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Kellmünz

06.11.2019

Bei ihm werden Fundstücke aus der Iller zu Kunst

Fritz Haberland hat Freude daran, seinen Garten und sein Haus mit Fundstücken und Treibgut aus der Iller auszuschmücken. Der 68-Jährige lebt seit mehr als 30 Jahren in Kellmünz.
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Fritz Haberland hat Freude daran, seinen Garten und sein Haus mit Fundstücken und Treibgut aus der Iller auszuschmücken. Der 68-Jährige lebt seit mehr als 30 Jahren in Kellmünz.

Fritz Haberlands Skulpturen sind Gemeinschaftswerke von ihm und dem Fluss. Der Kellmünzer sammelt Kiesel oder Treibholz und macht daraus etwas Neues.

Kann ein einzelner Stein, wenn man ihn mehrfach dreht und wendet, gleich drei Gesichter widerspiegeln? Ja, er kann und dafür ist nicht einmal viel Fantasie erforderlich. Einmal hat man das Gefühl in die Augen einer alten Frau zu blicken und einmal glaubt man, die Nase eines Berggeists erkennen zu können. Und wenn man den Stein, den die Iller in Form geschliffen hat, nochmal dreht, blickt man in einen dritten, gedrungenen Gesichtszug mit kurzer Stupsnase.

Wenn Treibholz wie eine Ente aussieht

Das vielsagende Fundstück gehört Fritz Haberland. Eine der Leidenschaften des umtriebigen Kellmünzers ist das Sammeln von Treibgut, Treibholz und Fluss-Steinen aus der nahe gelegenen Iller. Ein Spaziergang am Fluss ist für den 68-jährigen Handwerker immer auch eine kleine Erkundungstour. Ein abgebrochenes altes Sägeblatt fasziniert ihn ebenso wie ein rostiges Hufeisen aus vergangen Zeiten oder eben ein Stein, an dem sich Gesichtszüge andeuten. Oder ein Stück verwittertes Treibholz, in dem Haberland die Form eines Entenkopfes erkennt.

Flusssteine und Fundstücke aus der Iller regen zum kreativen Nachdenken an.

Manchmal liegen die Fundstücke schon mal zwei oder drei Jahre im Keller, bevor er etwas mit ihnen anzufangen weiß oder eben die richtige Gestaltungsidee hat. „Man braucht immer auch die richtige kreative Phase. Unter Zwang geht nichts“, sagt der Kellmünzer. Und da kommen durchaus pfiffige Sachen heraus. So wie die Skulptur „So da“. Die Skulptur heißt laut dem gelernten Modellbauschreiner so, weil sie einfach nur so dasteht. Aber das tut sie nicht wirklich, denn das Holzbauwerk, auf dem der Spruch „Wer sich nie Zeit nimmt, der hat auch keine“ aufgebracht ist, ist drehbar. „Das ist für mich wichtig, denn ich will ja nicht jeden Tag die gleiche Ansicht sehen“, erklärt der Künstler.

Im Laufe der Jahre haben sich unzählige Skulpturen im Haus und Garten des Ehepaars Haberland angesammelt. Für manchen Betrachter könnte es fast zu viel sein. Doch Haberlands Frau fühlt sich noch nicht erschlagen von den vielen Werken ihres Mannes, von denen ihr, wie sie zugibt, nicht alle gleich gut gefallen. Nur Abstauben müsse ihr Mann die Figuren, die auch das Innere des Hauses erobert haben, schon selbst.

Haberland greift auch Themen wie Terror in seinen Werken auf

Viele von Haberlands Fundstücken, die er dann zu Skulpturen weiterverarbeitete, wurden erst durch ein Iller-Hochwasser ans Tageslicht befördert. Ein Beispiel hierfür ist eine nicht weit entfernt im Garten stehende Skulptur, die den Namen „11. September“ trägt. Man ahnt es schon. Fritz Haberland hat an besagtem Tag ein stark korrodiertes Brückenbauteil gefunden und zu einer einprägsamen Gartendekoration verarbeitet.

Die Skulptur „11. September“ erinnert auch an den Terror dieses Tages.

Haberland lässt sich bei der Gestaltung seiner Skulpturen von der Form der Kiesel oder Treibholzstücke leiten. „Das ist mir wichtig“, betonte der Sammler mit Blick darauf, dass die Fundstücke nicht verändert oder modelliert werden. An den über lange Zeiträume vom Flusswasser eingeschliffenen Konturen wird nicht nachgearbeitet. Letztlich läge die Interpretation von Form und Farbe ohnehin in der Fantasie des Betrachters. Der Rentner, der vor 30 Jahren von Sinningen nach Kellmünz umgezogen ist, hat auch das Malen als eine seiner Leidenschaften entdeckt. Zahlreiche Exponate haben sich in 20 Jahren angesammelt und zieren das Wohnhaus. Und die Möbel, beispielsweise im Esszimmer, sind zu einem Teil auch seinen Ideen und seiner Schaffenskraft entsprungen. Langeweile droht Fritz Haberland ohnehin nicht. Schließlich gibt ein Fluss wie die Iller immer wieder neues Material für weitere Kunstwerke und Skulpturen frei.

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