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Illertissen

16.06.2017

Bürgerinitiative hält Dialoge für „Placebo“

Die aktuelle geschlossene Illertisser Babystation bleibt in der Klinikdebatte ein heißes Eisen. 
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Bei drei Veranstaltungen wollen die Verantwortlichen die Meinungen der Bürger einholen. In Illertissen sieht man das kritisch.

Mit einer guten Portion Skepsis gehen die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Geboren im Süden“ in die anstehenden Bürgerdialoge zur Krankenhausreform: Schon die Austragungsorte der drei Veranstaltungen in Straß, Pfaffenhofen und Altenstadt hält BI-Sprecher Wolfgang Karger für schlecht gewählt – aus seiner Sicht wären die Klinikstandorte Neu-Ulm, Weißenhorn und Illertissen sinnvoller gewesen. „Dort hätte man sicher mehr Betroffene erreicht.“ Auch den Sinn der Infotreffen, bei denen nach Angaben des Landratsamts Neu-Ulm die Meinung der Bürger zur Zukunft der medizinischen Versorgung im Kreis abgefragt werden soll, zweifelt Karger an.

Schließlich stehe seit dem Bürgerentscheid im Herbst fest, was die Menschen in der Region wollten: die Wiedereröffnung der Geburtshilfeabteilung in Illertissen. So sei es bei der kreisweiten Abstimmung vor sieben Monaten beschlossen worden. Die jetzt angesetzten Veranstaltungen hält Karger für ein „Alibi“ – er glaubt nicht, dass die Meinung der Menschen tatsächlich in den politischen Entscheidungsprozess mit einfließt. Das hätten mehrere Kreisräte in Redebeiträgen zumindest bereits angedeutet.

Auch Susanna Oberdorfer-Bögel, ebenfalls in der BI, erwartet sich „nicht allzu viel“ von den Gesprächsrunden. Sie habe die Sorge, dass es sich dabei um „Placebo-Veranstaltungen“ handelt. Wenngleich es nach ihrer Meinung grundsätzlich Sinn mache, die Bürger in der Sache zu befragen.

Hintergrund der Infoveranstaltungen ist das Bemühen um eine neue Ausrichtung der medizinischen Versorgung im Landkreis Neu-Ulm. Wie berichtet, haben die drei Kliniken zuletzt ein millionenschweres Defizit angehäuft. Nun geht es darum, die Krankenhausstruktur neu aufzustellen: Bezahlbar soll sie sein und zudem möglichst gut und flächendeckend, heißt es. Wie das aussehen wird, ist unklar. Viel ist zuletzt darüber diskutiert worden, dabei waren immer wieder Vermutungen zu hören, Kliniken könnten geschlossen oder zusammengelegt werden. Das weckte Befürchtungen, gerade an den Standorten Weißenhorn und Illertissen, wo sich zahlreiche Menschen für den Erhalt „ihrer Krankenhäuser“ stark machen. Was tatsächlich passiert, soll ein sogenannter Strategieprozess zeigen, der aktuell im Gange ist. Dazu gehört auch, die Bürger nach ihren Meinungen zu befragen. Das soll im Rahmen der drei Dialogforen geschehen. Außerdem verteilt das Landratsamt aktuell einen Fragebogen. Geht es nach Landrat Thorsten Freudenberger, dann soll das Konzept für die neue Klinikstruktur noch in diesem Jahr stehen. Ein Thema in der Debatte ist die momentan geschlossene Geburtshilfeabteilung der Illertisser Illertalklinik. Deren Wiedereröffnung wird gerade im Süden des Landkreises als notwendig erachtet. Kritiker hingegen befürchten zu hohe Kosten angesichts der finanziellen Nöte der Klinikstiftung.

Geht es nach Wolfgang Karger, dann ist das Ziel des Strukturprozesses bereits klar: Schließlich hätten 23000 Menschen ihre Meinung zur Zeit des Bürgerbegehrens zur Geburtshilfe schriftlich mitgeteilt. Gleichzeitig wünschten sich die Bürger eine möglichst gute und breite medizinische Versorgung. Die Fragen danach (im Fragebogen) hält Karger für absurd: „Das sind doch alles logische Sachen.“ Der Illertisser Unternehmer plädiert dafür, in Sachen Klinikreform schnell zu handeln. Stattdessen zögerten die Verantwortlichen, nach Kargers Einschätzung wohl aus „Angst, eine Entscheidung zu treffen“. Wie diese aussehen sollte, dazu hat das BI-Mitglied eine klare Meinung: Die Klinikstandorte in Illertissen und Weißenhorn müssten in Koordination ertüchtigt werden – durch eine neue Geburtshilfe in der Vöhlinstadt und eine starke Innere Medizin in der Fuggerstadt. Karger erachtet Illertissen mit Blick auf das zu erwartende Einzugsgebiet eines (ausgebauten) Krankenhauses als strategisch wichtigen Standort: So würden viele Menschen aus der Umgebung, aus dem Günzburger Raum, aus Baden-Württemberg und dem Unterallgäu, die Leistungen in Anspruch nehmen. Und zwar, ohne mitten durch die Stadt zu fahren – zumindest wenn die neue Klinik an einem von mehreren Illertissern ins Auge gefassten Standort (zwischen Bischof-Ulrich-Schule und Autobahnzubringer) errichtet werde. Wer die Sache vernünftig beurteile, müsse das einsehen, glaubt Karger: „Ich weiß nicht, wie man den Standort Illertissen kippen kann.“

Nach Ansicht von Susanna Oberdorfer-Bögel, die sich seit langem für den Erhalt der Babystation einsetzt, gibt es „nicht so viele Optionen“ für die neue Krankenhauslandschaft im Kreis. Dies hätten die Diskussionen bereits gezeigt. Dass die Einschätzungen der Bürger bei den anstehenden Entscheidungen berücksichtigt werden, hält Oberdorfer-Bögel deshalb für fraglich. Sie glaube nicht, dass die drei Veranstaltungen „wesentlich neue Erkenntnisse“ bringen. Dennoch sei es positiv, dass die Menschen dort Informationen „aus erster Hand“ erhalten könnten. Geht es nach Oberdorfer-Bögel, sollte der Prozess zur Klinikreform zügig vorangetrieben werden. „Man hat wahnsinnig lange gebraucht, um aus dem Krisenmodus herauszukommen. Mir geht das zu langsam.“

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