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Babenhausen

18.10.2018

Der „Gute Hirte“ in Babenhausen wird 90 Jahre alt

So sieht der Kindergarten „Guter Hirte“ an der Schulstraße heute aus. Das Gebäude ist vor 90 Jahren eingeweiht worden.
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So sieht der Kindergarten „Guter Hirte“ an der Schulstraße heute aus. Das Gebäude ist vor 90 Jahren eingeweiht worden.
Foto: Claudia Bader

Die Kinderbetreuung in Babenhausen hat eine lange Geschichte. Über die Anfänge der „Kleinkinderbewahranstalt“, das lange Warten auf den Neubau und eine frühe Elterninitiative.

Seit 90 Jahren spielen Buben und Mädchen im Babenhauser Kindergarten „Guter Hirte“. Das Gebäude an der Schulstraße wurde im Oktober 1928 eingeweiht. Die lokale Prominenz hatte sich zu diesem Anlass versammelt. Der damalige Dekan Michael Zott segnete den Neubau, Bürgermeister Joseph Rausmayr eröffnete ihn feierlich. Zuvor hatten die Babenhauser lange warten müssen, bis der Kindergarten die Räume beziehen konnte. Denn der Umzug war dringend nötig: Die bis dahin genutzten Räumlichkeiten waren immer wieder zu eng und sanierungsbedürftig geworden. Die Zahl der Kinder war gestiegen – und damit auch die Nachfrage nach Betreuung.

Vor einer ganz ähnlichen Herausforderung steht die Marktgemeinde auch heute – 90 Jahre später. Die inzwischen vier Babenhauser Kindergärten stoßen, wie berichtet, an ihre Grenzen. Angesichts des runden Jubiläums sei nun an die Entwicklung der Kinderbetreuung im Fuggermarkt erinnert – und an jene der ersten Einrichtung, die anfangs noch ganz nüchtern mit „Kleinkinderbewahranstalt und Kinderasyl“ betitelt war.

Schon 1884 vermachte die verstorbene Gräfin Theresia Fugger, eine Schwester des Fürsten, der Marktgemeinde eine bedeutende Summe zum Bau einer solchen Einrichtung. 1891 ergab sich dann für den damaligen Pfarrer Joseph Heel die Chance, den leer stehenden „Kobelhof“ in der Vorstadt zu kaufen und nach Umbauten die lange erforderliche und geplante Anstalt einzurichten. Zwei Jahre später wurde sie eröffnet.

Zur Betreuung der Kinder konnte er Schwestern des Franziskanerinnenklosters „Maria Stern“ aus Augsburg gewinnen. Durch den Umbau des Gebäudes waren zwei Säle entstanden, sodass die Klosterfrauen auch ihre Handarbeitsschule betreiben konnten. Im nördlichen Teil des Hauses waren deren Wohnräume untergebracht – man sprach in Babenhausen auch vom „Kloster“. Der zu diesem Zeitpunkt bereits gegründete „Katholische Gesellenverein“ fand dort zudem eine Heimstätte für Veranstaltungen und Fortbildungen. Das Gebäude wurde unter das Patronat des Heiligen Josef gestellt und darum auch „Josefshaus“ genannt. Dekan Heel schenkte das florierende Institut dem Kloster „Maria Stern“. 1913 ging der Besitz auf die Marktgemeinde über.

Der Erste Weltkrieg machte die Pläne zunächst zunichte

In Laufe der Zeit wurde die Einrichtung jedoch sanierungsbedürftig. Um 1913 stand der Magistrat vor der Entscheidung, ob er viel Geld in eine Renovierung stecken will oder ob er einen Neubau befürwortet. Im November 1913 wurde dann im Rathaus beschlossen, auf dem freien Grundstück an der Schulstraße – direkt gegenüber des „neuen Schulhauses“, zwischen dem Unteren Ruchti und dem Bärenschmied – einen Neubau für die Kinderbewahranstalt zu errichten. Das Kinderasyl wollte man beim Altersheim am Espach belassen. Architekt Franz Xaver Huf aus München, der schon das Distriktskrankenhaus erbaut hatte, wurde mit der Planung des Neubaus beauftragt.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 machte die Pläne jedoch zunichte. Der Baubeginn wurde verschoben, man wollte bis zum Ende des Krieges warten. Die Klosterfrauen im Josefshaus an der Kolpingstraße betreuten die Babenhauser Kinder weiterhin. Auch die Nachkriegszeit mit ihrer schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung und den Folgen der Geldentwertung vereitelte den Gedanken an den längst geplanten Neubau.

Bezirksärztliche Gutachten über die hygienischen Verhältnisse und die heruntergekommene Bausubstanz des alten und feuchten Josefshauses bewirkten schließlich, dass die Kinderbewahranstalt Ende 1926 geschlossen wurde. Daraufhin formierte sich eine Elterninitiative. Diese forderte die „sofortige Wiedereröffnung, damit Unruhen vermieden werden, bis die Gemeinde in einigen Jahren finanziell in der Lage ist, den versprochenen Neubau zu beginnen“. Besonders die Familienväter aus der Landwirtschaft stellten die Notwendigkeit der Anstalt, in der sie „ihre Kinder gut versorgt wissen“, während der Sommermonate heraus – und pochten auf einen Neubau. 1927 wurde die Anstalt im „Josefshaus“ wieder eröffnet.

So waren die Pläne für das Gebäude gestaltet.
Foto: Dieter Spindler (Repro)

Der Architekt legte eingestampfte und sparsamere Pläne für den Neubau vor. Diese sahen im Erdgeschoss einen Saal für 80 Kinder, einen Schlafsaal für die ganz Kleinen und einen Handarbeitssaal vor. Im Obergeschoss sollten Schlafräume für fünf Klosterfrauen, ein Refektorium und Sanitärräume Platz finden. Auf Initiative des Dekans wurde noch eine Hauskapelle integriert, die mit privaten Mitteln finanziert werden sollte. Wegen der „Geldnot der Gemeinde“ sparte der Architekt beim Innenausbau, etwa bei Böden. Außerdem wurde das Haus nur teils unterkellert.

Am 28. Oktober 1928 war es dann soweit: Mehr als 100 Kinder konnten in das – nun fortschrittlich „Kindergarten“ genannte – neue Haus einziehen. Drei Jahre später wurde es durch eine offene Sommerhalle im Garten ergänzt. Die Klosterfrauen übernahmen wieder ihren Dienst – unter ihnen war etwa Schwester Expedita, die über viele Jahre hinweg Kinder betreute.

Das Raumangebot reichte in der Nachkriegszeit, als die Bevölkerung und dadurch die Zahl der zu betreuenden Kinder stark gestiegen war, noch kläglich aus. 1977 beschloss der Marktrat, das Gebäude um eine Raumscheibe bis zum Dach zu erweitern. Während der Baumaßnahme wurde der Kindergarten in die ehemalige Landwirtschaftsschule ausgelagert.

Weitere Sanierungen folgten ab 1993. Drei Gruppenräume, zwei Intensivräume mit „Kinderküche“ und ein Turnraum wurden geschaffen, die Toiletten modernisiert. Ein neuer Spielgarten wurde 2011 gestaltet. Nun feiert der „Gute Hirte“ seinen stolzen Geburtstag. (mit stz)

Info: Der „Gute Hirte“ blieb nicht der einzige kommunale Kindergarten in Babenhausen: 1985, 1995 und 2015 öffneten drei weitere Einrichtungen. Aktuell stoßen die Einrichtungen an ihre Grenzen: Eine Bedarfsanalyse vonseiten einer Expertin des Landratsamt hat ergeben, dass die Kindergärten voll, manche mehr als voll belegt sind. Auch räumlich herrsche Platzmangel. Marktgemeinderat und Verwaltung suchen derzeit nach Lösungen.

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