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05.12.2019

Christbaum aus dem Baumarkt oder selbst gefällt? Was Experten raten

Christian Hufnagel netzt einen Christbaum ein. Der 26-Jährige arbeitet für das Forstunternehmen seines Onkels aus dem Sauerland und verkauft Nordmanntannen in Weißenhorn, Illertissen, Bellenberg und Babenhausen.
Bild: Dominik Stenzel

Plus Noch zweieinhalb Wochen bis Weihnachten: Der Ansturm auf die Tanne fürs Wohnzimmer steht an. Was Fachleute und Verkäufer für den Kauf von Christbäumen raten.

Es scheint, als habe sich die von einem Bauzaun umgebene Rasenfläche an der Illertisser Josef-Henle-Straße in ein Tannenwäldchen verwandelt. Menschen schlendern von einem Baum zum nächsten, hin und wieder bleiben sie stehen, um die Nadeln einzelner Exemplare unter die Lupe zu nehmen. Jeder hat genaue Vorstellungen, wie der Christbaum dieses Jahr aussehen soll. Um einen bahnt sich ein Zwist zwischen einer jungen Frau und einem älteren Ehepaar an: Beide haben eine rund eineinhalb Meter hohe Nordmanntanne mit saftig-grünen Nadeln auserkoren. In zweieinhalb Wochen ist Weihnachten. Und schon jetzt sind viele auf der Suche nach dem perfekten Schmuckstück fürs Wohnzimmer. Doch wann ist der perfekte Zeitpunkt, um einen Weihnachtsbaum zu kaufen? Und worauf sollte man dabei achten?

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An vielen Verkaufstellen in der Region dürfte an diesem Wochenende Hochbetrieb herrschen, glaubt Christian Hufnagel, dessen Pflanzen an der Josef-Henle-Straße verkauft werden: „Die meisten Menschen holen ihre Bäume um den zweiten und um den dritten Advent.“ Andere Anbieter wie der Burlafinger Anton Glöckler bieten ihre Bäume erst ab der kommenden Woche an – der Andrang dürfte auch dann und dort beachtlich sein. Denn bei Familien wird es immer beliebter, Bäume selbst zu schlagen – Glöckler öffnet seine Plantage in diesem Jahr dafür erstmals an zehn Tagen. Vorher waren es nur zwei gewesen. Die Nachfrage, berichtet er, sei immer weiter gestiegen. „Es sind immer mehr Familien, die kommen. Das Schöne am selber Schlagen ist, dass der Baum wirklich frisch ist.“

Verkäufer sehen Konkurrenz durch Baumärkte gelassen

Die Konkurrenz durch Baumärkte oder den Möbelriesen Ikea, wo Christbäume extrem günstig angeboten werden, nimmt Glöckler locker: „Das ist legitim – und Konkurrenz hat man immer.“ Die Märkte böten Bäume zum Selbstkostenpreis an, damit Käufer ihr Geld im Gegenzug anderweitig dort lassen. Ähnlich sieht das auch Hufnagel: Weihnachtsbäume von Ikea oder Baumärkten würden in großen Stückzahlen deutlich früher geschlagen und kämen nicht selten aus Dänemark. „Die Menschen wollen frische Bäume“, ist Hufnagel überzeugt.

Christbaum aus dem Baumarkt oder selbst gefällt? Was Experten raten

Frische Bäume zu kaufen – dazu rät auch Axel Heiß, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach. Er empfiehlt den Verbrauchern, auf die heimische Herkunft der Bäume zu achten. Am besten sollten sie aus Bayern stammen: „Umso kürzer die Transportwege sind, desto weniger Kohlenstoffdioxid wird ausgestoßen“, sagt Heiß. Es gebe zwei Siegel, die bestätigten, dass Christbäume auch wirklich aus Bayern kommen: Zum einen eine Banderole des Vereins Bayerischer Christbaumbauer. Zum anderen das GQ-Siegel (steht für „Geprüfte Qualität – Bayern“), mit dem Bäume seit diesem Jahr ausgestattet werden und das garantiert, dass die Bäume frühestens am 10. November geschnitten und in den vergangenen drei Jahren nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sind. Auch Heiß bestätigt: Christbäume selbst zu schlagen, wird immer beliebter. Sich ohne Erlaubnis in den Wäldern der Region zu bedienen, sei jedoch Diebstahl. Die Waldgebiete gehörten schließlich Kommunen oder Privatbesitzern. In den Gemeinden des südlichen Landkreises gebe es mit solchen Christbaum-Dieben zwar keine großen Probleme, sagt der zuständige Förster Bernd Karrer. Hin und wieder komme es aber schon vor, dass in der Vorweihnachtszeit von einer erst gesetzten Weißtanne nur noch der Stumpf übrig sei: „Für uns Forstleute ist das schlimm“, sagt Karrer. Auch deswegen sei er froh, dass es in der Region Händler gibt, die ihre Christbäume von Plantagen beziehen.

Babenhauser Lions Club bietet besonderen Verkauf an

Doch es sind nicht nur Forst- und Landwirte, die in der Region Christbäume verkaufen. Der Lions Club Babenhausen-Fuggermarkt möchte den Menschen auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt „Natur pur“ anbieten. „Unsere Christbäume sind absolut bio, von hier und ungespritzt“, sagt Präsident Johann Kreuzpointner. Erst am Tag vor dem Verkauf würden 50 bis 100 zuvor markierten Fichten im Klosterbeurer Wald geschlagen. Ein Forstwirtschaftler, der Mitglied im Club sei, koordiniere die Aktion. „Dem Wald tut das gut. Er wird gelichtet und andere Bäume können besser wachsen“, sagt Kreuzpointner. Den Preis für die Bäume würden die Kunden selbst festlegen: „Bisher hat niemand einen Christbaum mitgenommen, ohne etwas zu zahlen.“

Hufnagel und seine Mitarbeiter sind in Illertissen derweil auf den großen Ansturm vorbereitet: Rund 300 Nordmanntannen befänden sich hier, sagt er. „Sie haben eine schöne Form, halten lange und stechen nicht.“ Die Bäume haben eine recht lange Reise hinter sich, so Hufnagel. Der Familienbetrieb baue die Nordmanntannen auf einer rund 200 Hektar großen Plantage im Sauerland an.

Durch den Handel mit Weihnachtsbäumen gebe es dort das ganze Jahr über viel zu tun: Die Triebe müssten gestutzt werden, außerdem würden die Pflanzen regelmäßig gedüngt, damit sie eine schöne Farbe bekämen, erklärt Hufnagel. Spritzmittel kämen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz, zum Beispiel einem Käferbefall: „Wenn die Bäume fünf Jahre oder älter sind, ist Spritzen aber generell ein No-Go.“ Ab Mitte November werden die acht bis neun Jahre alten Christbäume geschlagen – und danach zu den verschiedenen Standorten gebracht. In der Region werden Nordmannstannen von den Hufnagels auch in Bellenberg, Weißenhorn und Babenhausen angeboten. (mit mase)

Der FV Illertissen eröffnet seine neue Geschäftsstelle. Mehr dazu lesen Sie hier:

FV Illertissen eröffnet Geschäftsstelle

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