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Ritzisried

09.07.2013

Blattschuss für Jagdgenossenschaft

Das Gemeinschaftsjagdrevier von Ritzisried ist kleiner als es ds Gesetz erlaubt.
Bild: dpa

Der Zusammenschluss der Ritzisrieder Grund- und Waldbesitzer wird aufgelöst. Überraschend hat sich herausgestellt: Das Gemeinschaftsjagdrevier ist deutlich kleiner als angenommen

Das Abendland ist es zwar nicht, das im Bucher Ortsteil Ritzisried untergeht – aber es ist die altehrwürdige örtliche Jagdgenossenschaft, die gerade in den Tiefen von Jagd- und Vereinsrecht für immer versinkt. Den Verein von Ritzisrieder Grund- und Waldbesitzern, der eine sogenannte Gemeinschaftsjagd an zahlungskräftige Waidmänner verpachtet, wird es in Zukunft in dieser Form nicht mehr geben – zurzeit wird er satzungsgemäß aufgelöst – er geht unter, so der Fachausdruck, und mit ihm die Ritzisrieder Gemeinschaftsjagd.

Der Vorfall ist bislang beispiellos, zumindest im Landkreis Neu-Ulm, wie Anneliese Maisch von der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt sagt. „So etwas hatten wir noch nie. Aber die Gesetzeslage ist eindeutig und lässt keine Ausnahmen zu.“

Jahrzehntelang hatten die Ritzisrieder Grundbesitzer gemeinsam ihre Flurstücke an Jäger verpachtet, die gegen den sogenannten Jagdschilling dort dann Fuchs und Hase nachstellen durften, zuletzt an einen Grünrock aus Senden, der jetzt allerdings aus Alters- und Gesundheitsgründen mit der Pirsch kürzer treten will. Ein Nachfolger war rasch gefunden: Ein Geschäftsmann aus einem Neu-Ulmer Stadtteil war willens und finanzkräftig genug, die angeblich 336 Hektar große Gemeinschaftsjagd rund um Ritzisried zu übernehmen.

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Gesagt, getan, ein Vertrag mit neunjähriger Laufzeit wurde vorbereitet. Wirksam wurde der Kontrakt allerdings nicht. Denn bei genauer Prüfung aller Unterlagen, vor allem des neuesten Jagdkatasters des Staatlichen Vermessungsamtes, stellte sich heraus, dass die Jagdgenossen über Jahrzehnte etwas verpachtet hatte, dass sie in dieser Form gar nicht hatten: eine Gemeinschaftsjagd. Laut Vermessungsamt-Kataster ist in Ritzisried die Fläche, auf der die Nimrode Tieren eine Kugel antragen dürfen, nur 246 Hektar groß – die Mindestgröße für eine Gemeinschaftsjagd beträgt laut bayerischem Landesjagdgesetz aber 250 Hektar.

Wie die falsche Flächenberechnung zustande kam, kann Anneliese Maisch nicht erklären, wenngleich sie sagt, dass Jagdgenossenschaften angehalten würden, ihre Zahlen und Daten regelmäßig zu überprüfen. Möglicherweise, so die Fachfrau in der Unteren Jagdbehörde, seien die heutigen Messmethoden viel genauer als in früheren Zeiten. „Wir wissen nicht, wohin die Flächen gekommen sind.“

Dass sich aber erfahrene Waldbauern und Landwirte, wie es sie in Ritzisried immer schon gegeben hat, gleich um 90 Hektar vertun, wird an manchem Stammtisch schmunzelnd bezweifelt. Aber Genaues weiß man auch bei der zweiten oder dritten Halbe Bier nicht – oder will es nicht sagen, weil es als Häme oder gar Verleumdung verstanden werden könnte.

Tatsache ist, dass der Verein Jagdgenossenschaft Ritzisried derzeit liquidiert wird – beispielsweise wird geprüft, ob die Organisation noch Schulden hat, die bezahlt werden müssen, oder ob ein etwaiges Vereinsvermögen satzungsgemäß übertragen wird.

Nach Beendigung dieser genau geregelten Prozedur, wird der Name aus dem Vereinsregister gelöscht – dann ist die Ritzisrieder Jagdgenossenschaft Geschichte. Zur Jagdwaffen-freien Zone, in der Bambi und Co unbehelligt von Grünröcken alt werden können, wird Ritzisried aber auch künftig nicht.

Wie Anneliese Maisch sagt, könnte die Gemeinschaftsjagd, die gar keine war, einem anderen Jagdbezirk zugeschlagen werden, sodass die Mindestgröße erreicht wird. Gespräche dahin gehend gebe es, aber die optimale Lösung sei noch nicht gefunden. Das letzte Wort haben die bisherigen Ritzisrieder Jagdgenossen. Maisch: „Die Untere Jagdbehörde verpachtet ja keine Flächen.“

Jagdgenossen bleiben sie deshalb auch fürderhin – nur eben nicht Ritzisrieder, sondern Bucher oder beispielsweise Christertshofer-Rennertshofer oder Nordholzer.

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