Babenhausen

16.07.2017

Bildung verbindet

Der Bildungsreferent des Kindermissionswerks Ulm, Peter Förg, setzt sich für Mädchen und Buben in Uganda ein.
Bild: Förg/Uganda-Freunde

Der aus einer Winterrieder Familie stammende Peter Förg setzt sich vor allem für Kinder in Uganda ein. Ein ganz besonderes Erlebnis hat ihn dazu angetrieben.

„Wer einmal die rote Sonne zwischen den Zehen gespürt hat, der kommt nie mehr von Uganda los!“ – Peter Förg weiß, wovon er spricht. Seit der 60-Jährige dieses ostafrikanische Land im Jahr 1989 erstmals besucht hat, ist er von ihm fasziniert. Vor allem die Schönheit der Natur, die Offenheit der Menschen und die leuchtenden Augen der Kinder haben es ihm angetan. Um ihnen eine bessere Zukunft im eigenen Land zu ermöglichen, engagiert sich Förg zusammen mit den Uganda-Freunden für mehrere Projekte im rund 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Kampala gelegenen Landkreis Mityana.

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„Hilfe zur Selbsthilfe“, heißt der Leitgedanke, mit dem sich der rund 140 Mitglieder zählende Verein seit vielen Jahren für eine nachhaltige Entwicklung in Uganda einsetzt. „Diese Vision kann nur durch qualifizierte schulische Bildung und Ausbildung erreicht werden“, sagt der Vorsitzende Förg.

Der aus einer Winterrieder Schreinerfamilie stammende Buxheimer liebt dieses afrikanische Land. In seiner ehemaligen Funktion als Bildungsreferent der Diözese Augsburg ist der 60-Jährige vor 28 Jahren erstmals nach Uganda geflogen, um sich dort um ein Projekt zu kümmern.

Bildung verbindet

Ein Schlüsselerlebnis hat sich ihm bis heute eingeprägt: „Es war gerade Regenzeit und das Wasser lief wie eine rote Brühe über den Weg, der eigentlich schon ein kleiner Bach war. Auf dem Weg zu einer Hütte begegnete ich einer Afrikanerin, die sich trotz strömenden Regens spontan vor mir niederkniete.“ Erst später erfuhr Förg, dass die schwarze Frau dies als Zeichen des Respekts und der Verehrung gegenüber weißen Menschen getan hat, die während der Kolonialzeit als höherwertig galten.

Bildung für eine bessere Zukunft

Seit er dieses Erlebnis hatte, sieht es der Bildungsreferent des Kindermissionswerks Ulm als Berufung an, Ungerechtigkeiten, die die afrikanische Bevölkerung bis heute erleiden muss, zu lindern. „Das geht nur durch Bildung. Die Förderung schulischer und beruflicher Qualifikation der Menschen – vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung – ist die einzige konstruktive Entwicklungshilfe“, sagt er.

Mit Hilfe des Kindermissionswerks Ulm, der großzügigen Unterstützung eines Ottobeurer Betriebs sowie vieler kleiner und großer Sponsoren und Spender arbeiten die 2012 ins Vereinsregister eingetragenen Uganda-Freunde in verschiedenen Bereichen an einem „ganzheitlichen Ansatz.“

Im „Hosfa-Projekt (Hope sharing family, was so viel bedeutet wie: „Familie, die Hoffnung teilt“) haben sie mit Unterstützung von Frater Henry aus Uganda vor Ort ein Netzwerk sozialer Hilfen für Bedürftige aufgebaut. Mehr als 500 Familien werden im Sozialzentrum betreut. Neben einem Beratungszentrum für Aids-Kranke und einem Krankenhaus umfasst das Hosfa-Zentrum eine Realschule mit rund 350 Schülern sowie eine Berufsschule. „Hier werden nicht nur junge Männer beispielsweise in den Berufen Maurer, Kfz-Mechaniker, Schlosser und Elektriker ausgebildet, sondern auch Behinderte sowie im Zuge der Gleichberechtigung Mädchen zu Friseurinnen, Hauswirtschafterinnen, Näherinnen oder im Catering-Service geschult“, sagt Förg.

Rund 700 Kinder besuchen die Cosna-Grundschule, 300 davon im Internat. In der Uganda School in Kyankwanzi werden etwa 180 Mädchen und Buben unterrichtet, 100 bleiben aufgrund des langen Schulwegs auch über Nacht dort.

14 Besucher traten spontan dem Verein bei

Durch die großzügige Unterstützung einer Ottobeurer Firma konnte in der Nähe von Mytiana eine Farm mit mehr als 130 Hektar Grund erworben werden. Nachdem das Land von den Projektpartnern „Cosna“ und „Hosfa“ mit einfachen Mitteln gerodet und bepflanzt wurde, werden dort Mais, Bohnen, Kartoffeln und Kochbananen angebaut. „Dies ermöglicht uns, die Schulkinder ausgewogen und gesund zu ernähren“, sagt der aus einer Winterrieder Familie stammende Förg.

Als nächstes Ziel werde angestrebt, die Landwirtschaft noch weiter auszubauen. Der erwirtschaftete Gewinn soll dazu beitragen, die laufenden Kosten der verschiedenen Einrichtungen zu decken. Schließlich streben die Uganda-Freunde an, eine möglichst große Unabhängigkeit von Spenden zu erreichen. Außerdem will der Verein weiterhin durch intensive Aufklärung gegen die Krankheit Aids ankämpfen und die medizinische Versorgung im Land ausbauen. Um sich vor Ort über die Fortschritte des Hosfa-Projekts zu informieren, die Menschen kennenzulernen sowie die sich im Aufbau befindliche Farm zu besichtigen, haben 16 Uganda-Freunde im Frühjahr 2017 eine 13-tägige Reise unternommen.

Von den dabei gewonnenen Eindrücken ist der Winterrieder Johann Unglert heute noch berührt. Nicht nur das auf einer Anhöhe liegende, wunderschöne grüne Land, sondern auch die Freundlichkeit, Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen, die trotz großer Armut Herzlichkeit und Zufriedenheit ausstrahlen, haben sich ihm tief eingeprägt.

Um auch die Menschen in ihrem Heimatdorf ein wenig an ihren überwältigenden Erlebnissen in Uganda teilhaben zu lassen, haben Unglert und Förg vor Kurzem in Winterrieden einen Vortrag organisiert. Begeistert von den Schilderungen und Bildern sind sogar 14 der zahlreichen Besucher spontan den Uganda-Freunden beigetreten. „Damit stellt Winterrieden bereits zehn Prozent der Vereinsmitglieder“, freut sich Unglert.

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