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Tiefenbach

28.11.2020

Brand in Tiefenbach: So lief der Großeinsatz ab

In der Nacht zum Samstag stand in der Tiefenbacher Siedlung "Im Höhlet" ein Haus in Flammen.
Bild: Wilhelm Schmid

Plus Ein Wohnhaus steht in Flammen. Die Löschwasserversorgung im "Höhlet" bereitet den Feuerwehrleuten Probleme. Einsatzleiter Erik Riedel berichtet von den Ereignissen der Nacht.

Um 01.45 Uhr heulten die Sirenen in Tiefenbach und Umgebung, und die Feuerwehrleute in Tiefenbach, Bellenberg und Illertissen wurden durch das Piepsen ihrer Funkmeldeempfänger in der Nacht zwischen Freitag und Samstag aus dem Schlaf gerissen. Schon auf der Anfahrt war von Weitem heller Feuerschein zu sehen. „Man hat gemeint, da brennt ein ganzes Sägewerk“ erzählte ein Feuerwehrmann später. Ein Haus in der ehemaligen Kleingarten- und Wochenendsiedlung „Im Höhlet“ stand in Vollbrand.

Polizei schätzt Schaden auf mindestens 200.000 Euro

Laut Polizeibericht ist das Wohnhaus in dem Illertisser Stadtteil samt Carport vollständig ausgebrannt; der Sachschaden wird auf mindestens 200.000 Euro geschätzt. Sechs Personen erlitten Rauchvergiftungen und mussten vom Rettungsdienst untersucht und behandelt werden. Ein besonderes Problem für die rund hundert Feuerwehrleute stellte die schwierige Wasserversorgung dar.

Brand in Tiefenbach: So lief der Großeinsatz ab
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Tiefenbach (Stadt Illertissen): Wohnhaus und Carport ausgebrannt
Bild: Wilhelm Schmid

Die betroffenen Bewohner und Nachbarn hatten sich in Sicherheit bringen können; sie hatten jedoch Brandrauch eingeatmet und wurden deshalb von einem Notarzt und den Besatzungen mehrerer Rettungswagen untersucht und ambulant behandelt. Den ersten eintreffenden Wehren gelang es, im Erstangriff ein Übergreifen des Feuers auf die Nachbarschaft großenteils zu verhindern. Schnell stellte sich dabei heraus, dass die Versorgung mit Löschwasser Probleme bereitete.

So aufwendig war die Beschaffung des Löschwassers

Zur Versorgung der Siedlung steht laut dem Illertisser Kommandanten Erik Riedel nur eine Wasserleitung mit geringem Durchmesser zur Verfügung. Der örtliche Kommandant Stefan Winkler hatte die Einsatzleitung an Riedel übertragen. Er selbst arbeitete dann als Abschnittsleiter für die Wasserversorgung. Beide wurden unterstützt von Führungskräften der Kreisbrandinspektion.

Rund 100 Feuerwehrleute waren in der Nacht in Tiefenbach im Einsatz.
Bild: Wilhelm Schmid

Riedel ließ schnell über die Leitstelle eine größere Anzahl von Wasser führenden Großfahrzeugen aus einer Reihe von Nachbarwehren alarmieren. Der Aufbau einer Wasserentnahme aus der Roth oder den umliegenden Riedgräben mit einer Schlauchleitung über die Äcker hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen, und auch das Wasser aus dem Swimmingpool eines Nachbarhauses konnte nur als erster Notbehelf dienen.

Die nachrückenden Wehren pendelten mit ihren Tankfahrzeugen zwischen Löschwasserquelle und Einsatzort: In der Ortsmitte von Tiefenbach, am Beginn der Gannertshofer Straße, wurde das Hydrantennetz mit der laut Erik Riedel sehr leistungsfähigen Hauptleitung angezapft. Dort füllten die Löschfahrzeuge ihre bis zu 2500 Liter fassenden Tanks, und dann fuhren sie zum knapp zweieinhalb Kilometer entfernten Höhlet hinaus. Sobald ein Fahrzeug dort seinen Vorrat in die Einsatzversorgung eingespeist hatte, fuhr es die enge Zufahrtsstraße wieder hinaus, und das nächste Fahrzeug rückte mit vollem Tank nach. So war die Voraussetzung für einen umfassenden Löschangriff von mehreren Seiten her geschaffen.

An einem Nachbarhaus sind die Fenster geborsten

In einem Nachbarhaus waren nach Angabe von Kommandant Riedel wegen der großen Hitze bereits die Fenster geborsten; von einem neben dem brennenden Haus ebenfalls in Brand geratenen Carport schlugen die Flammen hoch, und im Inneren des Dachgeschosses eines Nachbargebäudes auf der anderen Seite war durch die Hitze sogar schon ein Wäscheständer geschmolzen. Das wurde von Trupps festgestellt, die dort unter schwerem Atemschutz im Innenangriff vorgingen und denen es gelang, das Nachbargebäude zu halten.

Von der Südseite und von der Drehleiter aus gingen weitere Kräfte über das mit Trapezblech gedeckte Dach gegen den Brand vor. Weitere Probleme bereitete die Isolierung aus Naturmaterial in den Wänden, in deren Innerem die Glut weiter wandern konnte und immer wieder mithilfe von Wärmebildkameras lokalisiert werden musste. Mit der Motorsäge wurden deshalb Wandteile des in Holzständerbauweise errichteten Hauses und des Carports geöffnet, um mit Löschwasser an die Glutnester heran zu kommen.

Hundert Feuerwehrleute waren in der Nacht im Einsatz

Gegen vier Uhr morgens war der schwierigste Teil des Einsatzes vorbei und der Vollbrand soweit eingedämmt, dass die Nachlöscharbeiten beginnen konnten. Insgesamt waren rund hundert Feuerwehrleute eingesetzt. Die unmittelbare Löschtätigkeit übernahmen die Einsatzkräfte aus Tiefenbach, Bellenberg und Illertissen. Feuerwehrleute aus Au, Buch, Gannertshofen, Illerberg-Thal, Weißenhorn und ebenfalls aus Illertissen stellten mit Großfahrzeugen die Wasserversorgung sicher. Die Polizei war mit mehreren Streifen auch aus den benachbarten Inspektionen vor Ort; das Technische Hilfswerk (THW) hatte zwei Fachberater entsandt, und der Rettungsdienst musste nicht nur die vom Rauchgas betroffenen Anwohner versorgen, sondern auch die Feuerwehrleute absichern.

Das Haus in der Siedlung "Im Höhlet" ist komplett niedergebrannt.
Bild: Wilhelm Schmid

Dort gab es trotz der schwierigen Arbeit – unter Atemschutz, mit Motorsäge und auf Leitern – keine Verletzten. Am frühen Morgen konnten die auswärtigen Wehren abrücken, und die Ortswehr aus Tiefenbach blieb am Samstag noch längere Zeit im Einsatz.

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