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Illertissen

20.01.2019

Bei der Schwabenbühne brodelt die Gerüchteküche

Obgleich handlungsarm und dialogreich, ging es bei der Komödie „Gerüchte Gerüchte“ auch handgreiflich zu: Auf dem oberen Bild werden Gerüchte erzählt, darunter Lenny in der Rolle des Charlie, rechts Cassie als Verführerin.
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Obgleich handlungsarm und dialogreich, ging es bei der Komödie „Gerüchte Gerüchte“ auch handgreiflich zu: Auf dem oberen Bild werden Gerüchte erzählt, darunter Lenny in der Rolle des Charlie, rechts Cassie als Verführerin.
Bild: Regina Langhans

Der Illertisser Schauspielgruppe gelingt mit ihrem Winterstück eine Glanzleistung im Vertuschen und Vertauschen. Warum sich ein Besuch der Komödie lohnt.

Komödie pur: Eine Party, doch die Gastgeber lassen auf sich warten. Stattdessen treffen nach und nach alle Gäste ein. Die Auflösung der grotesken Situation präsentieren die Mimen der Schwabenbühne erst am Schluss. Bis dahin heißt es „Gerüchte, Gerüchte“, wie der Titel der Komödie des US-amerikanischen Autors Neil Simon verrät. Die Premiere war gelungen: 120 Besucher sahen sich in ihrer Aufmerksamkeit gefordert und hatten Spaß.

Das Publikum darf zwei Stunden lang rätseln

Zehn starke Charakterdarsteller haben es zwei Stunden lang rätseln lassen – bis zur verblüffenden Auflösung. Die Kunst hinzuhalten, Spannung aufzubauen, dramatisch zu überspitzen und dann das auf Vermutungen aufgebaute Konstrukt wie einen aufgeblasenen Ballon platzen zu lassen – das sei mal eine etwas andere Gesellschaftskomödie, sagten Zuschauer später. Dabei kam auch die Kritik an bürgerlichen Verhaltensweisen nicht zu kurz.

Anlässlich des zehnten Hochzeitstages hatten der Vizebürgermeister Charlie Brock und Ehefrau Myra zur Party geladen. Dies erfahren die Zuschauer jedoch von Chris (Eva Schneider) und Ken Gorman (Benjamin Windirsch) als den ersten Gästen. Die Gastgeber hingegen lassen auf sich warten: Charlie, der sich offenbar versehentlich ins Ohrläppchen geschossen hat, muss sich erst davon erholen und seine Frau Myra scheint in die Stadt gefahren zu sein. Auch das Personal hat das Haus verlassen.

Eine Party ohne Gastgeber: Die Gäste rätseln ebenfalls

Während die Gormans – sie zigarettensüchtig und er polizeischeu – noch spekulieren, wie sie den Eindruck eines missglückten Selbstmordversuches des Bürgermeisters verhindern könnten, trifft mit Claire (Christine Brüderl) und Lenny Ganz (Philip Müller) das nächste Gästepaar ein. Nicht lange, und ihr schlecht abgesprochenes Vertuschungsmanöver platzt. Lenny will unbedingt die Polizei holen, Ken will es verhindern. Mitten in der Debatte klingelt es erneut: Es treffen Cookie (Martina Dippel) und Ernie Cusack (Thomas Beitlich) ein, zuletzt noch Cassie (Isabel Steck) und Glenn Cooper (Josef Hutzler). Während alle auf die Gastgeber warten und über deren Verbleib rätseln, kommt es auf der Bühne zu allerhand komischen Situationen: Verwechslungsszenen, in denen etwa die Coopers für ein schrulliges Angestelltenpaar gehalten werden. Lustig, wie Darstellerin Martina Dippel wegen Rückenproblemen auf Knien in die Küche robbt. Und ihr Bühnenehemann Thomas Beitlich, der sich die Hände verbrüht hat, rennt schmerzgeplagt in zweideutiger Haltung über die Bühne. Lenny, durch einen Knall halb taub, hat mit ulkigen Verständigungsproblemen zu kämpfen. Es werden Gerüchte aus dem Tennisklub ausgetauscht – wer bandelt mit wem an – und Cassie Cooper nützt als unzufriedene Ehefrau die Party, um ihren Mann zu blamieren. Die Stimmung eskaliert, als Officer Welch (Olaf Kruse) und Officer Pudney (Andrea Träger) aufkreuzen.

Am Ende schaut auch noch die Polizei vorbei

Geht es um die anfangs gefallenen Schüsse – oder doch nur um den Autounfall von Claire und Lenny Glanz, den sie kurz vor der Party hatten? Die Frage der Beamten nach den Hausbesitzern Brock und den Eigentümern des Unfallautos bringt die, inzwischen komplett eingeweihte Partygesellschaft in Erklärungs- wie Personalnöte: Wer könnte wen ersatzweise spielen und wie alles erklären? Die vorgeführte Nervosität steckt das Publikum an. Gespannt nimmt es wahr, wie auf der Bühne Wortwitz, Verwandlung und alles in allem großartig gespielte Situationskomik auf ein für alle verblüffendes Finale hintreiben. Woraus die Partygesellschaft dann ihr Fazit zieht: „Das macht doch alles keinen Sinn.“

Alles Komödie also, indem am Ende wenig bleibt – außer dem reinsten Vergnügen. Regisseur Richard Aigner hatte die sichtbare Handlung in ein spärlich bestücktes Foyer verlegt. So hatten die Mimen viel Bewegungsfreiheit – und dem Publikum fiel es nicht schwer, sich auf die Dialoge zu konzentrieren. Und die kamen Schlag auf Schlag.

Wo es noch Karten für "Gerüchte Gerüchte" gibt, erfahren Sie hier .

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