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Illerberg

25.01.2021

Bei den Illerberger Wasamolle fällt die Fasnacht nicht aus

Ein bisschen Fasnacht: Die Wasamolle haben wieder den städtischen Christbaum zum Narrenbaum recycelt und mit Masken geschmückt.
Foto: Alexander Kaya

Plus Die Illerberger Narrenzunft wollten heuer eigentlich ihr 22-Jahr-Jubiläum feiern. Daraus wird nun nichts, trotzdem zelebrieren sie die fünfte Jahreszeit so gut es eben geht.

Normalerweise würden die Illerberger Wasamolle derzeit von einem Umzug zum nächsten tingeln. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr – die Wasamolle gibt es jetzt schon seit 22 Jahren – macht Corona der Narrenzunft einen Strich durch die Rechnung. So grüßt derzeit in Vöhringen nur ein einsamer Wasamolle aus dem Schaufenster des Best Reisebüros in der Ulmer Straße.

"Die Fasnacht kann man nicht absagen"

Den hat Zunftmeisterin Dorothea Modick Ende vergangener Woche dort gemeinsam mit ihrer Tochter aufgestellt. So soll die Fasnacht zumindest ein bisschen präsent sein im Ort. Deutschlandweit wurden schließlich fast alle Fasnachts-, Faschings- oder Karnevalsveranstaltungen (je nachdem, welcher Begriff in der Region gilt) abgesagt. Auch die Wasamolle cancelten ihren Brauchtumsabend wieder, mit dem sie ihr Jubiläum feiern wollten. Aber: Absagen kann man nur die Umzüge, Bälle, Rathausstürme und so weiter – nicht aber die Fasnacht, sagt Zunftmeisterin Modick: „Das ist wie Weihnachten oder Ostern. Es finden vielleicht keine Feiern statt, aber absagen kann man das nicht.“

Zunftmeisterin Dorothea Modick wäre auch auf eine Fasnacht unter Coronabedingungen vorbereitet gewesen.
Foto: Franziska Wolfinger

Auch ein Illerberger Schaufenster wurde entsprechend dekoriert. Und vor dem Rathaus steht der Narrenbaum, der ganz coronakonform mithilfe von Vöhringer Bauhofsmitarbeitern aufgestellt wurde. Geschmückt ist er mit den Stoffmasken, die Modick vor einigen Monaten mit aufgedrucktem Wasamolle-Logo bestellt hatte. Lange bevor klar war, dass ohnehin alle Veranstaltungen ausfallen. Im Rathaus selbst gibt es eine kleine Ausstellung, die über die 22-jährige Vereinsgeschichte der Wasamolle informiert – auch, wenn wohl nicht viele Vöhringer die Gelegenheit haben werden, sich die Stellwände anzusehen, bedauert Modick. Das Rathaus ist derzeit wegen Corona für die Öffentlichkeit geschlossen, nur wer einen Termin hat, kommt überhaupt rein.

Das Häs der Wasamolle erinnert an historische Torfstecher

Gegründet wurden die Wasamolle vor 22 Jahren von zwei Illerbergern, die ursprünglich gar nicht aus Illerberg stammten, sondern aus „richtigen Fasnachtshochburgen“, wie Modick sagt. Es dauerte wohl nicht lange, bis sie in Illerberg genug Mitstreiter gefunden hatten, um eine eigene Zunft zu gründen und auch dort die Fasnacht ordentlich zu feiern. Auch nach einem passenden Häs musste nicht allzu lang gesucht werden: Es erinnert an die Torfstecher, die früher rund um Illerberg in schwerer Arbeit Torf zum Heizen gewonnen haben. Daher leitet sich auch der Name der Zunft ab. Wasa ist das schwäbische Wort für Torf und Molle sind die Ochsen, mit denen der getrocknete Torf dann in die Orte transportiert wurde.

Inzwischen hat sich die Zunft zu einer eingeschworenen Gruppe entwickelt, in der jeder, egal welchen Alters, einen festen Platz hat. „Das zeichnet uns schon aus“, sagt Zunftmeisterin Modick: „Wir sind eine richtige Familienzunft.“ Das merkt man auch daran, dass der Verein selbst in diesem Jahr neue Mitglieder aufnehmen konnte. Allesamt Kinder von Zunftmitgliedern. Überhaupt, das sehe man bei vielen Umzügen, sind bei den Wasamolle überdurchschnittlich viele Kinder mit dabei, sagt Modick.

Das Kostüm der Wasamolle geht auf die historischen Torfstecher zurück.
Foto: Franziska Wolfinger

Ein Höhepunkt der etwas über 20 Jahre währenden Zunftgeschichte ist das Vereinsheim, das Anfang 2019 eingeweiht wurde. Die Wasamolle konnten das alte Feuerwehrhaus in Illerberg kaufen und haben es anschließend in Eigenregie umgebaut. Seitdem kommen die Wasamolle dort regelmäßig zusammen. Entgegen des Zeitplans sind noch nicht alle Räume ganz fertig. Auch das liegt an Corona. Die Arbeit macht einfach nur zusammen Spaß, sagt Modick. Ganz coronakonform allein vor sich hinwerkeln, das will sie keinem Vereinsmitglied zumuten.

Das Häsabstauben fand heuer online statt

Doch wie begehen die Wasamolle nun heuer die Fasnacht, die wie eingangs erwähnt ja nicht ausfallen kann? Da gehen auch die Illerberger mit der Zeit und haben beispielsweise ihr Häsabstauben in ein virtuelles Vereinsheim verlegt und via Zoom überprüft, ob auch jeder alle Konfettirückstände der vergangenen Saison beseitigt hat und auch sonst alles in Ordnung ist. Und auch das Rathaus soll nicht in der Hand von Bürgermeister Michael Neher bleiben. Die Wasamolle müssen nur noch einen Weg finden, das Rathaus pandemiegerecht zu stürmen, sagt Zunftmeisterin Modick.

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