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Vöhringen

06.10.2017

Dem Sternenhimmel so nahe

Mit einem straffen Programm und hohem musikalischen Niveau begeisterte das Bezirksjugendorchester im Wolfgang-Eychmüller-Haus. Die Kapelle setzte sich aus Mitgliedern anderer Blasorchester zusammen.
Bild: Ursula Katharina Balken

Das Projektjugendorchester des Musikbund-Bezirks Illertissen begeisterte mit einem mitreißenden Programm in Vöhringen. Was die Zuhörer dabei geboten bekamen.

Musiker aus verschiedenen Orchestern, die mit verschiedenen Dirigenten arbeiten und so zu einem neuen Klangkörper zusammenwachsen – das ist zweifelsfrei ein Kunststück. Damit das gelingt, sind nicht nur Musiker nötig, die sich gerne und engagiert auf dieses Experiment einlassen. Sondern auch ein Dirigent, der die Gabe besitzt, einen homogenen Klangkörper zu formen. Das hat Magnus Blank, ein Ausnahmetalent am Pult, beim jüngsten Jugendbezirksorchester im Vöhringer Wolfgang-Eychmüller-Haus fertiggebracht.

Blank ist ein Orchesterleiter mit dem richtigen Gespür für Machbares und kann das dynamisch umsetzen, mit klarer Gestik und stringenter Interpretation der Kompositionen. Er ist auch ein guter Pädagoge, der die jungen Musiker zu motivieren weiß. Er konnte als Dirigent für das Schlusskonzert des gemeinsamen Jugendorchesters des Bezirks Illertissen des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds (ASM) gewonnen werden. Er gab sich nicht mit Gängigem zufrieden und hatte ein straffes Programm zusammengestellt, das sich von Klischees (Polka & Co.) abhob und sich der konzertanten Blasmusik widmete.

Besser hätte es das Projektorchester kaum treffen können. Schon mit „Jump and Joy“ von Markus Götz gelang ein Einstand, rhythmisch und synkopisch geprägt, der das Streben nach Anspruchsvollem der jungen Musiker nur allzu deutlich machte. Gegensätzliche Stimmungen ergaben sich aus „A little Concert Suite“ von Alfred Reed, dessen Bedeutung Andreas Gschwind, stellvertretender Bezirksleiter, in Kurzform den Zuhörern im komplett besetzten Saal des Kulturzentrums näherbrachte. Der festlichen „Intrada“ folgt „Siciliana“, eine bitter-süße, melancholische Melodie. Das Scherzo gab Klarinetten, Föten und Saxofonen Gelegenheit zu einer prägnanten Einleitung, die dann in eine „Gigue“ überging, die den Schlusspunkt mit rustikaler Rhythmik ausstattete. „Hobbits Dance und Hymn“ von Johan de Meij wurde von Paul Lavender zu einer Art Synopsis der Komposition gestaltet. Edelmut wird hierbei mit strahlenden Orchesterklängen verdeutlicht, das Finale endet klanglich opulent.

„Fate of the Gods“ – Schicksal der Götter – entführt in die Welt der nordischen Sagenwelt. Steven Reineke ist der Komponist dieser modernen Götterdämmerung, der in die Welt einer friedlichen Gesellschaft führt. Doch das Böse ist nicht aufzuhalten, versucht, sich musikalisch Bahn zu brechen, was dramatisch von der Bühne kam. Alle Register waren gleichermaßen gefordert, die dann zum Ende hin einen Zustand des Friedens musikalisch offenbarten.

Der zweite Teil durchmaß das Terrain des gern Gehörten. Justin Williams hatte die Höhepunkte bekannter Filmstreifen vermischt und nannte die Arrangements „At the Movies – the Classics“. Zunächst aber wurde der unverwechselbare markante Introitus „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauß aus seiner sinfonischen Dichtung bemüht. Klanglich im Fortefortissimo verfehlten diese Klänge ihre Wirkung nicht. Dann folgte ein Ausflug in einen Italo-Western und zum Zauberer von Oz, bei dem die Zuhörer die Melodien fast Mitsummen konnten. Das taten sie dann tatsächlich bei dem Titel „Sternenhimmel“, Bestandteil des Arrangements „Achtziger Kult“ von Thiemo Kraas: Blank am Pult sorgte mit den Musikern für den nötigen Kick.

Die Zuhörer befanden sich bei so viel Enthusiasmus und Motivation schon längst auf der gleichen Wellenlänge wie die ambitionierten Musiker auf der Bühne. Die Freude über gute Musik war aufs Publikum übergesprungen.

Zum fulminanten Finale wurde dann eine Bearbeitung von Jonny Vinson der „Marches of John Williams“. Da war die Erkennungsmelodie von „Indiana Jones“ zu vernehmen, aber auch die in Noten gefasste Schlacht um Midway, die Insel im Pazifik, bei der die Amerikaner mit erheblichem Blutzoll den Krieg mit Japan zu ihren Gunsten entscheiden konnten.

Das Programm, konsequent von Dirigent Blank auf das Orchester zugeschnitten, fand ein wirkungsvolles Finale mit zwei Zugaben. Die Begeisterung für die Musiker war mehr als verdient und lässt, was den Nachwuchs angeht, hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

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