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03.06.2009

Der Generationswechsel ist gescheitert

Allgäu Gescheitert ist vorerst das Projekt Generationswechsel beim Allgäu-Schwäbischen Musikbund (ASM). Zur Überraschung vieler war vor rund zwei Monaten der erst 30-jährige Diplomdirigent Robert Hartmann aus Wildpoldsried (Oberallgäu) zum neuen Bundesdirigenten gewählt worden. Doch Hartmann hat nun das Handtuch geworfen. "Ich habe in der Kürze der Zeit festgestellt, dass ich der Falsche für dieses Amt bin", sagt er gegenüber unserer Zeitung.

"Ich bedaure dies, denn ich halte Hartmann für einen qualifizierten Mann, der gute Voraussetzungen für dieses Amt mitbringt", erklärt ASM-Präsident Franz Pschierer, der den 30-Jährigen auch gegen Widerstände aus den eigenen Reihen zum Bundesdirigenten gemacht hatte. Pschierer wollte nach dem berufsbedingten Ausscheiden von Elmar Vögel (54, aus Sigmarszell, Westallgäu) als Bundesdirigent mit der Neubesetzung durch den jungen Oberallgäuer Hartmann bewusst ein Zeichen für die Zukunft setzen.

Staub aufgewirbelt

Hört man sich in ASM-Kreisen um, so haben bereits die ersten Äußerungen Robert Hartmanns als Bundesdirigent mächtig Staub aufwirbelt. Als eines seiner vorrangigsten Ziele nannte er die Verbesserung der Dirigentenausbildung; die bisherige verglich er dabei mit einem "Erste-Hilfe-Kurs" (wir berichteten). Damit hatte er offenbar viele ältere ASM-Dirigenten gegen sich aufgebracht. "Da waren wohl die meisten erbost darüber. Aber ich stehe auch heute noch dazu", sagt der 30-Jährige. "Diese Stellungnahme war verheerend", sagt Pschierer. In der jüngsten Bezirksdirigententagung habe es deshalb eine "offene, harte Aussprache" gegeben, die aber mit einer Einigung geendet habe. Der Knackpunkt sei seiner Meinung nach die unterschiedliche Auffassung in der Dirigentenausbildung gewesen. Hartmann habe auf ein modulares, nach Stufen aufgebautes Prinzip gesetzt. Doch durch dieses Mehr an Ausbildungseinheiten und den größeren Zeitaufwand würden gerade die ehrenamtlich tätigen Dirigenten an ihre Grenzen stoßen.

Der Generationswechsel ist gescheitert

"Ich wollte Dirigenten nicht nur das Dirigieren beibringen, sondern ihnen auch Hintergründe für die wichtige Probenarbeit vermitteln", sagt Robert Hartmann. Dies sei aber nicht überall gut angekommen. "Ich wollte nur das Beste für den Verband, und will es noch, aber offenbar will man momentan mich und meine Ideen nicht". Angefangen hätten die Probleme gleich nach seiner Ernennung. "Ich war kaum zwei Tage im Amt, da hat man im Präsidium entschieden, dass das schwäbische Jugendblasorchester nicht zur Weltmeisterschaft ins niederländische Kerkrade fährt". Als langjähriges Mitglied und Dozent des Orchesters habe er das Gefühl gehabt, dass man ihm den Boden für eine professionelle Jugendarbeit unter den Füßen weggezogen hatte. Auch weil sich der ASM vom Dirigenten Maurice Hamers trennte. Der Niederländer ist Professor für Blasorchesterleitung in Augsburg und ein Vorbild Hartmanns.

"Hätte mich verbiegen müssen"

"Um das Amt zufriedenstellend auszufüllen, hätte ich mich in meiner Persönlichkeit ziemlich verbiegen müssen", betont Hartmann. "Ich habe intensiv nachgedacht, konnte nicht mehr vernünftig schlafen und mir gesagt: Wenn es so weit geht, dass sogar meine Gesundheit darunter leidet, dann läuft da etwas schief". "Man hätte vielleicht die Betroffenen

zu Beteiligten machen und mehr mitnehmen müssen", so Pschierer. Ist das Projekt Generationswechsel gescheitert? "Ich hätte mir gewünscht, dass es klappt, aber die Geschwindigkeit war zu hoch. Der Verband muss sich bewegen und ich werde da nicht locker lassen". Über einen Nachfolger Hartmanns werde der ASM im Herbst entscheiden.

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