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Altenstadt

24.03.2020

Das Schloss in Illereichen darf doch nicht umgebaut werden

Im Schloss Illereichen bei Altenstadt finden vor allem Hochzeiten und Veranstaltungen statt. Die Baugenehmigung des Landratsamts Neu-Ulm für einen Umbau des historischen Gebäudes ist jedoch rechtswidrig.
Bild: Archivfoto Alexander Kaya

Plus Das Landratsamt hatte den neuen Saal im Schloss Illereichen bereits genehmigt. Doch die Nachbarn klagen erfolgreich gegen die Entscheidung.

Es ist ruhig im Verwaltungsgericht Augsburg. Auch hier spürt man die Auswirkungen der Pandemie. Bis auf Ausnahmefälle sind zunächst bis Ende März alle mündlichen Verhandlungen abgesagt.

Doch das Verfahren über die Baugenehmigung des Schlosses Illereichen am vergangenen Mittwoch findet statt. Der Vorsitzende Richter Stefan Eibelmaier weist auf die besondere Situation hin: Alle fünf Richter hätten dem Prozess im Voraus persönlich zustimmen müssen, sonst hätte auch dieser Termin nicht stattgefunden. Eine offizielle Protokollführung gebe es nicht, Richter Alexander Weber übernimmt diese Aufgabe. Im Mittelpunkt der Verhandlung steht eine Baugenehmigung des Landratsamtes Neu-Ulm von 2018. Darin festgelegt: ein Umbau des Schlosses Illereichen, den Besitzer Markus Hörmann geplant hatte. Diese Baugenehmigung ist jedoch nach dem Urteil der Richter nicht zulässig.

450 Menschen sollten in dem vergrößerten Saal Platz finden

Hörmann hat das Gebäude vor etwa 20 Jahren gekauft und restauriert, davor war das Areal lange Zeit leer gestanden. Bis zum jetzigen Zeitpunkt fanden dort Hochzeiten und Feiern statt. Hörmann hatte nun unter anderem einen neuen, größeren Saal für Veranstaltungen geplant. Etwa 450 Leute sollen dort Platz finden.

Das Schloss in Illereichen darf doch nicht umgebaut werden

Dieses Vorhaben genehmigte das Landratsamt Neu-Ulm im November 2018. Gegen die Behörde wird nun geklagt. Streitpunkt in der Verhandlung am Mittwoch ist vor allem der geplante große Saal für Veranstaltungen – und fehlende Gespräche zwischen dem Schlossbesitzer und den Klägern.

Einer davon ist Roland Schmidt. Er ist unmittelbarer Nachbar des Schlosses und wohnt in der historischen ehemaligen Schule von Illereichen. Die Gebäude liegen in einem besonderen Wohngebiet. Er ärgert sich darüber, nicht im Voraus in die Planung von Schloss Illereichen miteinbezogen worden zu sein: „Man kann das doch zuerst besprechen, bevor man auf einmal damit konfrontiert wird und vor Gericht ziehen muss.“

Nachbar stört sich am "Halligalli"-Charakter, den das Schloss bekomme

Gegen eine Nutzung des Schlosses habe er nichts, die historischen Gebäude sollten nicht dem Verfall preisgegeben werden. Was ihn störe, sei der „Halligalli“-Charakter, den das Schloss zunehmend bekomme. „Die Nutzung erfolgt mit so einer Frequenz und Intensität“, sagt Schmidt. Das sei unverträglich für das historische Ensemble, das es zu schützen gelte. Auch für die Anlieger sei der zunehmende Verkehr eine Belastung.

Für Schmidt war der Leerstand des Schlosses Illereichen vor Hörmanns Übernahme kein Nachteil. „Es war eine große Ruhe“, sagt er. Er wäre dafür, die verfügbaren Räumlichkeiten zu Wohnungen auszubauen oder sie an Praxen zu vermieten, beispielsweise an Ärzte: „So sollte ein besonderes Wohngebiet genutzt werden.“ Der Rechtsanwalt von Markus Hörmann, Sebastian Pfahl, reagiert darauf ablehnend. „Die großen Räume eignen sich nicht für Wohnungen“, erklärt er.

Richter Eibelmaier gibt der Klage statt: Die Baugenehmigung und die Art der Nutzung des geplanten Vortragssaals entsprächen nicht dem vorgegebenen Bebauungsplan. Somit hätte das Landratsamt Neu-Ulm die Baugenehmigung nicht erteilen dürfen. Der Richter erkennt aber die Komplexität des Vorhabens an. Deswegen sei es seiner Meinung nach äußerst wichtig, dass beide Parteien im Dialog zusammenkämen.

In seinem Urteil hebt er die Baugenehmigung des Landratsamtes Neu-Ulm von 2018 auf, die Kosten des Verfahrens muss der Freistaat Bayern als Vertreter des Neu-Ulmer Landratsamts tragen.

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