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Der Landkreis Neu-Ulm erlebt einen Bundestagswahlkampf wie nie zuvor

Kommentar Von Rebekka Jakob
19.03.2021

Plus SPD-Mann Brunner ohne Listenplatz in Bayern, die CSU im Sog der Maskenaffäre: Plötzlich wird die Bundestagswahl im Wahlkreis Neu-Ulm erstmals richtig spannend.

Über Jahrzehnte war es immer klar: Wen die CSU im Wahlkreis Neu-Ulm auf den Schild hebt, um bei der Bundestagswahl anzutreten, kann schon mal im Regierungsviertel auf Wohnungssuche gehen. Das war auch zu Zeiten der Bonner Republik schon so. Ernsthafte Hoffnungen auf das Direktmandat dürfte sich selbst unter der Regierung Gerhard Schröders weder ein SPD-Kandidat noch eine Bewerberin der Grünen gemacht haben. Das war reserviert für einen Theo Waigel, für einen Georg Nüßlein. Und vorher für Hans Schütz und Leo Wagner.

Es war einmal. Denn die märchenhaften Zeiten für die CSU in den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg sind spätestens seit dieser Woche vorbei. Die Verwicklung des Günzburger CSU-Urgesteins Alfred Sauter in die Masken-Affäre hat den Wahlkreis endgültig ins Chaos gestürzt. Noch nie war die Entscheidung um das Direktmandat so unsicher wie 2021. Und auch die Erinnerung an "gute alte Zeiten" hilft nicht weiter: Das Doppelleben des Bundestagsabgeordneten Leo Wagner wurde erst kürzlich im Fernsehen gezeigt. Und selbst Theo Waigels medienwirksame Impfung in der Krumbacher Kreisklinik hat zuletzt viele empört.

Nüßleins Nachfolger als CSU-Kandidat übernimmt eine schwere Hypothek

Wer auch immer die Nachfolge Nüßleins antritt - er übernimmt eine schwere Hypothek. Das Vertrauen in die Christsozialen ist erdrutschartig gesunken. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für unsere Redaktion zeigt aktuell: Knapp drei von vier Deutschen glauben an ein Amigo-Problem der CSU. Mit viel mehr Gegenwind kann ein neuer CSU-Kandidat - egal, aus welchem Teil des Wahlkreises Neu-Ulm er kommt, ob Frau oder Mann, ob mit viel politischer Erfahrung oder ohne - kaum in den Wahlkampf starten.

SPD-Mann Karl-Heinz Brunner hätte als Gewinner aus diesem ganzen Chaos hervorgehen können. In seinem Heimatlandkreis gilt der ehemalige Illertisser Bürgermeister als einer, mit dem man reden kann. Als Bundestagsabgeordneter, der - im Gegensatz zu seinem Mitbewerber, der die CSU jetzt verlassen hat - gerade im Landkreis Neu-Ulm Präsenz zeigt. Und nicht wie Nüßlein im Landkreis Günzburg dem Kreistag zwar angehört, dort aber kaum zu sehen ist.

Karl-Heinz Brunner wird von der eigenen Partei ausgebremst

Doch bei Brunner ist es die eigene Partei, die ihn ausbremst. So sehr, dass er vor lauter Ärger gleich ganz auf einen Listenplatz verzichtete.Diese klare Haltung könnte Brunner am Ende sogar noch ein richtig gutes Wahlergebnis bescheren. Mit der SPD, so hört man es auch aus vielen Ecken des Landkreises, habe man zwar nichts am Hut. Aber der Brunner sei eben ein Guter.

Allein Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz startet ganz ohne Stolpersteine. Es wird einer der spannenden Aspekte dieses Bundestagswahlkampfs sein, zu beobachten, wie sie die Startvoraussetzungen nutzt, die noch nie zuvor besser ausgesehen haben. Die Zeiten, in denen sie sich praktisch keine Hoffnungen auf ein Direktmandat machen konnte, sind jedenfalls vorbei.

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