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Illertissen

07.04.2021

Bayern sichert sich 2,5 Millionen Sputnik-Impfdosen von R-Pharm

Bayern will sich mit einem Vorvertrag mit R-Pharm zusätzliche Impfdosen
Foto: Alexander Kaya

Plus Der Freistaat Bayern will sich mit einem Vorvertrag mit R-Pharm in Illertissen die Option auf Millionen von zusätzlichen Corona-Impfdosen sichern. Wieder ein Alleingang?

Ist das wieder einer der bayerischen Alleingänge? Am Mittwoch hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach einer Kabinettssitzung über die aktuelle Corona-Lage im Freistaat berichtet und erwähnte dabei fast unbemerkt in einem seiner letzten Punkte: Mit einem Vorvertrag mit dem Pharma-Konzern R-Pharm Illertissen wolle man sich bis zu 2,5 Millionen zusätzliche Impfdosen des in Russland entwickelten Vakzins Sputnik V sichern. Und das an der EU und an der Bundesregierung vorbei.

Es wäre ein Novum in der Bewältigung der Pandemie. Geht es nach Gesundheitsminister Klaus Holetschek, benötige es dafür auch nicht einmal die Zulassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), die den Impfstoff aktuell noch prüft.

Klaus Holetschek reicht ein in der Bundesrepublik durchgeführtes Zulassungsverfahren

Laut Holetschek, der kürzlich das Werk von R-Pharm im südlichen Landkreis Neu-Ulm besuchte, sei zwar eine Zulassung eine unabdingbare Voraussetzung. Es würde aber ausreichen, wenn beispielsweise ein in der Bundesrepublik durchgeführtes Zulassungsverfahren den Impfstoff freigibt - "oder in einer anderen Art". In 50 Ländern wird Sputnik V bereits verimpft, in Russland schon seit dem vergangenen August. Nach anfänglicher Skepsis haben aber inzwischen Studien gezeigt, dass das Präparat eine Wirksamkeit von über 91 Prozent habe.

Die europäische Prüfung, von der in Sachen Impfen bislang fast alles in Deutschland abhängig gemacht wurde, läuft derzeit noch. Nach Informationen des Gesundheitsministers wolle die EMA im Mai die Produktionsstätten in Moskau besichtigen. Geht das den Bayern nicht schnell genug?

Es müsse "so schnell wie möglich über die Zulassung von Sputnik V entschieden werden", sagte Markus Söder kürzlich. "Und wir sollten aus den schlechten Erfahrungen bei der ersten Bestellung gelernt haben."

Markus Söder rechnet in Juni mit ersten Dosen vom Corona-Impfstoff Sputnik V

Bei dem Vorvertrag handle es sich laut Holetschek um eine "gemeinsame Absichtserklärung" mit Russlands staatlichem Direktinvestmentfonds RDIF, der an der Finanzierung der Sputnik-Entwicklung beteiligt und für den Vertrieb verantwortlich ist. Bei dieser Erklärung, die noch am Mittwoch unterschrieben werden sollte, habe man sich unter anderem darauf geeinigt, dass der Freistaat den in Moskau hergestellten Impfstoff auch importieren könnte. Söder rechnet "wohl im Juni" mit ersten Sputnik-Dosen.

"Der gemeinsame Wille ist da", sagte Holetschek. Er empfindet als "gut und richtig", sich diese Option jetzt gesichert zu haben. Das nicht zu machen, "wäre fast fahrlässig", so der Gesundheitsminister. Man wolle Sputnik V sehr schnell einsetzen.

Im Laufe des Jahres rechne man damit, dass der russische Impfstoff in Illertissen auch produziert werden kann. Wann genau das der Fall sein wird, ist unklar. Zwar hatte R-Pharm-Manager Alexander Bykow kürzlich mitgeteilt, von Juni oder Juli an mit der Impfstoff-Produktion in Illertissen starten zu können. Dann wurde nach Recherchen unserer Redaktion aber bekannt, dass noch etliche behördliche Genehmigungen fehlen und ein "freiwilliger Baustopp" seitens des Unternehmen verhängt wurde. Eine erste Teilgenehmigung liegt zwar mittlerweile vor, sodass in bestimmten Bereich wieder weitergearbeitet werden darf. Bei einem noch ausstehenden immissionschutzrechtlichen Verfahren, das bis zu sieben Monate dauern kann, befinde man sich aber erst "in den Anfängen", so die zuständige Sachbearbeiterin.

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07.04.2021

Wenn es möglich ist, dass Bayern eigenständig Impfstoff bestellt und damit die immer wieder propagierte und von Deutschland vorgelebte Solidarität innerhalb der EU torpediert darf die Frage gestellt werden, warum Regent Söder nicht schon längst mehr Impfstoff von Biontech und Co. erworben hat!

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07.04.2021

Gut gemacht Herr Söder. Es ist richtig, dass Bayern seinen eigenen Weg geht und nicht den Stillstand aus Berlin oder die Unfähigkeit der EU Kommission bei der Beschaffung von Impfstoffen kopiert.

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07.04.2021

Ich, als Putin, würde im Gegenzug den bayerischen Verdienstorden fordern. Und Ländern, die Sanktionen gegenüber mich, respektive mein Land, unterstützen, würde ich nichts verkaufen.

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