Zwischen Altenstadt und Osterberg

18.09.2013

Der Weg in die Stille

Das fängt ja schon gut an: Am Ausgangspunkt unserer Wanderung beim Osterberger Friedhof bietet sich ein großartiger Fernblick. Bei Fön sind natürlich die Alpen zu sehen.
Bild: Ronald Hinzpeter

Unsere Wanderung führt durch den Forst zwischen Altenstadt und Osterberg.

Es ist still hier. Nur ein paar Mücken sirren in Ohrnähe. Obwohl der Nachmittag noch nicht in den Abend übergehen mag, macht sich das Licht rar. Neben der groben Holzgarnitur aus einem Tisch und zwei Bänken rinnt Wasser aus dem Boden. Das ist die Hasenquelle, die diesem versteckten, kühlen Picknickplatz den Namen gegeben hat. Ein kleines verwittertes Schild weist den Weg zu diesem Ruheort, der fast wie ein Versteck wirkt. Zeit für eine Stärkung – und für eine weitere Dosis Insektenschutz auf der Haut.

Für diese Wanderstrecke ist ein solches Mittelchen ein sinnvoller Begleiter, denn unser Weg führt fast ausschließlich durch den schönen Forst zwischen Altenstadt, Osterberg und Kellmünz. Und der ist nun mal vor allem in der Luft sehr „belebt“. Der Wald birgt eine besondere Route, den Mariensteig. Dieser gewundene Pfad ist ein Weg in die Stille – und das wörtlich, denn der Einstieg ist akustisch eher eine Zumutung: Er liegt nur einen Steinwurf von der Autobahn 7 entfernt. Das Brausen, Jaulen und Heulen begleitet den Wanderer eine Zeit lang, bis es irgendwann im Rauschen der Blätter untergeht.

Wanderserie Osterberg
6 Bilder
Mariensteig: Der Weg in die Stille
Bild: Ronald Hinzpeter

Der Mariensteig zwischen Altenstadt und Kellmünz gehört zu den Klassikern der Touren im Illertal, denn er wird schon sehr lange benutzt. Einst sollen sich pirschende Jäger auf ihm entlang der bewaldeten Illerleite bewegt haben. Er folgt jeder Biegung des Höhenzuges und windet sich wie eine Schlange am Hang entlang.

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In der Frühzeit des vergangenen Jahrhunderts wurde er gerne von Maiwanderern benutzt und dementsprechend in einem Zeitungsbericht als „einer der schönsten Wanderspaziergänge in unserem weiten Illertal“ bejubelt. In der Folgezeit geriet er aber immer mal wieder in Vergessenheit und musste erneut begehbar gemacht werden. Zuletzt hatte das Mitte der 90er Jahre eine Läufergruppe aus Illereichen übernommen. Mittlerweile haftet ihm wieder etwas leicht Verwunschenes an, obwohl er gut ausgeschildert ist und sich gut begehen lässt.

Er ist Teil eines hervorragend ausgebauten Wegenetzes in diesem Staatsforst, in dem der Naturschutz eine wichtige Rolle spielt. Der Mariensteig bildet sozusagen den Höhepunkt unserer Wanderroute, die in Osterberg beginnt. Sie bietet vielfältigen Wald und einen besonderen Baum, die Petrus-Eiche. Sie steht an einer historischen Kreuzung des Drei-Grafen-Waldes.

Dort stießen einst die Gebiete derer von Rechberg, der Vöhlin und der Herrschaft aus dem Wolframsthal aufeinander. Mächtig erhebt sich der über 250 Jahre alte Baum, der mit Petrus-Figuren geschmückt ist. Das erste Kästchen wurde in einem Festakt vor einem guten Jahrhundert dort befestigt und seither mehrfach restauriert. Etwa 1930, denn im Jahr davor war es „von Bubenhand durch Pistolenschuss schwer beschädigt“ worden. So heißt es in der „Geschichte der Petrus-Eiche“. Sie hängt in einem Kästchen beim Baum. Wer den Text lesen will, muss der Anweisung auf den beiden Holzklappen folgen: „Wanderer, mach’s Türl auf.“ Eine zweite Statue hat ein dankbarer Arbeiter gestiftet: „Für 60 Jahre unfallfreie Holztransporte – 3 Jahre mit Ochsen und Pferdegespann (1 PS), 10 Jahre mit Lanz Bulldog (25 PS), 10 Jahre mit Unimog (65 PS), 37 Jahre mit Lkw (240 - 500 PS).“

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