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21.10.2009

Damit Ärzte so helfen, wie es die Patienten wollen

Landkreis 80 Prozent der Bevölkerung sagen bei Umfragen, sie wollten über die Umstände ihres Sterbens selbst bestimmen. Maximal zehn Prozent haben dafür Vorkehrungen getroffen, sagt Dr. Manfred Nuscheler, Chefarzt Anästhesie am Kreisklinikum Mindelheim und zugleich Vorsitzender des St. Elisabeth Hospizes im Caritasverband Memmingen-Unterallgäu. Der Schluss liegt auf der Hand: Es gilt noch erheblich Aufklärungsarbeit zu leisten.

Daran soll es im Landkreis nicht fehlen. In einer groß angelegten Aktion wollen seit Montag das Kreisklinikum und der Hospizverein die Bevölkerung über Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht informieren. Die Schirmherrschaft hat Landrat Hans-Joachim Weirather übernommen. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Obendrein gibt es einen gestrafften Sonderdruck über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, der auf der aktuellen Broschüre des Bayerischen Justizministeriums fußt. Dieser kann dank großzügiger Unterstützung durch Sponsoren - etwa den Lions-Club - kostenlos abgegeben werden. Allein der Hospizverein wendet für die Kampagne 6000 Euro auf. In der Schrift enthalten sind auch die vom Gesetzgeber empfohlenen Formblätter, die es auszufüllen gilt.

Weirather: Häufig beschäftigt man sich zu spät damit

Zum Start der Aufklärungskampagne sagte Landrat Weirather, dieses Thema der Selbstbestimmung bis ins hohe Alter sei ein elementares, das jeden betreffen könne. Er selbst habe in der eigenen Familie erlebt, wie wichtig es bei einer schweren Erkrankung ist zu wissen, welche Behandlung der Patient wünscht. "Häufig beschäftigt man sich zu spät mit dem Thema, nie ist es aber zu früh", betonte Weirather.

Damit Ärzte so helfen, wie es die Patienten wollen

Als Referenten stehen die drei Chefärzte Nuscheler, Dr. Christof Weitzel und Privatdozent Dr. Peter Steinbigler zur Verfügung. "Wir wollen damit auch in unsere eigenen Häuser wirken", betont Nuscheler, der die Aktion organisiert hat. Es soll das Bewusstsein für den Patientenwillen auch bei den Klinikumsmitarbeitern geschärft werden.

Ärzte sehen sich immer wieder Patienten gegenüber, die ihren Willen nicht mehr ausdrücken können. "Es ist immer dann gut, wenn wir wissen, was der Patient möchte", sagt Dr. Steinbigler. Schlaganfallpatienten etwa, ergänzt Dr. Weitzel, könnten oft weder sprechen noch sich sonst irgendwie ausdrücken.

"Hier müssen aber Entscheidungen getroffen werden", so Weitzel. Angehörige sind dazu aber nicht ohne Weiteres befugt. Deshalb rät Nuscheler, frühzeitig eine Vorsorgevollmacht zu erteilen.

Darin kann geregelt werden, wer sich im Falle einer schweren Erkrankung um die finanziellen Dingen kümmert oder bei Gesundheitsfragen als Ansprechpartner bereit steht.

Bei vielen Menschen herrsche Unsicherheit, sagt Kathrin Hummel vom St. Elisabeth Hospiz. "Werden sich die Ärzte dran halten?", sei so eine Frage, die immer wieder komme. Steinbigler betont, "zentrale Aufgabe als Arzt ist es, Ängste zu nehmen, Vertrauen zu geben". Was der Patient wünscht, das geschehe. Und deshalb sei es so wichtig, diesen Willen auch festzuhalten.

Veranstaltung Der Vortrag über Patientenverfügungen in Babenhausen findet am Dienstag, 27. Oktober, von 19.30 Uhr an im Pfarrsaal statt.

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