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Vöhringen

19.11.2018

Das Schicksal von Sinti-Musikern in der NS-Zeit

Der Geiger Albert Eckstein überlebte den Terror der Nationalsozialisten.
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Der Geiger Albert Eckstein überlebte den Terror der Nationalsozialisten.
Bild: Sammlung Eckstein/Repro: Balken

Autor Werner Wuttke erinnert an das Schicksal der Vöhringer Sinti-Familie Eckstein. Ein Werk, das bewegt.

Eine halbe Million Sinti und Roma, darunter 17 Vöhringer Bürger, überlebten das Terrorregime der Nazi-Zeit nicht. Sie wurden Opfer von Rassenwahn und Gewalt. Bei der Präsentation des Buches „Familie Eckstein“ von Walter Wuttke ruft Rolf Eckstein das Schicksal seiner Familie in Erinnerung. Es ist eine stille und leise Art, wie er über „die verlassenen Kinder und Kindeskinder“ spricht, deren Eltern in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Das berührt die Zuhörer im Oberen Foyer des Wolfgang-Eychmüller-Hauses.

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Kein Platz bleibt leer, zu sehr ist der Name Eckstein mit Vöhringen verbunden. An Albert Eckstein, der den Massenmord überlebte, weil er eine Vöhringerin geheiratet hatte, erinnert sich so mancher in der Stadt. Er war bekannt und beliebt, weil er ein talentierter Geiger und freundlicher Bürger war. Sohn Rolf Eckstein wurde in Vöhringen geboren.

Buch erinnert an das Leben der Familie Eckstein

Dass so viele Menschen aus seiner Heimatstadt an diesem Abend Anteil am Leben seiner Familie nehmen, berührt Eckstein. Er sagt, er fühle sich glücklich, dass das Schicksal seiner Vorfahren durch das Buch von Walter Wuttke nicht in Vergessenheit gerate. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn man seinen Namen nicht mehr kennt“, zitiert Eckstein den Kölner Künstler Gunter Demnig. Er hatte die Namen der 17 Vöhringer Opfer in die von ihm geschaffenen und verlegten Stolpersteine des Erinnerns in der Ulmer Straße kunstvoll hineingeschrieben.

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Verleger Christoph Konrad aus Weißenhorn hat das Buch veröffentlicht. An diesem Abend führt Konrad abschnittsweise durch das Werk, in dem auf 77 Seiten das Schicksal der Sinti-Familie Eckstein beschrieben ist.

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts lässt sich die Geschichte der Familie zurückverfolgen. Sie lebte damals am Nordrand des Odenwaldes. Wie andere Sinti auch, waren die Ecksteins nicht immer am Heimatort ansässig. Als Musiker und Schausteller waren sie wegen zahlreicher Auftritte stets unterwegs. Die Reiseroute der Gruppen reichte bis in den Süden des Schwarzwaldes, ins Elsass und ins Hohenloher Land. 1938 wurden die Ecksteins in Vöhringen ansässig. Warum sie sich Vöhringen als Wohnsitz auswählten, ist nicht bekannt.

Ausgrenzung der Sinti erreichte im Dritten Reich den Höhepunkt

Schon lange vorher hatte die Ausgrenzung der Sinti begonnen – und erreichte im Dritten Reich ihren Höhepunkt. Ihr Schicksal wurde endgültig durch einen Erlass von Heinrich Himmler 1942 besiegelt. Er hatte angeordnet, alle Roma und Sinti in Konzentrationslager einzuweisen. Das bedeutete den sicheren Tod.

Wie Bürgermeister Karl Janson sagt, stehe das Lebensschicksal der Familie Eckstein als Beispiel für Vertreibung und Ausgrenzung. Auch heute zeichne sich erneut Diffamierung gegen Menschen ab, die eine andere Hautfarbe oder Religion haben. Janson mahnte, „das darf nicht wieder geschehen“. „Die Stolpersteine in der Ulmer Straße sind Symbole für menschliche Schicksale.“

Einen lebensbejahenden Akzent setzt an diesem Abend das Ensemble „Swingtette de Bavière“ aus Augsburg mit dem brillanten Gitarristen Elias Prinz. Ihre musikalische Welt besteht aus klaren Tönen des Jazz, Gypsi-Sounds und des Sinti-Swings. Die Zuhörer sind begeistert.

Das Buch: Walter Wuttke, „Familie Eckstein – Lebensschicksale einer Musiker-Sinti-Familie“, Anton H. Konrad Verlag, ISBN 978-3-87437-588-7, 112 Seiten, Preis: 14,95 Euro.

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