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28.12.2011

„Der Wahlkampf hat 2006 begonnen“

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Einen großen Pot Kaffee bestellt der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather. Dann spricht er mit IZ-Redakteurin Eva Büchele über die Wahlen, Marita Kaiser und seine bisherige Amtszeit.
Bild: Foto: sas

Bei einer Tasse Kaffee spricht der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather über seine Amtszeit, die Wahl 2012 und die Mitbewerberin aus Illertissen, Marita Kaiser

Illertissen Hans-Joachim Weirather bestellt einen großen Pot Kaffee. Viel zu tun hat der Unterallgäuer Landrat im Dezember. Und ganz vernünftig sei er bei der Feier der Sparkasse am Vorabend auch nicht gewesen. Doch der Kaffee weckt die Lebensgeister und Weirather kommt ins Erzählen. Was er in seiner Zeit als Landrat im Unterallgäu so alles ins Rollen gebracht hat, legt er ausführlich dar: Schulen wurden saniert, es gibt nun eine einheitliche Radwegebeschilderung im Landkreis und ein Seniorenkonzept. Hat der Wahlkampf schon begonnen?

„Für manche aus der CSU hat der Wahlkampf bereits am 1. August 2006 begonnen“, scherzt Weirather. Mit der Wahl 2006 hat er – Mitglied der Freien Wähler – der über 28 Jahre andauernden CSU-Herrschaft im Unterallgäu ein Ende gesetzt.

Für Weirather hat sich seither einiges verändert. „Es ist manchmal schwer, die Herausforderung 100-prozentig anzunehmen und gleichzeitig die Nähe zu denen zu halten, die mir wichtig sind.“ Der Landrat ist verheiratet, hat drei Kinder und er sei, so sagt er, beruflich 70 bis 80 Stunden in der Woche unterwegs.

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Er liebt seinen Job. Ihm gefalle die Themenvielfalt, und dass er gestalten kann, sagt der gebürtige Fellheimer: „Außerdem ist es schön, als Unterallgäuer im Unterallgäu zu arbeiten.“

Bei der Wahl im April 2012 will er wieder antreten. Die Nominierungsversammlung der Freien Wähler ist am 26. Januar. Die CSU hat bereits eine Kandidatin: die Illertisser Bürgermeisterin Marita Kaiser. „Zu Frau Kaiser haben Sie mich noch gar nichts gefragt“, stellt Weirather fest. Natürlich habe er sie schon kennengelernt. Dass die Gegenkandidatin eine Frau ist, ist für ihn nicht von Bedeutung. „Ich mache nicht gegen jemanden Wahlkampf.“ Schließlich wolle er sich den Wählern präsentieren. „Die Leute sollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Der Mitbewerber tritt so automatisch in den Hintergrund.“ Auf die Frage nach seinen Wahlkampf-Themen antwortet er: „Ich stehe für Transparenz, für den geraden Weg und für die Gleichbehandlung aller Bürger.“ Wichtig seien ihm Bildung, Infrastruktur, die wirtschaftliche Entwicklung und das Sozialgefüge.

Ein Fahrplan für die Klinik-Kooperation

Oft thematisiert auch die Krankenhäuser: Für die Kreiskliniken soll ein Fahrplan für eine Zusammenarbeit mit dem Klinikum Memmingen erstellt werden, damit die Gremien eine Entscheidungsgrundlage haben. Die meisten kommunalen Krankenhäuser plage das gleiche Problem: Die Personal-Ausgaben seien gestiegen, aber nicht die Einnahmen. „Der Kampf um Patienten ist härter geworden“, so Weirather. Die Lösung könnte ein Verbund sein und damit eine Spezialisierung der Häuser. „Möglichst wenig Doppelvorhaltungen in der Region verringern die Fixkosten.“

Harte Einschnitte seien weder in Mindelheim noch in Ottobeuren geplant. War die Schließung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Babenhausen, einer Tochterfirma der Kreiskliniken, die härteste Maßnahme? „Das ist Interpretationssache“, sagt Weirather. Fakt sei, das MVZ sei nicht gewinnbringend zu betreiben gewesen. „Die gute Nachricht ist, was wir jetzt in den Räumen haben: Physiotherapie, Ergotherapie und bald wird noch Logopädie angeboten.“

An ein Krankenhaus-Thema wird Weirather nicht gern erinnert: Damals 2009, als der Verwaltungsrat der Kreiskliniken beschloss, dem Vorstand Alfons Hawner und dem Ärztlichen Direktor des Ottobeurer Hauses, Dr. Wolfgang Pflederer, zu kündigen. Weirather hat damit Aufsehen erregt. In der freien Internet-Enzyklopädie Wikipedia ist zu lesen: „Eine der größten Diskussionen um einen Landrat im Landkreis Unterallgäu wurde durch Weirather ausgelöst. Auf seine Initiative entließ er den Verwaltungschef des Kreiskrankenhauses Ottobeuren. Das Arbeitsgericht sprach den Verwaltungschef von den Vorwürfen frei, welche Weirather ihm machte.“

„Das stimmt so nicht ganz“, sagt der Landrat. Vertrauen sei ihm wichtig. „Und mein Vorstand hat mich und meinen ersten juristischen Staatsbeamten angelogen.“ Es ging damals um den Sohn des Chefarztes, der unter einem anderen Vertrag an der Klinik beschäftigt wurde als offiziell angegeben, führt der Landrat aus. Aber das Thema habe sich für ihn erledigt. „Hätte ich das Gefühl, dass ich jemanden ungerecht behandelt hätte, würde mir das nachgehen. Das ist hier aber nicht der Fall.“

Weirather hat anderes im Kopf: Über das Internet-Netzwerk Facebook möchte er nun um Wähler werben, ebenso wie bei zahlreichen Veranstaltungen – auch im Raum Babenhausen. Die Diskussion um den Ortskern des Fuggermarkts beobachtet Weirather mit Interesse: „Babenhausen steht gut da im Vergleich zu anderen Gemeinden dieser Größe“, meint der Landrat. „Der Ort hat Perspektive und es lohnt sich, dass daran gearbeitet wird.“

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