Newsticker

Carneval in Rio fällt wegen Corona-Pandemie aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Bürschchen und Radaubruder

Gericht

29.04.2015

Bürschchen und Radaubruder

23-Jährigen wegen vorsätzlichem Vollrausch verurteilt

Wegen vorsätzlichem Vollrausch ist gestern ein 23-Jähriger zu einer neunmonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Zudem wies ihn der Neu-Ulmer Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer an, 80 Sozialstunden abzuleisten und sich ernsthaft um eine stationäre Alkohol- und Drogentherapie zu bemühen.

Der von Rechtsanwalt Alfred Nübling verteidigte Angeklagte machte auf Richter Mayer den „optischen Eindruck eines zarten, schmalen Bürschchens“, dem er die vorgeworfenen Taten eigentlich gar nicht zugetraut hätte. Wie die Beweisaufnahme ergab, steckt in dem Bürschchen aber noch ein Radaubruder, der immer dann die Oberhand gewinnt, wenn Alkohol – oder wie im vorliegenden Fall auch noch Drogen – im Spiel sind.

Ende August vergangenen Jahres hatte der Ulmer einen Kumpel in Neu-Ulm besucht, um mit ihm anzustoßen. Grund zum Feiern hatten beide: Der Angeklagte, der kurz vor Ende eine Lehre als Metallbauer geschmissen hatte, hatte einen neuen Ausbildungsplatz ergattert, der Kumpel hatte kurz zuvor eine Operation im Krankenhaus glimpflich überstanden. Nach Lage der Dinge lief das Treffen alkoholmäßig vollkommen aus dem Ruder – wenngleich der 23-Jährige keine Angaben zum Konsum machte. „Ich kann mich eigentlich gar nicht mehr erinnern“, sagte er dem Richter. Der nahm ihm das ab – immerhin hatte der junge Mann knapp 2,5 Promille intus, als ihn die Polizei am frühen Morgen bei der Donauklinik aufgriff, nachdem er randaliert hatte.

Am Neu-Ulmer Krankenhaus nahm die Geschichte, deretwegen er vor Gericht stand, ihren Lauf. Zunächst, so ein Polizeibeamter, sei der Mann trotz deutlicher Ausfallerscheinungen durchaus zugänglich gewesen. Urplötzlich sei seine Stimmung aber ins Aggressive umgeschlagen und er habe begonnen, auf die Polizisten Kanonaden von Schimpfwörtern abzufeuern. Die vergleichsweise freundlichste Beleidigung war noch „Bullenschwein“, die anderen Verbalinjurien sind nicht druckreif. Die Folge des Ausbruchs war, dass der Unbelehrbare gefesselt zur Wache gefahren wurde. Dort ging das Theater weiter, ergänzt durch einen Fußtritt gegen einen Polizisten. Auch in den Sanka, der ihn auf ärztliches Anraten ins BKH Günzburg fahren sollte, stieg der Mann eher unwillig ein, wie sich ein anderer Polizist erinnerte.

Der Haken an der Sache war: Der 23-Jährige war schon als Jugendlicher wegen alkoholbedingter Ausraster vor Gericht; was juristisch ein Vollrausch ist, wusste er spätestens seit ihn ein Ulmer Jugendrichter deswegen verurteilt hatte. In seiner Urteilsbegründung deutete Richter Mayer an, dass der Mann in den Knast gegangen wäre, hätte er sich nicht bereit erklärt, eine Therapie zu machen. (kr)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren