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Buch

08.10.2019

Bucher Marktrat Eberl wehrt sich gegen Plastik im Boden

Der Bucher Marktrat Franz Eberl (UWG) hat in der Baustelle für den neuen Gewerbepark größere Abfallteile im Recycling-Baumaterial gefunden.
Bild: F. Wolfinger

Plus Franz Eberl hat nach eigenen Angaben auf der Baustelle am neuen Gewerbepark Abfallteile gefunden, die dort angeblich verbaut wurden. Das Landratsamt prüft, was es damit auf sich hat.

Der Bucher Marktrat Franz Eberl (UWG) ist überzeugt: Das „Zeug“ gehört nicht in den Boden. Damit meint er den Inhalt eines Wäschekorbes, unter anderem altes Dämmmaterial und Plastikteile, die er nach eigenen Angaben auf der Baustelle am neuen Gewerbepark in Buch eingesammelt hat.

Dass in der Marktgemeinde zur Befestigung des Unterbodens in den vergangenen Monaten auf zwei Baustellen Betonrecyclingmaterial verwendet wurde, stört ihn. Er hat sich, auch in öffentlichen Sitzungen des Marktrats, immer wieder dafür ausgesprochen, Kies zu verwenden und nicht das zerkleinerte Abbruchmaterial. Eberl ist der Meinung, dass frischer Kies unbelastet ist – im Gegensatz zu dem Abbruchmaterial, das neben Beton auch kleine Mengen an Plastik und anderen Fremdstoffen enthalten darf.

Eberl hat seine Fundstücke im Landratsamt abgegeben

Der Marktrat hat seine Funde aus der Bucher Baustelle auch im Landratsamt Neu-Ulm abgegeben. Die Behörden sollen der Sache nachgehen, sagt er. Bereits vor einigen Wochen hatte Eberl sich beim Landratsamt über die Verwendung von Betonrecyclingmaterial beschwert. Die Behörden prüften daraufhin das verwendete Material gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt. Und, wie Richard Götz, Leiter der Abteilung Immissionsschutz und Abfallrecht im Landratsamt jetzt noch mal bekräftigt: Es gab nichts zu beanstanden. So sei zum Beispiel der Abstand zum Grundwasser ausreichend groß, sodass dort keine Gefährdung zu befürchten sei, erklärt Götz. Er räumt jedoch ein, dass die Abfallteile eindeutig zu groß seien, die Marktrat Franz Eberl nach seiner Aussage innerhalb von kurzer Zeit zusammengesammelt hatte und im Landratsamt vorlegte.

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Bei einer weiteren Ortsbegehung haben die Mitarbeiter der Behörde allerdings nur noch ein einziges, ähnlich großes Stück gefunden, sagt Götz. Dabei hätten die Kollegen die Baustelle nicht nur oberflächlich abgesucht, sondern auch an einer Stelle, an der aus baulichen Gründen der Boden wieder aufgebaggert worden war. Von der Menge an Plastikabfall bewege man sich wohl im gesetzlichen Rahmen, sagt Götz. Erlaubt seien 0,2 Volumenprozent an Plastik in dem Betonrecyclingmaterial. Zu groß seien die Stücke dennoch. Man gehe derzeit noch der Frage nach, wie diese Teile in der Baustelle gelandet sind.

Baufirma hat ein Entschuldigungsschreiben ans Landratsamt geschickt

Die ausführende Baufirma habe bereits auf eine Nachfrage des Landratsamts reagiert und ein Entschuldigungsschreiben geschickt. Laut diesem würde die Firma größte ansonsten viel Sorgfalt darauf verwenden, das Material zu kontrollieren und Teile, die nicht hineingehören, auszusortieren. Die Firma kann für ihre Recyclingbaustoffe außerdem Zertifikate vom Baustoff Recycling Bayern e. V. vorweisen, der, wie Götz sagt, teils strengere Anforderungen als der Gesetzgeber stellt.

Bürgermeister Roland Biesenberger hält den Einsatz des Betonrecyclingmaterials grundsätzlich für richtig. „Der Gemeinderat hat dem ja auch aus Umweltschutzgründen zugestimmt“, sagt der Bürgermeister. Wieso solle man Kiesressourcen ausbeuten, wenn die notwendigen Baustoffe auch aus recyceltem Material gewonnen werden könnten?

In Buch wurde sogenanntes RC-Material bei gemeindlichen Baustellen in den vergangenen Monaten im großen Stil nur im Straßenbau am neuen Gewerbepark verwendet. Am neuen Kindergarten Purzelbaum wurde im Unterbau zu 90 Prozent Kies eingesetzt, sagt Biesenberger. Er als Bürgermeister befolge in seinen Entscheidungen und Beschlussvorschlägen im Marktrat auch die Vorgaben von Ministerien und den Rat von Experten. Im Fall RC-Material versus Kies sprechen Bauexperten dem Recyclingstoff zum Teil sogar eine bessere Eignung zu. Das Abbruchmaterial sei kantiger und würde deshalb eine stabilere Schicht im Boden bilden als der rundere Kies, der rutscht und sich eher absetzen könne.

Kommune will Recyclingmaterial auch aus ökologischen Gründen verwenden

Neben den ökologischen Gründen spricht für den Bucher Bürgermeister noch ein Grund für die Recycling-Material: Es sei günstiger als Kies. Und als Kommune sei man natürlich auf verpflichtet, sparsam mit öffentlichen Geldern umzugehen.

Grundsätzlich bevorzugt der Gesetzgeber in Deutschland den Einsatz von Recyclingmaterial anstelle von Primärrohstoffen wie Kies. Das 1996 in Kraft getretene Kreislaufwirtschaftsgesetz etwa verfolgt das Ziel, Ressourcen zu schonen und mit den verschiedenen Abfällen möglichst umweltverträglich zu wirtschaften.

Laut eines entsprechenden Leitfadens des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz ist RC-Material und Kies im Straßenbau als gleichwertiger Baustoff zu behandeln. Kommunen müssen zum Beispiel ihre Ausschreibungen im Straßenbau so formulieren, dass Baufirmen entsprechende Angebote mit beiden Stoffen machen dürfen.

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