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Illertissen

06.04.2014

Den Bogen virtuos zum Publikum gespannt

Maia Cabeza, Mitglied der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, begeistert mit ihrer Geige in Illertissen. Am Flügel begleitet Sarah Tysman.
Bild: Regina Langhans

Maia Cabeza an der Geige und Sarah Tysman am Flügel ergänzen einander im Barocksaal des Vöhlinschlosses perfekt

Mit Spannung war der Auftritt der 22-jährigen Gewinnerin des in Augsburg veranstalteten Leopold-Mozart-Violinwettbewerbs in in Illertissen erwartet worden. Unterstützt von der brillanten Begleiterin Sarah Tysman am Flügel, ließen sich die Zuhörer im ausverkauften Barocksaal auf eine Zeitreise durch die Kunst des Violinspiels entführen und begeistern. Maia Cabeza ließ mit ihrer vielseitig eingesetzten Technik des „Springbogens“ ihre Musik auf das Publikum geradezu bildlich hereinbrechen.

Dabei ist diese für den Zuschauer optisch nachvollziehbare Kunst, bei welcher der Bogen unterschiedlich, aber kontrolliert über die Saiten springt, nur eine der virtuosen Techniken, welche die Stücke von der Romantik bis zur Moderne im Programm vorgeben.

Für den Kammermusikabend setzte die Geigerin mit südamerikanischen Wurzeln, die in Kanada aufgewachsen ist, so undramatisch wie selbstverständlich mit der A-Dur-Sonate für Violine und Klavier von Franz Schubert (1797- 1828) ein. Doch dann nutzte sie die innerhalb der vier Sätze vorgegebene Steigerung, ihre technische Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen.

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Gleich anschließend überraschte sie ihr Publikum mit modernen Kontrasten, indem sie die 1963 komponierte Sonate von Alfred Schnittke (1934-1998) in beeindruckend perfektem Zusammenspiel mit der Pianistin präsentierte: Trotz aller schrillen Klänge angenehm zu hören und trotz der Dissonanzen glasklar intoniert. Der Komponist selbst beschreibt sein Opus als „tonale Welt mit atonalen Wegen“, was den beiden Künstlerinnen fantastisch gelungen ist.

Zur nötigen Fingertechnik quer über die Saiten und durch alle Lagen bis in höchste Höhen gehören Tempo und ein enormer Kraftaufwand. Phänomenal, wie Cabeza dabei den linken vierten Finger einsetzt. Etwaige Überlegungen, wie solches zu überbieten sei, verboten sich durch das abwechslungsreiche Programm von selbst.

Bei der Sonate in d-Moll von Johannes Brahms (1833-1897) konnten Geigerin wie Pianistin gleichermaßen Virtuosität und Musikalität unter Beweis stellen. Sie harmonierten im leidenschaftlichen Spiel oder lösten einander darin ab. Die Geigerin unterstrich dieses Schwelgen im Reich der Töne besonders beim An- und Abklingenlassen ihrer Doppelgriffe. Der furiose Schluss gelang auf klassische Art mit Béla Bartók (1881-1945), der in seiner Rhapsodie vielen, für die Violine gefälligen Stilrichtungen Raum gibt: nachdenkliche und rasante Passagen, ungarischer Tanz oder Zigeuner-Csardas. Dazu ließ Cabeza gleich über mehrere Tonhöhen hinweg ihren Finger genüsslich die Saite entlangleiten.

Für die Zugabe hatten die Künstlerinnen ein Schubert-Lied ausgewählt. Der ausgesprochen stimmungsvolle Vortrag eignete sich vorzüglich für den Nachhauseweg von einem alles andere als geruhsamen Kammermusikabend.

Mit Schubert schloss sich der Kreis der Darbietungen dort, wo er begonnen hatte. Einfach grandios!

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