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Soziales

20.02.2015

Das Seniorenheim hat Nachwuchssorgen

Heimleiter Stefan Drexel, Pflegedienstleiterin Marina Weber und Wohnbereichsleiterin Olga Trunzev (von links) finden das Betriebsklima in der Babenhauser Einrichtung gut. Sie hoffen, dass sich möglichst viele junge Menschen für eine Ausbildung bewerben.
Bild: T. Otto

Die Babenhauser Einrichtung tut sich schwer, Auszubildende zu finden. Pflegedienstleiterin Marina Weber weiß dennoch gute Gründe, sich für den Beruf zu entscheiden

Der Pflegebereich gehört im Unterallgäu genauso wie in ganz Deutschland zu den Problembranchen beim Fachkräftebedarf. Auch im Kreisseniorenheim St. Andreas in Babenhausen herrscht Nachwuchsmangel. Insgesamt 70 Menschen arbeiten dort – Teilzeitkräfte inklusive – und kümmern sich um die Bewohner, das Haus und die Verwaltung. Derzeit gibt es noch zwei Azubis, „noch“, sagt Heimleiter Stefan Drexel. Sie haben ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft vor etwa drei Jahren begonnen und werden sie bald abschließen.

Auch heuer ist kein neuer Azubi in Sicht

Im vergangenen Jahr gab es keine neuen Auszubildenden, auch heuer ist noch kein geeigneter Bewerber in Sicht. Dabei ist Nachwuchs in diesem Bereich dringend nötig, die demografische Entwicklung in der Region mit der zunehmenden Zahl von älteren Menschen, die auch auf Pflege angewiesen sind, spricht eine deutliche Sprache.

Der Mitte des Monats vorgelegte „Fortschrittsbericht 2014 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung“ führt die Altenpflege auch bundesweit als Bereich mit zu wenig qualifiziertem Nachwuchs an. Dabei beklage die Politik einen Zustand, den sie in weiten Teilen selbst mit verursacht habe, findet Heimleiter Drexel. Er betreut nicht nur das Babenhauser Altenheim, sondern interimsweise auch das in Türkheim und Bad Wörishofen. Möglich ist das nur, weil er Unterstützung von der neuen Pflegedienstleiterin Marina Weber bekommt. Die junge Frau, die ursprünglich aus der Altenpflege kommt, hat die Chancen, die ein neuer Studiengang in München bot, für sich genutzt. Im dualen System hat sie das Studium der Pflegewissenschaften erfolgreich abgeschlossen. Sie und Heimleiter Drexel wissen sehr gut, warum junge Menschen sich nicht um einen Ausbildungsplatz in der Altenpflege bewerben. Jahr für Jahr haben sie von der örtlichen Schule Praktikanten und Jugendliche aus dem Projekt „Mitmachen – Ehrensache“ im Haus. In den Gesprächen mit den jungen Leuten merken sie immer wieder, dass die Arbeit im Seniorenheim ein Imageproblem hat, das aus der Vergangenheit kommt. Die Rahmenbedingungen wie Arbeitszeiten, Wechseldienst und Bezahlung werden immer wieder als Ablehnungsgründe genannt.

Monotonie bei der Arbeit gibt es nicht

„Doch bei genauerem Hinschauen“, so Marina Weber, „hat der Beruf der Pflegefachkraft enorme Entwicklungsspielräume.“ Monotonie bei der Arbeit gebe es nicht, dagegen ein sehr gutes und humorvolles Klima unter den Kolleginnen. Viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Gerontologie machten die Arbeit spannend. Dazu gebe es regelmäßige externe Fortbildungen.

Pflegefachkräfte, berichtet Weber, würden auch das Projektmanagement bei vielen neuen Programmen und Vorhaben übernehmen. Sie könnten sich zur Wohnbereichsleitung oder als Mentoren für Azubis und Hilfskräfte ausbilden lassen. Neue Programme zur Schmerzlinderung und Steigerung der Lebensqualität bereicherten nicht nur das Leben der Bewohner, sondern auch das der Pflegekräfte selbst.

In Babenhausen stellt die Belegschaft einmal im Jahr eine Wunschliste mit Themen zur internen Weiterbildung zusammen, die dann mindestens einmal im Monat für alle aufgegriffen und bearbeitet werden.

Wochenendarbeit und Wechselschicht gehört dazu

Die Regelarbeitszeit einer Pflegefachkraft liegt übrigens gemäß des Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes bei 39 Wochenstunden. Auch wenn Wochenendarbeit und Wechselschicht zur Arbeit im Seniorenheim gehörten, lasse sich die Arbeitszeit doch sehr flexibel gestalten, was Alleinerziehenden oder Eltern den Spagat zwischen Beruf und Familie wie in kaum einer anderen Branche erleichtere. „Reich wird man hier zwar nicht“, beteuert Marina Weber lächelnd, „aber die Bezahlung ist okay.“ Eine normale Pflegefachkraft verdient nach der Ausbildung ungefähr 1500 Euro netto, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Schichtzulagen gibt es ebenfalls noch.

Einstellungsvoraussetzung ist der mittlere Bildungsabschluss. Mittelschüler können mit einem qualifizierenden Abschluss eine zweijährige Sozialpflegeschule besuchen und danach die Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnen.

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