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Illertissen

17.01.2020

Chris Boettcher beherrscht auch royales Winken

Chris Boettcher überraschte sein Publikum in der Aula des Kollegs mit witzigen Darstellungen, indem er Künstlerkollegen karikierte.
Foto: Reina Langhans

Der Kabarettist liefert in Illertissen eine Solo-Show mit jeder Menge Promis.

Beim Song „Zehn Meter gehen“ war kein Halten mehr im Publikum, was Begeisterung und Beifall für den Kabarettisten und Komiker Chris Boettcher betraf. Der Münchner mit bühnenfähigem, wenig polterndem bayerischen Dialekt hat in der Reihe „Kleinkunst im Schulkolleg“ unter dem Motto „Freischwimmer“ die Gesellschaft auf die Schippe genommen. Über 100 Fans waren nach Illertissen in die Aula des Kollegs gekommen.

Zu Beginn seiner Revue streifte der Comedian brandaktuell das Thema Organspende, um dann den jüngsten Eklat im britischen Königshaus süffisant aufzugreifen: den spektakulären Rückzug von Meghan und Harry aus dem Alltag der Royals in England. Mit seinem Winken im Stil der Queen heimste er im Publikum die ersten Lacher ein. Der Kontakt war geknüpft und Boettcher legte so richtig los: Er überhäufte seine Zuhörer mit neugierigen Fragen, um sie sogleich zu relativieren und niemanden zu brüskieren. Eine Art Pinpong-Spiel, bei dem er so eloquent wie elegant das Publikum dazu animierte, bei seiner Show mitzugehen. Etwa durch detaillierte Fragen nach den guten Vorsätzen im neuen Jahr. Wobei es mit dem Einhalten der Versprechungen dann doch nicht so genau gehe: Donald Trump und andere machten es vor. Mit Angela Merkel, Viktor Orbán oder Recep Tayyip Erdogan folgten weitere Politiker, deren Stärken und Schwächen er höchst anschaulich in Szene setzte.

Boettcher parodiert Kollegen aus der Musikbranche

Dazu sang Chris Boettcher, begleitete fulminant am Klavier oder fabulierte in Prosa und in Reimen. Insbesondere, wenn er Kollegen der Musikszene parodierte. Sei es Udo Lindenberg, dessen Auftritt mit Hut Boettcher (selbst ganz ohne Kopfrequisite) dem Zuschauer geradezu plastisch vor Augen führte. Oder Herbert Grönemeyer, dessen Gesang und Gesten er trefflich zu imitieren wusste. Der Wiedererkennungswert war so hoch, dass das Publikum schon auf die ersten typischen Handbewegungen reagierte. Ein Effekt, den Komiker Boettcher sofort zu überspitzen wusste.

Das Motto des Abends, „Freischwimmer“ passte auf alle Gesellschaftsschichten, nicht zuletzt die verschiedenen Zwänge innerhalb der der Familie. So feinfühlig wie unerbittlich spießte der Kabarettist pikante Details aus Ehe- und Familienleben auf: Kinder nannte er das schönste Ergebnis der Mann-Frau-Beziehung, welche jedoch nur in jungen Jahren zur Freude gereichten. Und seien sie einmal ausgezogen, würden sich die nunmehr zur Zweisamkeit gezwungenen Ehepaare fragen: „Da war doch was zwischen uns?“

Nach zweieinhalb Stunden übersprühenden Witzes und tiefsinnigen Humors nahm der Multidarsteller Abschied just in dem Moment, wo die Stimmung im Saal am schönsten und nicht mehr zu toppen war. Bei der Autogrammstunde hinterher wurde munter weiter geplaudert: Boettcher hatte Fans wiedererkannt, die er schon von der Bühne aus beobachtet hatte.

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