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Naturschutz

18.06.2011

Der Mann, der den Wind bremst

Oberhalb des sogenannten Petzentals blickt Alfred Kober auf seinen neu angepflanzten Laubwald. Sein Ziel: Den unbewaldeten Teil der Günztalleite zu bepflanzen. Grundstücke dafür hat er bereits erworben. Im Hintergrund zu sehen: der Oberrieder Weiher.
Bild: Foto: evb

Alfred Kober pflanzt Bäume entlang der Günztalleite

Kettershausen-Zaiertshofen Alfred Kober bezeichnet sich selbst als „Waldbesitzer durch Zufall“. Rund um das Dörflein Zaiertshofen (Unterallgäu) gehören ihm mittlerweile zahlreiche Flächen: Dort mehrere Tausend Quadratmeter Fichtenwald, hier ein Hektar Laubwald, eine Streuobstwiese, ein Wäldchen, das er „Vogelparadies“ nennt ...

Ist Kober ein Holzhändler, ein Förster oder Jäger? Nein, Kober ist Polizeibeamter im Ruhestand aus Oberbleichen. Warum er in Land und Bäume investiert, fasst er kurz: „Ich mache das nur für die Natur.“

Wie viel Fläche ihm insgesamt gehört, kann er nicht genau sagen. Sein Besitz gleicht einem Fleckerlteppich: Ein Stück hat er geerbt, ein anderes während der Flurbereinigung günstig erworben oder aber gezielt gekauft, wie die Fläche nördlich von Zaiertshofen. Dort soll ein Laubwald entstehen.

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Wenn er über seinen Wald spricht, fallen Schlagwörter wie „Klima“, „Raum für Erholung“, „faszinierende Natur“, „Wasserspeicher“ und – für Kober besonders wichtig – „Sturmbremse“. So liegt der größte Teil seines Grundes am Rande des sogenannten Petzentals, einer Öffnung der Günztalleite nördlich von Zaiertshofen. „Durch dieses trichterförmige Loch pfeift oft der Wind“, sagt Kober. Häufig habe er beobachtet, wie Staubwolken aufwirbeln und wertvoller Boden quasi davonfliegt. Diese Erosion soll sein Wald verhindern.

Kober – Autor von Heimatbüchern – erzählt anschaulich: Angefangen habe alles mit einer abfallenden Hangwiese, die seinem Schwiegervater Balthasar Stöppel aus Zaiertshofen gehört hatte. Zweimal sei Stöppel beim Mähen fast samt Traktor umgekippt und er habe das Unglück nur verhindern können, indem er den Sitzplatz wechselte und so das Gewicht verlagerte. „Dean Buckel lass’ i springa“, hat er laut Kobers Erzählung eines Tages gesagt. Kober aber hielt ihn davon ab, die Wiese zu verkaufen.

1965 – nun war Kober selbst Besitzer dieser Fläche – pflanzte er dort 1200 Fichten und 50 Lärchen. „Damals waren Fichten einfach in“, sagt er. Mittlerweile wachsen unter den Nadelbäumen Laubbäume heran, die in Kobers Augen an dieser Stelle dem Umweltschutz zuträglicher sind.

1992 kaufte Kober ein angrenzendes Grundstück, das bisher als Viehweide genutzt worden war. Auf der nach Süden in das Petzental abfallenden Fläche sind mittlerweile Eschen, Linden, Buchen, Feldahorn und Haselnusssträucher zu einem dichten Wald gewachsen. Und Kober kaufte weitere Flächen, pflanzte Spitzahornbäume und Linden, die nun schon gut hüfthoch sind. Für weitere 1500 Quadratmeter hat er bereits einen genehmigten Aufforstungsplan. Und auf einer Fläche von 3500 Quadratmetern möchte er sogenannte Nusshybriden anpflanzen, eine Kreuzung von Walnuss und Schwarznuss. Sein Ziel: Die offene Stelle der Günztalleite mit Laubbäumen zu schließen und den Wind zu bremsen.

Das Vogelparadies, ein Schlaraffenland

Das ist momentan das wohl größte Projekt des 73-Jährigen. Aber er tut noch mehr für den Naturschutz. Zwischen Zaiertshofen und Mohrenhausen etwa besitzt er ein Waldstück – das „Vogelparadies“. Dort wachsen Kirschbäume, Schlehen und Ebereschen – eben lauter Bäume, die dieses Areal zu einem Schlaraffenland für Vögel machen.

Die Forstarbeiten in seinen Wäldern erledigt Kober selbst. Und das kann manchmal ganz schön gefährlich werden, wie er berichtet. Schon zweimal wäre er beim Absägen von Ästen beinahe von der Leiter gestürzt. Doch das scheint ihn im Nachhinein nicht weiter zu beängstigen – er nimmt es lediglich als Anlass, eine amüsante Geschichte darüber zu schreiben.

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