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20.07.2010

Blech und Glocken locken

Über reichen und verdienten Applaus freuten sich nach dem Konzert für Carillon und Blechbläserquartett: (von links) Manuela Miller, Alexandra Mayerhofer, Andreas Schmid, Lothar Damm, Lydia Hollweck und Rudi Böhm. Foto: wis
Bild: wis

Illertissen Carillon und Bläser: Seit der Weltpremiere vor zwei Jahren hat sich die Illertisser Aufführungspraxis herumgesprochen, denn aus Bozen und aus München kamen die Freunde dieses besonderen Instruments, um das Konzert des Bläserquartetts der Stadtkapelle mit dem Carillon auf dem Kirchturm zu hören. Wieder einmal hatten es Familie Sigel und Wolfgang Gira ermöglicht, dass sich Carillonneur und Quartett verzögerungsfrei hören und sehen konnten und dass auch das Publikum im Brunnenhof alle Mitwirkenden live erlebte. Manuela Miller und Alexandra Mayerhofer, Trompeten, Lydia Hollweck und Rudi Böhm, Eufonium, spielten auf dem Podium, und über ihnen waren Andreas Schmid und Lothar Damm im Bilde - per Video.

Titular-Carillonneur Schmid hatte die Programmfolge in historischer Folge aufgebaut; so stand am Beginn ein "Magnificat" von Frescobaldi in archaisch anmutendem Wechsel zwischen Glocken und Bläsern; gefolgt von barocker Virtuosität eines Händel-Präludiums für Carillon solo. Mit den perlenden Läufen einer "Campanella" aus dem 20. Jahrhundert leitete Andreas Schmid über zu zwei Mozart-Arien ("Sagt holde Frauen" und "Ein Mädchen oder Weibchen"), an denen Wolfgang Amadé seine helle Freude gehabt hätte. Rudi Böhm setzte mit seinem Quartett den "Little Negro" von Débussy darauf, und dieser sowie ein anschließender fetziger Ragtime passten überraschend gut hinter die Mozartweisen. Sie waren geprägt von Spielfreude und filigranem Musizieren.

Den zweiten Teil leitete Lothar Damm mit einer souverän gebotenen Couperin-Gigue ein und er ließ sowohl hier als auch in seinen folgenden Improvisationen über "Geh' aus, mein Herz" erkennen, welch hervorragendes Niveau er dank der Ausbildung bei Andreas Schmid, eigener Kreativität und leidenschaftlichen Probenfleißes erreicht hat. Zurück in die Renaissance ging es mit einem "Salve Regina" für Carillon und Bläser, wobei sich die Klänge der Glocken mit denen der Blasinstrumente kongenial ergänzten und gleichzeitig die sonoren Blechbläserklänge mit den glitzernden Trillern des Carillons eine gelungene Synthese eingingen.

Mit einer dreisätzigen "Beiaard-Suite" ("Beiaard" ist der holländische Name für Carillon) von Kristaan van Ingelgem und "Campane a festa" von Nino Rota gab Andreas Schmid zu verstehen, warum das Carillon ein echtes Konzert-Glockenspiel ist: Hier vereinten sich die 49 Glocken unter den virtuosen Händen des Spielers zu ebenso abwechslungsreichem wie klangvollem Spiel. Eine festliche Intrada von Hans Melchior Brugk für Glocken und Bläser ließ das Programm in faszinierender Weise ausklingen, worauf ebenso anhaltender wie verdienter Applaus einsetzte.

Zum Dank hierfür gab es einen köstlichen Spaß: Rudi Böhm hatte den Sousa-Marsch "Stars and Stripes forever" für sein Quartett arrangiert und dazu das Carillon eingebunden. So erlebte man den "Welthit" als effektvolles Kontrastieren zwischen Bläsern und Glocken, wobei Letzteren originellerweise die Rolle der Piccoloflöte zugewiesen war. So wurde das Konzert wieder einmal zu einem besonderen Erlebnis, zu dem sich nicht nur die weite Anreise der Gäste aus Südtirol und der Landeshauptstadt gelohnt hatte.

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