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Carnac / Argentré / Loket

24.03.2020

Der Alltag ruht auch in Illertissens Partnerstädten

Auch in Loket, Carnac und Argentré schränkt die Pandemie derzeit das Leben der Menschen ein. In Frankreich herrscht derzeit besondere Dankbarkeit gegenüber den deutschen Nachbarn.
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Auch in Loket, Carnac und Argentré schränkt die Pandemie derzeit das Leben der Menschen ein. In Frankreich herrscht derzeit besondere Dankbarkeit gegenüber den deutschen Nachbarn.

Plus Menschen aus den Partnerstädten der Region berichten, wie sie mit den Einschränkungen in ihrem Land umgehen. Aus Loket gibt es hoffnungsvolle Nachrichten.

Nicht nur in Bayern herrscht Ausnahmezustand. Massenhaft Geschäfte bleiben geschlossen, Schüler sollen über Internet und Fernsehen lernen, Arbeitnehmer müssen, wo möglich, ins Home-Office oder Urlaub nehmen.

Auch das sonst so pulsierende Leben in den französischen Partnergemeinden der Illertisser Region ist auf abrupte Weise zum Stillstand gekommen. Bürgermeister und Vertreter der Partnerschaftskomitees schildern fast noch drastischere Einschnitte im französischen Alltag, als es nun in Deutschland der Fall ist. Tschechien hat seinen Bürgern ebenfalls strengere Regeln auferlegt als Bayern. So sind auch die Straßen der Illertisser Partnerstadt Loket nahezu wie leer gefegt.

Menschen aus Paris flüchteten in die Bretagne

In Carnac ist die Zahl der Infizierten vergleichsweise früh gestiegen. Mit Bekanntwerden der Krise flüchteten die Bürger aus Paris und der Umgebung in ihre Zweitwohnsitze in der Bretagne. Züge, Plätze und Strände seien überfüllt gewesen und hätten eine Ausbreitung des Coronavirus begünstigen können, sagt Marie-Claire Ézan, Präsidentin des Partnerschaftskomitees. Die Zahl der Infizierten sei in Carnac ab dem 2. März überdurchschnittlich angestiegen. Für die Menschen in der Bretagne hatte das ganz unmittelbar strikte Auflagen zur Eindämmung des Coronavirus zur Folge: Ausgangssperre für alle ohne Berechtigungsschein, Schließung der Schulen und Seniorenheime, Bars, Restaurants sowie Versammlungsverbot für mehrere Wochen.

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Die Polizei patrouilliere entlang der abgesperrten Strände, so Ézan. Sie sagt aber auch: „So weit fühlen wir uns in Carnac, auch die Mitglieder des Partnerschaftskomitees, noch wohl.“ Die Carnacois würden sich ihre Zeit mit Gartenarbeit und Hausputz vertreiben. Die Franzosen seien Deutschland dankbar, da das einige Schwerkranke aufgenommen habe, die in französischen Krankenhäusern keinen Platz mehr gefunden hätten. Vergangenen Freitag um 20 Uhr hätten als Solidaritätsbekundung für das hochengagierte Pflegepersonal die Glocken der Kirche St. Cornély geläutet und alle Carnacois aus ihren Fenstern zugehört und applaudiert. Ézan: „Wir leben in einer schönen Region und haben gutes Wetter, es ist angebracht, positiv zu denken.“

Auch in Argentré wurde das Klopapier knapp

Ähnlich äußert sich auch Christian Lefort, Bürgermeister von Argentré und Louvigné, mit denen Babenhausen partnerschaftlich verbunden ist: „Wie in Deutschland leben wir seit einer Woche völlig zurückgezogen.“ Die Bürger würden die auferlegten Beschränkungen respektieren, sie hätten den Ernst der Lage verstanden, so der Bürgermeister. Die Rathäuser hätten bis auf das Vermelden von Geburten und Todesfällen geschlossen, das Arbeiten im Homeoffice erlebe eine Hochkonjunktur. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in französischen Supermärkten sei es zu unerklärlichen Hamsterkäufen bei Toilettenpapier gekommen, weiß Lefort. Im Departement Mayenne sei es derzeit vergleichsweise ruhig, es wurden keine neuen Todesfälle gemeldet, informiert der Bürgermeister.

In Tschechien gilt der nationale Notstand

Als die Deutschen sich erst noch an die Ausgangsbeschränkungen gewöhnen mussten, hatten sich die Bürger in Loket bereits mit der Situation arrangiert. In Tschechien wurden schon ein paar Tage zuvor Maßnahmen angeordnet. Seit dem 12. März gilt der nationale Notstand. Vorerst bis zum 24. April dürfen die Tschechen ihre Wohnungen nur noch für notwendigste Besorgungen verlassen. Außer Lebensmittelgeschäften und Apotheken ist praktisch alles geschlossen, berichtet Jana Motlikova. Sie war bis vergangenes Jahr Präsidentin des Elbogener Partnerschaftskomitees und berichtet auch von viel Hilfsbereitschaft unter den Menschen: „Meinen älteren Freunden habe ich auch meine Hilfe bei Einkäufen oder so angeboten. Alle haben mir gesagt, da sei ich nicht die Erste.“ Im Internet formieren sich Hilfsgruppen für ältere und kranke Mitbürger. Damit auch die, die das Internet nicht nutzen, alle Informationen bekommen, wurden Flyer verteilt.

Wegen der Auflagen musste auch ein bereits geplanter Besuch des Illertisser Bürgermeisters Jürgen Eisen in Loket verschoben werden, erzählt Motlikova. Das findet sie zwar sehr schade, doch sie kann der Situation auch Positives abgewinnen. Die strengen Maßnahmen scheinen Wirkung zu zeigen. Die Region Karlsbad, in der Elbogen liegt, ist mit 19 Infizierten die am drittwenigsten Betroffene in Tschechien. Kürzlich neu hinzugekommen ist die Vorgabe, dass jeder, der das Haus verlassen will, Mundschutz tragen muss, berichtet Motlikova noch.

So sieht es derzeit in Vöhringens Partnerstädten aus: Corona: In Venaria Reale und Vizille herrscht Ausnahmezustand


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