisch mit den Menschen zeigen, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Interessen selbst zu vertreten. Dieses Ziel schreibt sich auch die vorab einberufene Interessengemeinschaft (IG) „Für die Kurzzeitpflege in Babenhausen “ auf die Fahnen – und auch, die Situation der Beschäftigten im Kreisseniorenwohnheim verbessern zu wollen, wie verkündet wird.

Landrat: Kurzzeitpflege wurde nie abgeschafft

Auch wenn seine CSU-Parteikollegen Klaus Holetschek und Georg Nüßlein als Redner da waren: In seiner Begrüßung will Mutzel betonen, dass es sich bei der Demonstration um keine Wahlveranstaltung handle. Dann blickt er kurz zurück: Vor 21 Jahren hätten engagierte Bürger unter Regie von Rosemarie Gleich und Rosemarie Glaßl auf dem Espach-Platz gegen die Schließung des einstigen Krankenhauses in Babenhausen demonstriert. Diese „Frauen-Power“ habe zum Erfolg geführt: Als Ersatz habe der Fuggermarkt an dieser Stelle ein hervorragendes Seniorenpflegeheim erhalten, so Mutzel. Nun seien es mit Ute Harjung und Sabine Sauter wieder zwei Frauen, die sich engagieren - für die Kurzzeitpflege diesmal.

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Am Freitag hat Landrat Weirather per Pressemitteilung deutlich gemacht: „Entgegen falscher Behauptungen vor Ort haben wir die Kurzzeitpflege in Babenhausen nie abgeschafft! Derzeit haben wir zwei Gäste zur Kurzzeitpflege in der Einrichtung.“ Wie berichtet, hatte der Landkreis von solitärer auf eingestreute Kurzzeitpflege umgestellt, nachdem der Markt Babenhausen seine finanzielle Unterstützung der festen Plätze eingestellt hatte. Seit Jahresanfang wurden nicht mehr zwei Zimmer dauerhaft für die Kurzzeitpflege freigehalten, sondern Gäste zur Kurzzeitpflege flexibel in gerade leer stehenden Zimmern untergebracht. Der Vorteil dieses Modells liege darin, dass keine Zimmer dauerhaft freigehalten werden müssten, was zu weniger Leerständen führe, heißt es in der Mitteilung des Landratsamts. „In den Kreisseniorenwohnheimen in Türkheim und Bad Wörishofen haben wir mit der eingestreuten Kurzzeitpflege gute Erfahrungen gemacht“, so Weirather. Trotzdem würden in Babenhausen vorerst wieder zwei Zimmer für die Kurzzeitpflege freigehalten.

Lesen Sie außerdem zum Thema: Ärger um die Kurzzeitpflege im Unterallgäu

Mutzel argumentiert bei der Demo, dass das Modell der eingestreuten Kurzzeitpflege es pflegenden Angehörigen erschwere, zu bestimmten Zeiten an einen Platz zu kommen. „Das wollen wir nicht hinnehmen!“, sagt er unter Beifallsbekundung. Da das Thema viele Bürger beunruhigt habe, frage er sich: „Warum haben es sich die Verantwortlichen nicht vorher überlegt und uns so verunsichert?“ Gegenüber unserer Redaktion erklärt Bürgermeister Otto Göppel , warum der Markt Babenhausen die finanzielle Unterstützung der beiden festen Plätze beendete: „Nach Erstellung des neuen seniorenpolitischen Konzepts im Sommer 2019 haben wir auf Nachfrage von Landrat Hans-Joachim Weirather die Antwort erhalten, dass der Landkreis künftig auf eine Mitfinanzierung der Kurzzeitpflegeplätze verzichten könne“, sagt er. „Mit keinem Wort wurde uns damals gesagt, dass diese Kurzzeitpflegeplätze aufgelöst werden.“ Dies habe er später zufällig von Angehörigen einer Mitarbeiterin des Seniorenwohnheims erfahren.

Damoklesschwert „schwarze Zahlen“

Trotz der jetzigen Entscheidung: Von einem guten Ende sei die Situation im Heim, konkret die der Pflegekräfte, weit entfernt, findet IG-Sprecherin Ute Harjung. Sie habe recherchiert, dass in der Vergangenheit 15 Beschäftigte nach langjähriger Tätigkeit in der Einrichtung gekündigt haben. „Die Pflegekräfte, die jahrelang einen super Job machten, haben diesen Schritt nicht nur getan, weil sie teilweise nach zehnjähriger Beschäftigung immer noch keine festen Verträge in Händen hielten“, sagt sie. Da die Pflegerinnen innerhalb der begrenzten Arbeitszeit immer mehr zu leisten hätten, habe das bei vielen zu Überlastung, bei manchen fast zum Burn-out geführt. „Wenn das Personal über die Grenzen der Machbarkeit beansprucht wird, ist das weder christlich noch sozial“, sagt die IG-Sprecherin. Sie frage sich, warum die für diese Einrichtung Verantwortlichen, konkret Heimleitung, Landrat, Kreis- und Marktrat, nichts getan hätten. Ihrer Meinung nach sollte weder über Kindergärten noch Krankenhäusern und Pflegeheimen das Damoklesschwert „schwarze Zahlen“ schweben.

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