1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Das Schicksal einer Sinti-Familie aus Vöhringen

Vöhringen

15.11.2018

Das Schicksal einer Sinti-Familie aus Vöhringen

Die Ecksteins waren als Tanz- und Unterhaltungs-Kapelle überregional bekannt. 17 Familienmitglieder fielen dem Völkermord der Nationalsozialisten zum Opfer. Sie wurden in den Gaskammern der Konzentrationslager ermordet.
Bild: Sammlung Eckstein (Repro: Ursula Katharina Balken)

Unter dem Regime der Nationalsozialisten wurde ein Großteil der in Vöhringen lebenden Familie Eckstein ermordet. Ein Autor widmet sich nun der Geschichte der Musiker.

Der Name Eckstein ist in Vöhringen ein Begriff. Vor allem die älteren Bürger werden sich an den Geiger Albert Eckstein erinnern, der über ein außergewöhnliches Talent verfügte. Er war hochmusikalisch, hatte nie Noten gelernt und besaß die Gabe, Kompositionen nach Gehör nachzuspielen. Noch heute erinnert eine von Sohn Rolf Eckstein gegründete Stiftung an dessen musikalischen Vater.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Die Geschichte der Ecksteins ist dabei tragisch: Denn Albert Eckstein gehörte zu einer Familie der Sinti und Roma, die im Dritten Reich unendliche Leiden ertragen mussten. 17 Familienmitglieder fielen dem Massenmord zum Opfer. Sie wurden in den Gaskammern der Konzentrationslager ermordet. Albert Eckstein überlebte.

Über das Schicksal der Familie hat der Ulmer Walter Wuttke jetzt ein Buch geschrieben, das der Weißenhorner Konrad-Verlag am Freitag, 16. November, im Wolfgang-Eychmüller-Haus in Vöhringen der Öffentlichkeit vorstellt.

Das Schicksal einer Sinti-Familie aus Vöhringen

Schicksal der Ecksteins soll nicht vergessen werden

„Die unermüdliche Ausdauer und Hingabe, mit der Walter Wuttke und Erika Tanner sich der Geschichte der Menschen widmen, die durch die nationalsozialistischen Machthaber verfolgt und ermordet wurden, kann ich nur bewundern“, schreibt im Vorwort Rolf Eckstein. Solchen Menschen sei es zu verdanken, dass die kommenden Generationen diese Ereignisse nicht vergessen. Niemals, so Eckstein, sollten Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Lebensweise solche Schicksale erleiden.

Er bedankt sich in diesem Zusammenhang bei Verleger Christoph Konrad, „ohne dessen Interesse für die Thematik die Veröffentlichung des Buches nicht möglich gewesen wäre“, und bei Bürgermeister Karl Janson, denn das Buchprojekt wurde auch durch die finanzielle Unterstützung der Stadt Vöhringen möglich.

Verleger Konrad zeichnet die Geschichte der Sinti nach, die zum Volke der Roma zählen. „Die Diskriminierung und Verfolgung der Sinti in Deutschland hat eine lange Tradition“, sagt er. Die Angehörigen dieses Volksstammes seien bereits im 15. Jahrhundert ausgegrenzt worden, 1498 sogar für vogelfrei erklärt. Sie durften kein Handwerk mehr ausüben. „Die Sinti hatten auch kein Recht, sich niederzulassen, sondern waren gezwungen, zu reisen“, erklärt Konrad. Eine systematische Verfolgung setzte in Bayern 1899 ein.

Tausende Sinti wurden deportiert

Was sich in den 30er-Jahren schon mit Brutalität abzeichnete, erreichte durch einen Erlass von 1942 – alle Sinti und Roma in KZs einzuweisen – seinen Höhepunkt. Tausende Sinti wurden deportiert, darunter auch die Familie Eckstein. Sie wurde am 8. März 1943 in Vöhringen abgeholt. Noch im selben Jahr starben Familienmitglieder in Auschwitz, Sachsenhausen, Natzweiler-Struthof und Lublin-Majdanek.

Dass Albert Eckstein überlebte, verdankt er seiner Frau Berta, geborene Kropp, die arisch eingestuft wurde. Albert Eckstein starb 1992 bei einem Unfall. Begraben ist er auf dem alten Vöhringer Friedhof.

Buchvorstellung: Mehr über die Familie Eckstein ist im Buch „Familie Eckstein. Lebensschicksale einer Musiker-Sinti-Familie“ von Walter Wuttke zu lesen. Es wird am Freitag, 16. November, im Wolfgang-Eychmüller-Haus der Öffentlichkeit vorgestellt. Beginn ist um 17 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren