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Protest

06.02.2020

Bauern sind weiterhin skeptisch

Viele Landwirte sind verärgert und protestieren.
Bild: Tom Weller, dpa

Discounter und Landwirte bewerten den Lebensmittelgipfel der Bundesregierung unterschiedlich

Es könnte Bewegung reinkommen, in die Anliegen der Landwirte: Mit immer noch drastischeren Mitteln, wie am vergangenen Wochenende mit bundesweiten Mahnwachen und Protestaktionen – wie berichtet auch am Zentrallager von Aldi im Süden Altenstadts – machen sie auf sich aufmerksam. Die Demo in Altenstadt, im Beisein der Polizei, sei friedlich verlaufen und habe keine größeren Beeinträchtigungen des Geschäftsbetriebs zur Folge gehabt, teilte die Firma mit.

Zur Demo hatte diesmal die freie Gruppe „Land schafft Verbindung“ aufgerufen. Andreas Wöhrle, Kreisobmann des Bauernverbandes Neu-Ulm, freut sich, dass sich auf diesem Weg besonders viele Landwirte, Bio-Bauern, Umweltschützer und Interessierte mobilisieren ließen. Er sagt: „Uns Landwirten ist der Kragen geplatzt.“ Wöhrle begrüßt die massiver werdenden Proteste mit zunehmender Teilnehmerschar. Auf die Weise seien die Sorgen der Landwirte doch langsam ins öffentliche Bewusstsein gelangt, findet er. Denn seit der im Jahr 2017 begonnenen Düngemitteldebatte könnten die Bauern ihrer Aufgabe, Lebensmittel herzustellen, bald nicht mehr nachkommen. Dazu würden ihre Erzeugnisse unter Wert verkauft und der Erlös reiche nicht zum Lebensunterhalt.

Ob man, wie jetzt beim Lebensmittelgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Marktvertretern und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner angesprochen, gegen Preisdumping vorgehe, werde sich zeigen, äußert sich der Bauernobmann skeptisch. Er fordert sogar direkt: „Ich finde, die Werbung für stark vergünstigte Lebensmittel muss verboten werden.“ Ob die Erzeugnisse dann billiger verkauft werden oder nicht, stehe ja weiterhin im Ermessen des Marktes. „Tabakwerbung ist auch verboten, trotzdem werden Zigaretten verkauft.“ Wöhrle malt ein düsteres Bild: „Wenn weiterhin billigere Ware im Ausland unter weniger strengen Gesetzen erzeugt und dann eingeführt wird, muss sich Deutschland überlegen, ob es die eigene Landwirtschaft noch braucht.“ Nun ist der Bauernobmann gespannt, inwieweit ihre groß angelegte Demonstration etwas bewirken kann.

Die Vertreter großer Discounter mögen das differenzierter sehen. In einer Mitteilung nimmt etwa Aldi zum Lebensmittelgipfel Stellung. Darin heißt es, dass aus Sicht der Handelskette ein guter Austausch stattgefunden habe. Den „sachlichen Diskurs und das hohe Interesse der Politik an den komplexen Zusammenhängen der Wertschöpfungskette“ würden die Discounter schätzen. Sie setzten auf ehrliche, faire Handelspraktiken und würden sich von unlauteren Methoden wie verspätete Zahlungen oder nachträglich geänderte Lieferverträge distanzieren. An gemeinsamen Lösungen seien sie interessiert.

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