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Babenhausen/Unterallgäu

09.02.2017

Bessere Betreuung der Senioren kostet mehr Geld

Seit Oktober 2016 müssen die Bewohner der drei Kreisseniorenwohnheime tiefer in die Tasche greifen.
Bild: Oliver Berg/dpa

Die Pflegesätze in den drei Kreisseniorenwohnheimen sind gestiegen. Manche Bewohner zahlen fast zehn Prozent mehr. Einen Babenhauser Kreisrat ärgert das gewaltig.

Bereits seit Oktober vergangenen Jahres müssen die Bewohner der drei Kreisseniorenwohnheime in Babenhausen, Türkheim, Bad Wörishofen tiefer in die Tasche greifen: In nicht öffentlicher Sitzung hatte der Ausschuss für Personal und Soziales einer Erhöhung der Pflegesätze von 6,27 Prozent in Türkheim, 8,09 Prozent in Babenhausen und 9,55 Prozent in Bad Wörishofen beschlossen.

Wie der Landkreis auf Anfrage mitteilt, seien die Pflegesätze diesmal deutlicher erhöht worden, weil in allen drei Heimen der Personalschlüssel verbessert worden sei, um mehr Personal beschäftigten zu können. Konkret geht es um sechs neue Vollzeitstellen, die jährlich rund 280000 Euro kosten. So könnten die Bewohner noch besser betreut werden. Als Grund für die Nicht-Öffentlichkeit nennt Landrat Hans-Joachim Weirather die Betriebsinterna, die in der Sitzung zwangsläufig zur Sprache gekommen seien.

In der jüngsten öffentlichen Sitzung des Ausschusses war die Erhöhung nun noch einmal Thema. Der Gesamtleiter der Kreisseniorenheime, Ara Gharakhanian, stellte die Wirtschaftspläne der drei Häuser vor. Demnach peilt er in diesem Jahr ein Plus von exakt 311399 Euro an – was Kreisrat Franz Mutzel (CSU) zutiefst widerstrebt. Er ist überzeugt, dass die Bewohner beziehungsweise deren Angehörige über Gebühr belastet werden. Sie sei der falsche Weg. „Die Kriegsjahrgänge haben das auf keinen Fall verdient“, sagte er und fragte: „Wo sollen die Leute das Geld herbringen?“ Bei der bis Ende vergangenen Jahres angewandten Pflegeklasse zwei stieg das Gesamtheimentgelt in Mutzels Heimatort Babenhausen von 105,11 Euro am Tag auf 111,92. Aufs Jahr gerechnet macht das Mehrkosten von fast 2500 Euro – und das ist Mutzel entschieden zu viel.

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Der Landkreis bediene sich ausgerechnet an den Schwächsten der Schwachen, nämlich den Armen und Kranken. Ginge es nach ihm, wäre „ein überschaubares Defizit“ durchaus tragbar – schließlich gebe der Landkreis auch an anderer Stelle viel Geld aus. Es müsse deshalb möglich sein, die Bewohner zu entlasten.

Landrat Hans-Joachim Weirather hält diesem Vorschlag das Wettbewerbsrecht entgegen: Immerhin gibt es im Unterallgäu neben den drei Seniorenheimen des Landkreises weitere 15 Senioreneinrichtungen, die kostendeckend arbeiten müssen. Ein kalkuliertes Defizit, das der Landkreis ausgleichen müsste, käme einer Subventionierung gleich und würde von den Mitbewerbern wohl kaum geduldet.

Der Landrat gab zu bedenken, dass sich der Landkreis mit seinen Pflegesätzen nach wie vor im Mittelfeld bewege und verwies außerdem auf den Rechnungsprüfungsausschuss. Der hatte dem Kreis mehrfach nahegelegt, nicht nur eine schwarze Null zu erwirtschaften, sondern auch Rücklagen für künftige Investitionen zu bilden. Gharakhanians Wirtschaftspläne bezeichnete er als „erfreulich“. Sie zeigen – obwohl die Ausgaben für Personal und Sachmittel steigen – laut Gharakhanian eine positive Entwicklung, sodass der Landkreis auch in diesem Jahr keine Verluste ausgleichen muss. Zum 1. Oktober dieses Jahres sollen die Pflegesätze dann erneut angehoben werden, diesmal um rund 2,3 Prozent.

Wie das Landratsamt Unterallgäu weiter mitteilt, werden die Pflegesätze für die Kreisseniorenwohnheime jährlich neu verhandelt und den allgemeinen Kostensteigerungen angepasst. Die wichtigste Komponente sei dabei die Entwicklung der Personalkosten.

Über die Höhe der Pflegesätze verhandeln der Träger des Pflegeheims, die Pflegekassen und der Träger der Sozialhilfe – in diesem Fall der Bezirk Schwaben.

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