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Memmingerberg

10.01.2020

Der Schnee kann kommen: Allgäu-Airport ist gut gerüstet

Ein Mitarbeiter enteist eine der beiden Ryanair-Maschinen, die auf dem Allgäu-Airport stationiert sind. Sie stehen somit auch über Nacht auf dem Flughafen und setzen im Winter oft Eis an.
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Ein Mitarbeiter enteist eine der beiden Ryanair-Maschinen, die auf dem Allgäu-Airport stationiert sind. Sie stehen somit auch über Nacht auf dem Flughafen und setzen im Winter oft Eis an.
Foto: Anna Kabu/Marina Siladji

Was es im Winter an dem Flughafen in Memmingerberg alles zu tun gibt. Ein Besuch.

Um 11.05 Uhr soll das Flugzeug ins warme Marrakesch abheben. Doch im Gegensatz zur nordafrikanischen Stadt hat es in Memmingerberg an diesem Tag Temperaturen um null Grad. Das bedeutet: Frostgefahr. „Die zwei Ryanair-Maschinen, die bei uns am Flughafen stationiert sind und somit über Nacht hier stehen, müssen heute auf jeden Fall enteist werden“, sagt Klaus Kempter. Er ist Winterdienstleiter am Allgäu-Airport.

In dem Moment kommt die Enteisungsmaschine angefahren. Zwei neue, derartige Geräte hat der Flughafen erst im Oktober angeschafft. Das Enteisungsmittel, das ein Mitarbeiter auf den linken Flügel aufbringt, dampft. „Die Flüssigkeit ist etwa 80 Grad heiß“, erklärt Kempter. „So haben wir einen sehr guten Taueffekt.“ Wenn das sogenannte „De-Icing“ abgeschlossen ist, trägt der Mitarbeiter noch ein Mittel auf, das das Flugzeug etwa acht Stunden vor dem Wiedereinfrieren schützt – auch „Anti-Icing“ genannt. Doch nicht nur die Flugzeuge, die über Nacht am Airport stehen, müssen von Eis befreit werden: Auch andere Maschinen, die in Memmingerberg landen, im Normalfall einen Aufenthalt von 20 bis 25 Minuten haben und dann weiterfliegen, können bei kaltem Wetter eine Behandlung nötig haben. „Zum Beispiel wenn das Flugzeug beim Landeanflug durch feuchte Luftschichten fliegt“, erklärt Kempter.

Die erste Räumschicht beginnt meist um 4.30 Uhr

Das Enteisen der Flugzeuge gehöre im Winter, schon bevor der erste Schnee fällt, also regelmäßig dazu. „Diese Aufgabe kann aber nicht jeder Mitarbeiter des Winterdienstes erledigen“, fügt Marina Siladji schmunzelnd hinzu. „Denn der Enteiser schwankt schon mal ein bisschen“, sagt die Marketingleiterin des Airports und schaut zu dem Mitarbeiter hinüber, der sich gerade in ungefähr zwölf Metern Höhe am Seitenleitwerk des Flugzeugs zu schaffen macht. Nach ungefähr 20 Minuten ist der Mann mit dem Flieger fertig. Dort wo das Enteisungsmittel heruntertropft, bilden sich große Pfützen auf dem Boden. „Das wird im Anschluss aufgesaugt und in die Kläranlage gebracht“, sagt der 48-Jährige.

Klaus Kempter ist Winterdienstleiter am Allgäu-Airport.
Foto: Anna Kabu/Marina Siladji

Im Moment schaut es zwar so aus, als würde der Schnee noch etwas auf sich warten lassen, dennoch ist der Airport mit insgesamt neun Räumfahrzeugen für den Wintereinbruch gut gerüstet. Kempter hat schon vor längerer Zeit geprüft, ob alle Geräte einwandfrei funktionieren, ob Ersatzteile vorhanden sind und ob genug Streumittel sowie Dieselkraftstoff bereitstehen. Wenn es denn schneit, werden für die Start- und Landebahn sieben Räumfahrzeuge benötigt. In einer V-Formation fahren sie nebeneinander her. Vor der Landebahn-Verbreiterung von 30 auf 45 Meter reichten noch fünf bis sechs Fahrzeuge aus.

Je nach Flugplan beginnt die erste Räumschicht meist um 4.30 Uhr – denn ab 6 Uhr ist Flugbetriebszeit. „Wir müssen dafür sorgen, dass jeder landen kann“, sagt Kempter. Mittags ist dann, wenn möglich, Schichtwechsel. „Denn man wird irgendwann schneeblind.“ Sollte mal Not am Mann sein, springen auch gerne Kollegen aus der Verwaltung ein, erzählt Siladji: „Vielen macht das richtig Spaß.“ Kempter fügt hinzu: „Manchmal fährt sogar der Chef selbst.“ Der „Chef“, das ist Geschäftsführer Ralf Schmid.

Im Moment seien seine Mitarbeiter „schon ganz wild auf Schnee“, sagt Kempter. Sobald dann aber mal drei Wochen lang Schnee liege, verfliege diese Euphorie meist wieder. Denn bis die rund drei Kilometer lange Start- und Landebahn, alle Vorfelder und Rollwege geräumt sind, dauert es vier bis fünf Stunden. Bei viel Schnee muss danach zusätzlich ein Streufahrzeug eingesetzt werden. Im Gegensatz zu den Räumfahrzeugen, die auf den Straßen fahren, streut dieses kein herkömmliches Salz: „Das wäre schädlich – denn dieses Salz greift Bremsen und Fahrwerksteile des Flugzeugs an“, sagt Kempter. Stattdessen benutzen die Flughafen-Mitarbeiter ein Mittel auf Formiat-Basis – also auf der Basis von Salzen der Ameisensäure.

Anschließend fährt ein Fahrzeug über die Piste und misst den Reibwert, anhand dessen bestimmt wird, ob die Fahrbahn noch glatt ist. Zu guter Letzt kommen zwei Schneefräsen zum Einsatz: Sie verteilen die großen Schneehaufen, die sich am Rande der Landebahn ansammeln, auf die angrenzenden Felder. Siladji ist sich sicher, dass der Flughafen auch diesen Winter gut meistern wird: „Wir sind bestens präpariert.“

Lesen Sie außerdem: Allgäu Airport hat 2020 so viele Reiseziele im Angebot wie noch nie

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