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Vöhringen

12.11.2019

Der Elefantenmensch lehrt in Vöhringen Toleranz

Theater in Vöhringen: Der Elefantenmensch sitzt zusammengekauert im Wald, bis ihm seine Mutter als Geist erscheint.
Foto: Ursula Katharina Balken

Das multimedial inszenierte Theaterstück um den missgebildeten John im Vöhringer Kulturzentrum wirft Fragen über Menschlichkeit auf.

Die Inszenierung des Theaterstücks „Der Elefantenmensch“, die das Projektkunst-Theater Mediabühne im Vöhringer Kulturzentrum präsentierte, ist aus dem Rahmen gefallen. Es war nicht nur eine faszinierende, audiovisuelle Darstellung einer Geschichte um einen missgebildeten Menschen, sondern die Aufführung enthielt auch einen aktuellen Bezug. Denn sie warf Fragen nach Menschenwürde, Toleranz und Akzeptanz auf.

Die Geschichte, die im Stück erzählt wird, hat einen realen Hintergrund. John Merrick wurde 1862 in London geboren. Im Alter von 21 Jahren begann sich sein Körper zu verformen. Ein gewissenloser Schausteller präsentierte den deformierten Mann auf Jahrmärkten und stilisierte ihn zum „Monster“. Seine Deformation – so weiß man heute – beruhte auf einer Krankheit, die Muskelgewebe wie Knochen anschwellen lässt.

"Der Elefantenmensch" in Vöhringen: Melange aus Film, Rezitation und multimedialer Inszenierung

Um Menschen in seiner Umgebung nicht zu verschrecken, trägt er ein weites Gewand, seinen Kopf bedeckt er mit einem Tuch. So kann er zumindest etwas von der Welt sehen, meist aber lebt er in einem dreckigen Verschlag. Durch Zufall stößt der Arzt Frederick Treves auf ihn. Der erkennt in John einen liebenswerten und aufgeweckten Menschen. Der Arzt nimmt sich seiner an und schreibt seine Geschichte auf – diese wird später entdeckt. John Merrick starb früh. Wegen der Verkrümmungen konnte er nur im Sitzen schlafen. Er starb durch Erstickung.

Die Absicht, die Leidensgeschichte als Schauspiel auf die Bühne zu bringen, scheitert bei den meisten Theatern schon am Aufwand, der für die Maske des Elefantenmenschen erforderlich ist. Von den Dreharbeiten bei der Verfilmung des Stoffes in den 1980er-Jahren wird berichtet, dass John Hurt für die Rolle des verunstalteten John Merrick acht Stunden bei den Maskenbildnern verbringen musste, ehe an den Set kam.

Die Mediabühne macht daraus eine eigenwillige Performance. Im Hintergrund der Bühne gibt es eine Leinwand, auf der wie mit spitzer Feder gezeichnet die Animationsszenen erscheinen. Es ist eine gelungene Melange aus Film, Rezitation und multimedialer Inszenierung, bis in die letzten Facetten hinein durchdacht. Vier Hörspiel-Schauspieler sitzen unterhalb der Leinwand an einem langen Tisch. Dirk Hardegen, Peter Hawig, Annelie Krügel und Daniel Wandelt lesen ihre Texte dem Publikum zugewandt. So erleben die Zuschauer ausgefeilte stimmliche Präsenz. Sie fahren dank moderner Medientechnik in einer Kutsche, im Hintergrund der Film mit seiner düsteren Atmosphäre verfehlt seine Wirkung nicht. Daran haben Klaus Ude für Buch, Animation, Musik, Mathias Borchardt für Technik und Bauen sowie Annelie Krügel für Produktion und Regie ihren Anteil. Viel Beifall für den etwas anderen Theaterabend, der ein Wagnis sein könnte, aber durch die variable Sprechdisziplin und eindringlichen Filmbilder überzeugte.

Was beim Leonhardiritt in Tiefenbach geboten war, lesen Sie hier: Leonhardiritt: Hunderte Pferdefreunde besuchen Tiefenbach

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