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Dietenheim

15.09.2020

Bürger wollen den Wanderpfad bei Regglisweiler zurück

Der Pfad bei Regglisweiler war ein beliebtes Naherholungsziel mit vielen beeindruckenden Ansichten.
Bild: Manfred Grambihler

Plus Der zwei Kilometer lange Weg bei Regglisweiler hatte viele Fans. Der Ärger darüber, dass er beseitigt werden sollte, ist noch lange nicht verraucht.

Der Ärger ist bei einigen Bürgern immer noch groß: Vor einigen Wochen hat die Forstverwaltung, die für den Wald bei Regglisweiler zuständig ist, in einer größeren Aktion versucht, einen Wanderweg unzugänglich zu machen.

Auch im Kloster Brandenburg bedauert man das. Schwester Raphaela sagt: „Das war unser Weg.“ Sie und ihre Mitschwestern waren dort häufig am Sonntag unterwegs. Der rund zwei Kilometer lange Pfad führt vom Kloster bis zum Alten Berg. Nun liegen gefällte Bäume an einigen Stellen quer über dem Pfad. Die Balken, die früher ein Brückchen über bei Regenwetter besonders matschige Stellen bildeten, wurden herausgerissen und neben den Weg geworfen.

Mit rund zwei Kilometern eignete sich der Weg gut für einen Spaziergang.
Bild: Franziska Wolfinger

Es ist vor allem das rabiate Vorgehen, das den Bürgern sauer aufstößt. Nicht wenige hielten die Maßnahmen der Forstverwaltung zunächst für einen Akt des Vandalismus. So auch Michael Boncol aus Au. Er sei wenige Tage nach der Fällaktion im Wald spazieren gewesen: „Ich traute meinen Augen nicht, als ich die Spur der Verwüstung sah.“ Für ihn sei es jedes Mal wie ein Kurzurlaub gewesen, wenn er mit seinen Kindern dort unterwegs war. Aus einem Bericht unserer Redaktion habe er dann erst erfahren, was es mit der Baumfäll-Aktion mitten im Sommer auf sich hat.

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Wie Förster Mario Kummert, der bis vor einigen Monaten für das Revier um Regglisweiler zuständig war, erklärte, habe der Pfad weichen müssen, weil die verbotene Nutzung durch Mountainbiker und Reiter immer mehr zugenommen habe. Außerdem führte er rechtliche Gründe an: Gibt es einen gesicherten Weg, der als solcher erkenntlich ist, ist der Waldbesitzer in der Verkehrssicherungspflicht. In einem Schutzgebiet wie diesem könne man das nicht leisten.

Mit solchen Brückchen war der Weg früher befestigt.
Bild: Franziska Wolfinger

Für Manfred Grambihler ist diese Erklärung nicht nachvollziehbar. Er hält es für eine Aktion gegen Mensch und Natur. Grambihler kam regelmäßig nach Regglisweiler zur Römerschanze. Den rund zwei Kilometer langen Pfad durch den Wald zu gehen sei zu jeder Jahreszeit etwas Besonderes. „Es war der schönste Naturpfad in unserer Region“, sagt er. Mountainbiker oder Reiter seien ihm dort eigentlich nie begegnet. Für Pferde sei der Weg am steilen Hang ohnehin zu schmal. Grambihler kennt diesen Weg seit Kindertagen. Er erzählt: „Ich war früher oft mit meinem Vater hier und habe dadurch viel über unsere Natur gelernt.“

So wünscht sich auch Michael Boncol, dass der Weg bald wieder problemlos begehbar ist. Eben nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Kinder. Ein Ort wie dieser sei ein idealer Lehrpfad, nicht nur um Kindern etwas über die verschiedenen Baum- und Pflanzenarten beizubringen, sondern auch über den richtigen Umgang mit der Umwelt.

Doch die Holzbalken wurden inzwischen auch entfernt.
Bild: Franziska Wolfinger

Der Pfad bot aber nicht nur Erholung in der freien Natur, er ist auch geschichtlich von Bedeutung. Im Mittelalter lag dort im Wald, auf dem sogenannten Alten Berg, eine Burg. Der Weg war die Verbindung von dieser Burg zur Brandenburg, dem heutigen Kloster. Michael Strohmayer, Hobbyhistoriker und ehemaliger Dietenheimer Gemeinderat, findet es vor allem schade, dass nun der Zugang zu diesem historischen Ort erschwert wurde. Heute sei er selbst nicht mehr so gut zu Fuß, aber früher sei er oft dort gewesen. Als er ein kleiner Bub war, war der Wald ein beliebter Spielplatz. Als Erwachsener ist er mit Gästen gerne dort gewesen. Und die waren fast immer begeistert. Es freut und wundert ihn, dass nun scheinbar auch viele Menschen von der bayerischen Seite der Iller den Weg vermissen. „Ich hätte nicht gedacht, dass er dort auch so bekannt ist“, sagt Strohmayer.

Schwester Raphaela vom Kloster Brandenburg hatte nach der Fällaktion noch einmal versucht, den Pfad entlang zu gehen. Über manche der gefällten Bäume habe sie es noch geschafft. „Aber eigentlich bin ich zum Klettern zu alt“, sagt sie. Immerhin etwas Positives kann sie der Sache abgewinnen: Es kommen tatsächlich weniger Radfahrer vorbei, die früher zum Teil in rasantem Tempo aus dem Wald schossen. Da sei es so manches Mal zu Beinahe-Unfällen gekommen.

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