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03.07.2010

Das Schweigen des Ralf S.

Memmingen/Buch Sein Schweigen hat er auch diesmal nicht gebrochen. Kein Wort zu den Tatvorwürfen kam dem vermutlichen Anführer der Autodiebe von Buch am ersten Verhandlungstag über die Lippen. Seit gestern steht der 28-jährige Ralf S. als Hauptangeklagter vor der Großen Strafkammer des Memminger Landgerichts. Ihm wird zur Last gelegt, als Kopf einer fünfköpfigen Diebesbande Autos der Ingolstädter Marke Audi im großen Stil aus einem Autohandel im Bucher Ortsteil Ritzisried gestohlen zu haben.

Seine Komplizen räumten die Vorwürfe bereits ein

Während vier der fünf Angeklagten, darunter der zweite Hauptbeschuldigte Ronny B., bereits in einem ersten Verfahren alle Vorwürfe der Anklageschrift eingeräumt hatten und zu Freiheits- und Bewährungsstrafen verurteilt worden waren, muss Ralf S. nachsitzen. Der Mann aus Sachsen-Anhalt hatte sich anders als seine Komplizen geweigert, ein Geständnis abzulegen. Zusätzlich wird er beschuldigt, Meineid begangen zu haben. Jetzt kehrte der 28-Jährige auf die Anklagebank zurück. Allerdings nicht für lange.

Gleich zu Beginn der Sitzung verlas Verteidiger Holger Gläser aus Halle-Bitterfeld einen Antrag auf Aussetzung der Verhandlung. Der Rechtsanwalt warf der Staatsanwaltschaft wie schon bei der ersten Verhandlung vor, nicht alle Akten vorgelegt zu haben. Unter anderem fehlten einige Vernehmungsprotokolle von Zeugen des Bucher Autohandels, beschwerte er sich. Ohne diese Akten sei jedoch "kein faires Verfahren" gegen seinen Mandanten möglich. Daher forderte Gläser die Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein auf, die Verhandlung so lange auszusetzen, bis alle Unterlagen auf dem Tisch sind. Trotzdem stimmte der Rechtsanwalt gestern zu, erste Zeugen vor Gericht aussagen zu lassen. Sie waren extra aus dem rund 500 Kilometer entfernten Sachsen-Anhalt nach Memmingen gekommen.

Das Schweigen des Ralf S.

Viel Licht ins Dunkel brachten sie jedoch nicht. Die beiden Bekannten des Angeklagten konnten die Vorwürfe weder bestätigen noch entkräften. Weiter steht Ralf S. unter dem dringenden Tatverdacht, mit Hilfe von wechselnden Begleitern 19 Audis aus dem Autohandel in Ritzisried gestohlen, sie anschließend zu einer angemieteten Halle nach Sachsen-Anhalt gefahren und von dort vermutlich nach Polen veräußert zu haben. Stets zwickten die Diebe mit einem Werkzeug den Metallzaun des unübersichtlichen Geländes auf, verschafften sich Zugang zu den Wagen und düsten zurück in die Heimat.

Der Verbündete arbeitete im Bucher Autohandel

Seinen wichtigsten Verbündeten fand Ralf S. in Ronny B., der ebenfalls aus Sachsen-Anhalt stammt und zur Tatzeit im Autohandel in Ritzisried arbeitete. So war es der 30-Jährige, der seinen Kumpel Ralf S. über die nur spärlich gesicherten Luxuskarossen im fernen Buch informierte. Gemeinsam bedienten sie sich großzügig an der leicht zu machenden Beute. Ronny B. landete dafür im Gefängnis, er hatte bei der ersten Verhandlung ein Geständnis abgelegt. Welche Strafe Ralf S. blüht, bleibt vorerst offen. Jetzt liegt es an Staatsanwältin Simone Kiemel, die Akten auf Vollständigkeit zu prüfen. Erst dann wird entschieden, ob der Prozess weitergeht oder ausgesetzt werden muss.

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